Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Geschichte der CDU

Demokratischer Aufbruch (DA)

Plakat zur Volkskammerwahl im März 1990.
Plakat zur Volkskammerwahl im März 1990.
Wie andere Gruppen der Bürgerbewegung in der DDR entstand auch der DA im Umfeld der evangelischen Kirche. Protagonisten wie Rainer Eppelmann, Ehrhart Neubert, Rudi Pahnke, Edelbert Richter oder Friedrich Schorlemmer waren Theologen, oft Pfarrer. Ursprünglich als Sammlungsbewegung zur Schaffung einer demokratischen Öffentlichkeit ohne eindeutige politische Festlegung gedacht, war der DA schließlich die erste der oppositionellen Gruppierungen, die sich offiziell als Partei konstituierte. Hatte der DA anfangs einen reformierten Sozialismus bzw. einen Dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus angestrebt, so ging der Leipziger Gründungsparteitag am 16./17. Dezember 1989 nach heftigen richtungspolitischen Auseinandersetzungen auf klare Distanz zu jeder Art von Sozialismus, bekannte sich zu einer sozialen Marktwirtschaft mit hohem ökologischen Anspruch und zur deutschen Einheit. Der DA hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 10.000 Mitglieder.

Die Leipziger Weichenstellung des DA und die Austritte des unterlegenen „linken“ Flügels (Schorlemmer, Pahnke) machten für die Volkskammerwahl im März 1990 ein Zusammengehen des DA mit CDU und DSU im Wahlbündnis „Allianz für Deutschland“ möglich. An dem überragenden Wahlsieg der „Allianz“ mit 48,1% war der DA allerdings nur mit 0,92% der Stimmen beteiligt. Das schwache Abschneiden war auf die innere Zerrissenheit der Partei zurückzuführen und auch darauf, dass der Vorsitzende Wolfgang Schnur vier Tage vor der Wahl wegen erwiesener Stasi-Mitarbeit zurücktreten musste. Sein Nachfolger Eppelmann wurde in der de Maizière-Regierung Minister für Abrüstung und Verteidigung. Da auch die Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 für den DA mit einem Gesamtergebnis von 0,5% enttäuschend ausfielen, fusionierte er im August 1990 mit der CDU in der DDR und ging so beim Hamburger CDU-Parteitag am 1./2. Oktober 1990 in die gesamtdeutsche CDU ein.

Literatur
W. Jäger/M. Walter: Die Allianz für Deutschland. CDU, DA und Deutsche Soziale Union 1989/90 (1998).

Manfred Agethen