Altersversorgung

Auszug aus: Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland

Hg.: von Winfried Becker, Günter Buchstab u.a. Paderborn 2002

S. 420 f.

Bei der Av. wird gemeinhin zwischen drei »Säulen« unterschieden: l. der staatlich verankerten Pflicht- und Basissicherung (u. a. gesetzliche —»Rentenversicherung, Beamtenversorgung, A.hilfe für Landwirte, berufsständische Versorgung), 2. der Zusatzversicherung (u. a. betriebliche Av. in der Privatwirtschaft oder Zusatzversorgung für Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst), 3. der Eigenvorsorge (Bildung von Geldvermögen, Erwerb von Haus- und Grundbesitz oder Abschluß von Lebensversicherungsverträgen). Allerdings kann die Sicherung des A.einkommens auch aus Leistungen erfolgen, die nicht spezifisch wegen des A. gewährt werden (z. B. Invalidität oder Tod eines Angehörigen). Ein wesentliches Kennzeichen der gesetzlichen A.sicherung in Deutschland ist ihre Anknüpfung an Erwerbstätigkeit und -einkommen, sowohl im Hinblick auf den einbezogenen Personenkreis als auch die Berechnung von Beiträgen und Leistungen. Innerhalb der Av. überwiegen die öffentlich-rechtlichen Systeme, in erster Linie die gesetzliche Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte. Seit den Anfängen haben sich die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von einem Zuschuß zu einer Lebensstandardsicherung entwickelt. Mit der Reform 1957 wurde die Rentenversicherung zu einem auf der Generationenvcrtragsidee beruhenden lohn- und beitragsbezogenen Versicherungssystem ausgebaut. Ihr Kernstück war die Einführung der dynamischen Rente, wodurch der Rentner seinen Lebensstandard aufrechterhalten und am Produktivitätsfortschritt sowie Einkommenszuwachs der aktiven Arbeitnehmer beteiligt werden konnte. Der Begriff des Generationenvertrags bezieht sich auf kollektive Sicherungssysteme, die im Umlageverfahren durch Beiträge der jüngeren, arbeitenden Bevölkerung finanziert werden; es wird demnach kein Versicherungsvermögen akkumuliert (Umlage- versus Kapitaldeckungsverfahren). Allerdings geriet das Umlageverfahren in den letzten Jahrzehnten angesichts beträchtlicher Geburtenrückgänge und steigender Lebenserwartung (—»demographischer Wandel) immer mehr m Kritik: Immer weniger Arbeitnehmer müssen in Zukunft immer mehr Rentner finanzieren. Damit stellt sich die Frage der Gerechtigkeit bei der Verteilung von Beiträgen und Sozialleistungen unter den Generationen (neuer Generationenvertrag). —»Kath. Soziallehre, kath. Verbandswesen und die —»CDA übten beachtlichen Einfluß auf die Gestaltung der Sozialordnung der Bundesrepublik aus (-»Soziale Marktwirtschaft; —»Mitbestimmung), wobei man bemüht war, einen Mittelweg zwischen ungebundenem —»Kapitalismus und Kollektivismus/Sozialismus ?,u gehen. Ausdruck dieses Ansatzes ist das Bemühen um die Verbindung von Prinzipien der —»Freiheit, —»Subsidiarität, Eigenverantwortung, Leistung, —»Solidarität und Generationenverantwortung. An diese Ideen knüpft das 1957 von Wilfrid Schreiber mit weiteren christl. Sozialwissenschaftlern entwickelte Rentenkonzept an.

Eine grundlegende Rentenreform muß insbes. berücksichtigen: Steigerung der Arbeitsproduktivität; Einführung eines Demographiefaktors; bessere Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotentials; Verlängerung der Lebensarbeitszeit; Stärkung der Eigenvorsorge mit staatlicher Förderung; verbesserter Familienleistungsausgleich und umfassende —»Familienpolitik; gesteuerte selektive Zuwanderung. Vor allem muß die Reform der A.sicherung in eine Gesamt-perspektive des Umbaus unseres —» Sozialstaates einbezogen werden.

H. G. HOCKERTS: Sozialpolitische Ent-Jungen im Nachknegsdeutschland ); N. BLÜM/H. F. ZACHER (Hg.): Vierzig Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland ); D. GRIESWELLE: Sozialpolitik der Zukunft

(1996); BT (Hg.): Demographischer lel (1998); K. BAYERTZ (Hg.): Solidarität, ff und Problem (1998); BUNDESMINISTERIUM FÜR ARBEIT UND SOZIALORDNUNG: Übersicht über das Sozialrecht (62000).

Detlef Grieswelle