Geschichte der CDU

Wallmann, Walter

Jurist, Oberbürgermeister, Bundesminister, Ministerpräsident, Dr. jur., * 24.09.1932 Uelzen, † 21.09.2013 Frankfurt/Main, evangelisch

Walter Wallmann, Portrait. (Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP)
Walter Wallmann, Portrait. (Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP)

Oberbürgermeister – Bundesumweltminister – Ministerpräsident

Herkunft und Ausbildung

Walter Wallmann wurde am 24. September 1932 in der Lüneburger Heide in Uelzen als Sohn eines Realschullehrers geboren. Der Vater war Mitglied der DVP und überzeugter Protestant. Walter Wallmann und sein jüngerer Bruder Wilhelm wuchsen in einem von Toleranz, Pflichtbewusstsein und christlichem Glauben geprägten Elternhaus auf.

Nach dem Abitur, 1952, studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Marburg. Nach bestandenem Staatsexamen und Promotion schlug er die Richterlaufbahn ein.

Beginn einer politischen Karriere

Mit dem Eintritt in die CDU 1960 begann der Weg in die Politik. 1968 bis 1977 war Wallmann Mitglied im Marburger Stadtrat und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Marburg. 1966 wurde er in den Hessischen Landtag gewählt. Der Aufstieg erfolgt rasch: 1967 Wahl zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU, drei Jahre später stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Innenausschusses des Hessischen Landtags. Bei der Landtagswahl 1970 gehörte er zur Kernmannschaft Alfred Dreggers. 1972 gelang der Sprung in den Deutschen Bundestag. Bundespolitisch bekannt wurde Wallmann, als er 1974 bis 1975 den Guillaume-Untersuchungsausschuss leitete, der die Hintergründe des Rücktritts von Willy Brandt als Bundeskanzler aufklären sollte. Politische Freunde und auch politische Gegner zollten seiner Sachlichkeit und seiner profunden Aktenkenntnis Respekt. Nach der Wiederwahl in den Deutschen Bundestag 1976 wurde Wallmann stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Oberbürgermeister aller Frankfurter

Bei der hessischen Kommunalwahl am 20. März 1977 gelang die Sensation: Die CDU erreichte mit ihrem Spitzenkandidaten Walter Wallmann in Frankfurt am Main 51,3% der Stimmen und beendete damit die seit 1945 währende SPD-Herrschaft der größten hessischen Stadt. Walter Wallmann sah sich als Oberbürgermeister aller Frankfurter. „Ich versicherte am Anfang meiner Amtszeit“, sagte er in seiner Antrittsrede vor der Frankfurter Stadtversammlung am 15. Juni 1977, „dass ich mich gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern in der Verantwortung weiß. Ich werde das Amt des Oberbürgermeisters nicht als ein parteipolitisches Amt missverstehen. Ich will und werde der Oberbürgermeister aller Bürger sein.“

Über neun Jahre bestimmte Walter Wallmann die Geschicke der bis dahin als unregierbar geltenden Stadt. Ruhig und sachlich packte er die Probleme an: Die Bekämpfung der Kriminalität, den umstrittenen Ausbau des Flughafens, die Auflösung der autonomen Kindertagesstätten sowie die Begrenzung des unkontrollierten Zustroms von Asylsuchenden. In dem SPD-Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann, den er im Amt beließ, fand er den idealen Partner für das große Ziel, Frankfurt zu einer internationalen Kunst- und Museumsstadt umzugestalten. Der Wiederaufbau der Alten Oper, die Neubauten am Museumsufer, der Bau eines Kongresszentrums und einer Eissporthalle sowie die Rekonstruktion der Fachwerkhäuser auf dem Römerberg veränderten das Gesicht der Stadt, ebenso auch die Sanierung der Innenstadt und des berüchtigten Bahnhofsviertels. Ein besonderes Anliegen war dem Oberbürgermeister die deutsch-israelische Aussöhnung. Unter den vielen Städtepartnerschaften lagen ihm die Partnerschaften mit Tel Aviv (1980) und auch mit Kairo (1979) besonders am Herzen. 1980 gründete Wallmann die Initiative „Frankfurter Juden besuchen ihre Heimatstadt“, ein Besuchsprogramm für ehemalige jüdische Bürger, das bis heute von der Stadt durchgeführt wird. Eine enge Freundschaft verband ihn zeitlebens mit Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden. 1981 bestätigten die Frankfurter ihren Oberbürgermeister mit 54,2% der Stimmen im Amt. Für seine Verdienste würdigte ihn die Stadt Frankfurt im September 2009 als erstes Stadtoberhaupt der Nachkriegszeit mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. „Die Jahre als Frankfurter Oberbürgermeister haben meinen Vater sehr geprägt“, bemerkte Wallmanns Sohn in seiner Dankesrede für den mittlerweile schwer erkrankten Vater. Wallmann selbst beschreibt die Frankfurter Jahre in seinen Memoiren als „die glücklichsten meines Lebens.“

