Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Geschichte der CDU

Berlinfrage

Mehr als vier Jahrzehnte lang war Berlin ein Brennpunkt des Ost-West-Konflikts. 1945 war es von den vier Siegermächten besetzt worden. Mit Ausbruch des Kalten Krieges empfanden Sowjetunion und DDR die westliche Präsenz zunehmend als Belastung. Das westliche „Schaufenster“ bedrohte die innere Stabilität der DDR und stellte die Teilung Deutschlands sowie die kommunistische Herrschaft in Frage. Zweimal sollte der Westen gewaltsam hinausgedrängt werden (Blockade 1948/49, 2. Berlinkrise 1958–1961/62). Der Bau der Mauer im August 1961 rief weltweite Empörung hervor; aus Sicht der DDR war er jedoch eine notwendige Maßnahme, um den Flüchtlingsstrom aus der DDR in das freie Berlin aufzuhalten. Auf diese Weise wurde für die DDR die von West-Berlin ausgehende Destabilisierung zwar reduziert, jedoch nicht beseitigt. Angriffe auf die westliche Präsenz wurden auch nach 1961 fortgesetzt (z. B. 1969 anlässlich der Bundesversammlung). Nach dem Viermächte-Abkommen von 1971 beruhigte sich die Lage, wenngleich die Zugehörigkeit West-Berlins zur Bundesrepublik weiterhin nicht akzeptiert wurde. Als Ost-Berlin zur „Hauptstadt der DDR“ erklärt wurde, bestanden die Westmächte trotz Integration und Zuordnung West-Berlins zur Bundesrepublik auf ihrer Oberhoheit. Das Beharrungsvermögen der Westmächte und das Engagement der Bundesrepublik haben sich gelohnt. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 wurden die westlichen Positionen in vollem Umfang bestätigt. Berlin, im Kalten Krieg Symbol der Teilung Deutschlands, hat zur Wiedererlangung der deutschen Einheit wesentlich beigetragen.

Literatur
D. Mahncke: Berlin im geteilten Deutschland (1973); Ders., Adenauer und die Hauptstadt Berlin, in: D. Blumenwitz u. a. (Hg.), Konrad Adenauer und seine Zeit, 2 (1976); E. Zivier: Der Rechtsstatus des Landes Berlin (1977); D. Mahncke, Das Berlin-Problem, in: Deutscher Bundestag (Hg.), Enquete-Kommission zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland, V/2 (1995).

Dieter Mahncke