Geschichte der CDU

Storch, Anton

Tischler, christlicher Gewerkschafter, Bundesminister, * 01.04.1892 Fulda, † 26.11.1975 Fulda, römisch-katholisch

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Tischlerlehre; 1921–1933 Bezirksleiter des Zentralverbands christlicher Holzarbeiter in Hannover; 1931–1933 Vorsitzender des Dachverbands der christlichen Gewerkschaften für die Provinz Hannover; nach 1933 Versicherungsvertreter; 1945 Mitgründer der Allgemeinen Gewerkschaft und der CDU in Hannover; 1948-49 Direktor der Verwaltung für Arbeit im Vereinigten Wirtschaftsgebiet; 1949–1965 MdB; 1949–1957 Bundesminister für Arbeit; 1958–1965 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Von der katholischen Soziallehre geprägt, verkörperte Storch die sozialstaatliche Komponente der Sozialen Marktwirtschaft in den Gründerjahren der Bundesrepublik. Als Repräsentant der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion wurde er 1949 Bundesarbeitsminister – gegen den Widerstand von FDP, DP und Teilen der CSU, die ihn wegen seiner Nähe zur gewerkschaftlichen Idee der Einheitsversicherung ablehnten. Im Ministerium musste Storch dafür Spitzenbeamte als Garanten der traditionell gegliederten Sozialversicherung akzeptieren. In seine Amtszeit fielen neben die sozialpolitische Bewältigung der Kriegsfolgen (Lastenausgleich, Kriegsopferversorgung, sozialer Wohnungsbau) u. a. die Verankerung der Tarifautonomie, die Montanmitbestimmung (1951), das Betriebsverfassungsgesetz (1952), die Einführung einer eigenständigen Sozialgerichtsbarkeit sowie der Wiederaufbau der Sozialversicherung. Die wichtigste Neuerung lag hierbei im Prinzip der Dynamisierung der Renten (Rentenreform 1957).

Literatur
H. G. Hockerts, in: ZGiLB 4 (1980); B. Martin-Weber (Bearb.): Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Ministerausschuß für die Sozialreform 1955–1960 (1999); V. Szmula, in: U. Kempf/H.-G. Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949–1998 (2001).

Hans Günter Hockerts