Geschichte der CDU

Späth, Lothar

Ministerpräsident, Vorstandsvorsitzender, * 16.11.1937 Sigmaringen, evangelisch

Lothar Späth, Portrait. (Quelle: Harald Odehnal/KAS-ACDP)
Lothar Späth, Portrait. (Quelle: Harald Odehnal/KAS-ACDP)

1953–1959 Ausbildung im Verwaltungsdienst in Giengen/Brenz, Bad Mergentheim und Stuttgart, 1960–1965 Finanzverwaltung der Stadt Bietigheim, 1965–1967 Beigeordneter für das Finanzwesen der Stadt Bietigheim, 1967 Eintritt in die CDU, 1967–1970 Bürgermeister der Stadt Bietigheim, 1968–1991 MdL Baden-Württemberg, 1970–1974 Geschäftsführer der Baugesellschaft „Neue Heimat" Baden-Württemberg, 1972–1978 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg, 1973–1974 Mitglied des Zentralvorstands der „Neuen Heimat" in Hamburg, 1975–1977 Vorstandsmitglied der Firma Baresel AG in Stuttgart, 1978 Innenminister von Baden-Württemberg, 1978–1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, 1979–1991 Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, 1991–2003 Geschäftsführer der Jenoptik GmbH bzw. Vorsitzender des Vorstands der Jenoptik AG, 2003–2007 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Jenoptik AG.

Späth nimmt unter den führenden deutschen Politikern der letzten Jahrzehnte wegen der sich in seiner Person verkörpernden Symbiose von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur eine Sonderstellung ein. Sein publizistisch-rhetorisches Naturtalent war auch auf die Kunst der Selbstdarstellung, vor allem aber auf die Verwirklichung seiner zahlreichen Ideen und Projekte ausgerichtet, die Baden-Württemberg in der Ära Späth einen wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Spitzenplatz verschafft haben. Diese Erfolgsbilanz wurde bundesweit registriert: Bis 1989 galt Späth als „Kronprätendent" Helmut Kohls. Nach quirligen Anfangsjahren als Ministerpräsident konnte er – übrigens nicht „beratungsresistent" – die ersten markanten Stationen seiner Regierungszeit realisieren: das Landesmediengesetz (1985), das erste in der Bundesrepublik, die Führungsakademie des Landes in Karlsruhe, eine Reihe von wirtschaftlichen Forschungsinstituten und technologischen Zentren und die Errichtung eines Umweltministeriums (1987) zeigen die Skalenbreite seiner Ideen. Auf vielen Reisen erwies sich Späth als erstklassiger Akquisiteur für die baden-württembergische Wirtschaft, die den Übergang zum technologischen Zeitalter im Vergleich zu anderen Ländern mit am besten bewältigte. Auch in der Kulturpolitik sorgte er für aufsehenerregende Projekte wie etwa das Landesmuseum Arbeit und Technik in Mannheim und die Künstlerakademie auf Schloss Solitude. Saniert wurden das Württembergische Staatstheater und das Wilhelma-Theater in Stuttgart; Schloss Gottesaue wurde Sitz der Karlsruher Musikhochschule. Der geplante Zusammenschluss von SWF und SDR sowie die Fusion der öffentlich-rechtlichen Bankinstitute zur Landesbank scheiterten. Als Einzelheiten über zahlreiche von Firmen finanzierte Reisen an die Öffentlichkeit drangen – „Verdacht der Vorteilsannahme" –, trat Späth zurück. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags sprach ihn von persönlicher Schuld frei; das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. „Wie man aus einem Trümmerhaufen ein erfolgreiches Unternehmen macht" (Späth), demonstrierte er in Jena; aus der von ihm geleiteten Jenoptik entstand ein moderner Technologiekonzern, dessen Börsengang (1998) die geschickte, weit vorausschauende Geschäftsführung des Ehrenbürgers von Jena bestätigte. Im Bundestagswahlkampf 2002 sah Kanzlerkandidat Stoiber ihn als Wirtschaftsminister vor, doch die Wahlniederlage der Union verhinderte Späths Rückkehr in die Politik. 2003 trat er als Vorstandsvorsitzender der Jenoptik zurück und ist seither als Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Wirtschaftsunternehmen tätig. Als Moderator des Privatsenders n-tv äußert er sich nach wir vor zu tagespolitischen Fragen.

Literatur
M. Lessenthin/A. Graw: Lothar Späth und die Rolle der Medien (1991); M. Zach: Monrepos oder die Kälte der Macht (1996); M. Prinzing: Lothar Späth – Wandlungen eines Rastlosen (2006).

Horst Ferdinand