Während der Frankfurter Jahre gewann Wallmann durch Umsicht und Offenheit auch auf landespolitischer Ebene immer mehr an Gewicht. Nach der verlorenen Landtagswahl im September 1982 wurde Wallmann zum neuen Landesvorsitzenden der hessischen CDU gewählt und löste seinen alten Freund und Weggefährten Alfred Dregger an der Parteispitze ab.

Erster Bundesumweltminister

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl berief Bundeskanzler Helmut Kohl Walter Wallmann am 3. Juni 1986 zum Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt legte der neue Umweltminister Ende 1986 ein Gesetz zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt vor und forderte auf der internationalen Atomenergiekonferenz in Wien eine internationale Regelung. Er entwickelte ein bundesweites Frühwarnsystem, lehnte aber einen raschen Ausstieg aus der Kernenergie ab. Die Nachrüstung der deutschen Kernkraftwerke mit Sicherheitsventilen, dem so genannten Wallmann-Ventil, aber auch die Änderung des KfZ-Steuergesetzes zur Einführung schadstoffarmer Autos sowie das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz sind eng mit dem Namen Walter Wallmanns verbunden.

Hessischer Ministerpräsident

Das überraschende Ende der ersten rot-grünen Koalition im Februar 1987 führte ihn nach Hessen zurück. Nach dem Sieg bei der Landtagswahl im April 1987 wurde Wallmann als erster Christdemokrat zum Hessischen Ministerpräsidenten gewählt. Der Sieg der Union in einem Stammland der SPD kam einem politischen Erdrutsch gleich: „Zum allerersten Mal ist es einer Bonner Regierungskoalition gelungen, während ihrer Amtszeit in einem Landesparlament von der Oppositions- auf die Regierungsbank zu wechseln“, so die Infas-Wahlanalyse (UiD 13/87).

Nach dem Wahlsieg begann die neue Landesregierung ihre Wahlversprechen umzusetzen: Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung der freien Schulwahl im Lande Hessen wurde die von der SPD eingeführte Förderstufe abgeschafft. Populär war auch die von der Landesregierung eingeführte Direktwahl der Landräte und Bürgermeister. Nach der Wende in der DDR leistete das Land Hessen Aufbauhilfe für das Nachbarland Thüringen. Andererseits trugen die Vorgänge um den Störfall im Atomkraftwerk Biblis 1989 zu einem Vertrauensschwund und starken Stimmenverlusten der CDU bei den hessischen Kommunalwahlen bei. Zwei Jahre später verlor die schwarz-gelbe Landesregierung bei den Landtagswahlen die Mehrheit.

Zurück nach Frankfurt

Walter Wallmann schied nach der verlorenen Landtagswahl aus der aktiven Politik aus. 1995 übernahm er für zwei Jahre den Vorsitz der Frankfurter CDU, um die Oberbürgermeisterin Petra Roth zu unterstützen, die als Oberbürgermeisterin „aller Frankfurter“ ihr Amt als Kreisvorsitzende niederlegte. Seine schwere Krankheit zwang ihn 1997 zum Rückzug ins Privatleben. Am 21. September 2013 verstarb Walter Wallmann in Frankfurt am Main.

Angela Keller-Kühne

Wallmanns politische Karriere dokumentieren zahlreiche Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Reden und Fotomaterialien, die er dem Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin übergeben hat.

Auszeichnungen

Ehrenvorsitzender der hessischen CDU 1979: Ehrenpreis der Hermann-Ehlers-Stiftung 1980: Bundesverdienstkreuz am Band 1982: Freiherr vom-Stein-Preis 1996: Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband 1996: Wilhelm-Leuschner-Medaille 2003: Hessischer Verdienstorden 2007: Ignatz-Bubis-Preis für Verständigung 2009: Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Frankfurt

Literatur

  • Petra Roth, Ernst Gerhardt, Bernhard Mihm (Hg.): Bewahren und Erneuern. Walter Wallmann zum 65. Geburtstag, Frankfurt am Main 1997.
  • Klaus-Dieter Osswald und Barbara Peter: Walter Wallmann. In: Udo Kempf und Hans-Georg Merz (Hg.): Kanzler und Minister 1949-1998. Wiesbaden 2001.
  • Walter Wallmann: Im Licht der Paulskirche. Memoiren eines Politischen. Hamburg 2002.