Teusch, Christine
Lehrerin, Reichstagsabgeordnete (Zentrum), Landtagsabgeordnete (CDU), Ministerin, Dr. med. h. c., * 11.10.1888 Köln-Ehrenfeld, † 24.10.1968 Köln, römisch-katholisch
![]() |
Im Dezember 1947 wurde Christiane Teusch Kultusministerin („der einzige Mann“) im 1. Kabinett Karl Arnolds; diese Wahl, ihre bildungspolitischen Vorstellungen und die enge Beziehung zum Kreis um Jakob Kaiser verschärften den Dauerkonflikt mit Konrad Adenauer. Für Teusch bildeten Sozialpolitik und Bildung (Teilnahme an der Reichsschulkonferenz 1920) immer eine Einheit. Überparteiliches Ansehen erwarb sie sich zunächst als Sozialpolitikerin „aus christlicher Verantwortung”: mit der schrittweisen Verbesserung der sozialen Absicherung Benachteiligter und „kleiner Leute" auf der Basis eines ganzheitlichen christlichen Menschenbildes und der katholischen Staats- und Soziallehre. In der Weimarer Republik galt ihr Engagement insbesondere der Gleichstellung der Frauen (Mutterschutzgesetz, Katholischer Mädchenschulverein Leitung 1923–1925, Caritas) und anderen sozialpolitischen Herausforderungen (u.a. Knappschaftsgesetz). Als Bildungs- und Kulturpolitikerin konnte sie 1954 eine „beeindruckende Bilanz“ vorlegen. Einerseits katholischen Positionen verpflichtet (konfessionelle Volksschule 1950 etwa 80%, Betonung des Elternrechts, private „Ersatzschulen“, Religion als Fach, verankert auch in der Landesverfassung NRW und im Landesschulgesetz 1952), andererseits engagiert für neue gesellschaftliche Anforderungen: akademische Lehrerausbildung, Abendgymnasium, Zweiter Bildungsweg, Volkshochschule (Gesetz 1954), Aufwertung der neueren Sprachen (grundständiges Englisch) und Naturwissenschaften gegenüber dem damals noch starken Humanistischen Gymnasium. In der Kulturpolitik ist ihr Name mit dem Kunstpreis Nordrhein-Westfalen, in der Hochschulpolitik mit der Gründung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Studienstiftung verbunden. Heinrich Brüning verdankt ihr seine Rückkehr an die Kölner Universität. Eigens betont wird ihr Einsatz für die Berufung von Frauen auf Lehrstühle. Bis zu ihrem Tode entfaltete sie daneben in zahlreichen Verbänden und Institutionen, auch auf europäischer Ebene, eine verdienstvolle Tätigkeit.
Literatur
R. Amelunxen, Kleines Panoptikum. Acht Männer und eine Frau, (1957) S. 23-40; H. Landahl, In memoriam Dr. h.c. Christine Teusch. Alma Mater 30 (1969); P. Hüttenberger, in: W. Först (Hg.), Zwischen Ruhrkampf und Wiederaufbau (1972) S. 159ff.; D. Balloff, in: ZGiLB 2 (1975) S. 202ff.; K.-P. Eich, Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen 1945–1954 (1987); H. Küppers, in: Rheinische Lebensbilder, 16 (1997) S. 197ff.; H. M. Lauterer, Zentrumspolitikerinnen im „Dritten Reich“, in: Katholikinnen und Moderne (2003) S. 295-314; R. Lill, in: G. Buchstab (Hg.), Christliche Demokraten gegen Hitler (2004) S. 501-509; Ders., in: J. Scholtyseck/St. Schröder (Hg.), Die Überlebenden des deutschen Widerstandes und ihre Bedeutung für Nachkriegsdeutschland (2005) S. 72-75. – Bestand: HStA Düsseldorf; Historisches Archiv der Stadt Köln.
Jörg-Dieter Gauger

