Geschichte der CDU

Spiecker, Carl

Zentrumspolitiker, Minister, Dr. phil., * 07.01.1888 Mönchengladbach, † 16.11.1953 Königstein/Taunus, römisch-katholisch

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Nach dem Universitätsstudium in Straßburg, Berlin und Rom 1912–1919 Tätigkeit als Redakteur, zuletzt in der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amts; 1919–1922 preußischer Staatskommissar für Oberschlesien; 1922-23 Verlagschef des Zentrumsorgans „Germania" in Berlin, 1923–1925 Ministerialdirektor und Leiter der Presseabteilung der Reichsregierung, 1925–1930 im Auswärtigen Amt; 1930-31 Beauftragter des Reichsinnenministers Joseph Wirth zur Bekämpfung des Nationalsozialismus; 1933–1945 Exil; 1946 Deutsche Zentrumspartei; 20.04.–02.07.1947 MdL Nordrhein-Westfalen (Deutsche Zentrumspartei); 1948–1953 Bevollmächtigter des Landes beim Länderrat bzw. Bundesrat; 1949 CDU.

Zeitweise Anhänger der Volksfrontidee, gründete Spiecker 1937 in Paris die liberal-konservative Deutsche Freiheitspartei mit nationalem Programm und Kontakten zur Wehrmacht, den Kirchen, der Wirtschaft und zu Studentengruppen in Deutschland. Spieckers. „Deutsche Freiheitsbriefe", die seit 1937 auch im Reich Verbreitung fanden, forderten eine christliche Einheitsfront. Die Gestapo deckte 1938 die Vertriebsorganisation dieses Blattes auf und klagte sie des Hochverrats an. Die ebenfalls von Spiecker in Paris herausgegebene Monatsschrift „Das wahre Deutschland" konnte bis Ende 1940 erscheinen, dann verlagerte er seine Tätigkeit nach Großbritannien und betrieb dort mit Unterstützung des britischen Publizisten Sefton Delmer den „Freiheitssender der Deutschen Freiheitspartei". Im März 1941 emigrierte Spiecker nach Kanada. 1945 kehrte er nach Deutschland zurück, erhielt eine britische Lizenz für die „Rhein-Ruhr-Zeitung“ in Essen und gehörte 1946 zu den Wiederbegründern des Zentrums, dessen Vorsitzender er 1948 wurde. 1949 trat er zur CDU über und wurde im zweiten Kabinett Karl Arnold Minister für Bundesratsangelegenheiten und Vertreter des Landes im Bundesrat sowie Verbindungsmann zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Literatur
P. Hüttenberger: Nordrhein-Westfalen und die Entstehung seiner parlamentarischen Demokratie (1973); W. Röder/H. A. Strauss (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, 1 (1980); D. Hüwel, in: W. Först (Hg.), Zwischen Ruhrkontrolle und Mitbestimmung (1982). – Bestand: HStA Düsseldorf; Bundesarchiv Berlin.

Kurt Düwell