Lemke, Helmut

Jurist, Bürgermeister, Ministerpräsident, Dr. jur., * 29.09.1907 Kiel, † 15.04.1990, evangelisch

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1925–1928 Jurastudium in Kiel und Tübingen, 1929 Promotion, 1933–1937 Bürgermeister in Eckernförde und Schleswig, seit 1949 Rechtsanwalt in Lübeck, 1951 Senator und 2. Bürgermeister in Lübeck, 1954-55 Kultusminister, 1955–1963 Innenminister, 1963–1971 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, 1964–1971 Landesvorsitzender der CDU, 1971–1983 Präsident des schleswig-holsteinischen Landtags.

Lemke gestaltete als „europäischer Regionalpolitiker" über 30 Jahre die schleswig-holsteinische Landespolitik entscheidend mit. In den 1950er Jahren brachte er als Minister eine Reihe wichtiger Reformen auf den Weg, die die Gestalt des neugegründeten Landes wesentlich beeinflussten (z. B. die Umgestaltung des Schulsystems, die Gründung einer medizinischen Hochschule in Lübeck). Als Innenminister und später als Ministerpräsident war ein Hauptanliegen seiner politischen Arbeit die stärkere Zusammenarbeit der europäischen Regionen, vor allem der nordischen Länder. Als sein größtes Verdienst gilt hier die deutsch-dänische Aussöhnung. Sein Engagement bei der Umsetzung des EWG-Vertrages führte dazu, dass Schleswig-Holstein eines der ersten Länder wurde, das konkrete Schritte zur Anpassung an die EWG-Gebote unternahm. Die Infrastruktur des Landes wurde u. a. durch die umfassende Gebietsreform ausgebaut und modernisiert, die Ansiedlung wichtiger Energieversorger und Wirtschaftsbetriebe wurde angeregt und das Land zwischen den Meeren durch umfangreiche Deich- und Sperrwerkbauten gegen Flutkatastrophen gesichert.

Literatur
U. Barschel (Hg.): Helmut Lemke - Reden, Aussprachen, Gedanken 1954–1983 (1987). – Bestand: Landesarchiv Schleswig-Holstein; ACDP.

Christine Dzubiel