Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Geschichte der CDU

Friedensbund Deutscher Katholiken (FDK)

Der FDK verstand das Liebesgebot Christi als konkrete Verpflichtung für das individuelle wie auch das gesellschaftlich-staatliche Handeln. Seine Aufgabe sah er deshalb darin, diesem Gebot innerhalb der Kirche Geltung zu verschaffen und im öffentlichen Leben eine „Politik aus dem Glauben“ (Ernst Michel) mit zu gestalten, deren Ziel die Realisierung des Friedens sein sollte. Offiziell wurde der FDK am 9. Oktober 1919 von Magnus Jocham und Josef Kral gegründet; seine Anfänge liegen jedoch im Kriegsjahr 1917. Maßgeblich war für ihn die Friedensenzyklika Benedikts XV. (1917) mit der Forderung nach Überwindung der Doppelmoral, nach Abrüstung und nach Einführung der Schiedsgerichtsbarkeit. Eine religiös-sittliche und moraltheologische Begründung katholischen Friedenshandelns legte Franziskus Maria Stratmann (1883–1971), der „heimliche Führer“ des FDK, in „Weltkirche und Weltfriede“ (1924) vor. Auf ihn geht die Kernaussage der Hildesheimer Richtlinien von 1924 zurück, dass „bei den heutigen Verhältnissen von Kultur und Technik die von der katholischen Sittenlehre geforderten Bedingungen für einen erlaubten Krieg fehlen“. Der FDK verfügte über ein eigenes Organ („Katholische Friedenswarte“ 1924–1926; „Der Friedenskämpfer“ 1926–1933) und war mit 9.000 Mitgliedern (1929) die zweitgrößte pazifistische Organisation in Deutschland. Seine Anhänger fand er beim niederen Klerus, bei katholischen Jugendorganisationen, bei regionalen Gruppen des Jungen Zentrums sowie der Kolping- und katholischen Arbeitervereine; die Bischöfe verhielten sich meist ablehnend. Der Friedensbund setzte sich ein für Völkerbund und europäische Einheit, für Demokratie sowie die Verständigung mit Frankreich und Polen; er agitierte gegen den Panzerkreuzerbau (1928), gegen Wehrsport und Landesverratsprozesse. Damit geriet er in Gegensatz zur Zentrumspartei, obwohl mit Friedrich Dessauer, Heinrich Krone und Christine Teusch drei Mitglieder des FDK als Zentrumsabgeordnete im Reichstag vertreten waren. Am 1. Juli 1933 wurde der FDK, der auch Verbindungen zum Bund der religiösen Sozialisten Deutschlands unterhielt, verboten; führende Mitglieder (Friedrich Dessauer, Walter Dirks, Franziskus Maria Stratmann u. a.) wurden zeitweise verhaftet, einige konnten emigrieren. Richard Kuenzer, Mitglied des Solf-Kreises, wurde im September 1944, Max Josef Metzger, Gründer der Una Sancta, im April 1944 von den Nationalsozialisten ermordet. Zukunftweisend war der FDK durch sein Eintreten für eine Stärkung der Laien in der Kirche und für die Ökumene. Sein pazifistisches Wirken wird von Pax Christi weitergeführt.

Literatur
D. Riesenberger: Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik (1976); K. Breitenborn: Der FDK (1980); D. Riesenberger, Der „FDK“ und der politische Katholizismus in der Weimarer Republik, in: K. Holl/W. Wette (Hg.), Pazifismus in der Weimarer Republik (1981); K. Holl: Pazifismus in Deutschland (1988).

Dieter Riesenberger

Vorsitzende
Febr.-Aug. 1919 Josef Kral
1919-1921 Matthias Erzberger
1924 Wilhelm Maxen
1925-1929 Alfred Miller
1929-1932 Rudolf Gunst
1933 Franziskus Stratmann