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Die Konrad-Adenauer-Stiftung trauert um ihren langjährigen Wegbegleiter Karl Schiewerling

з Stefan Marx
Am 28. Februar 2021 ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling im Alter von 69 Jahren verstorben. Er galt viele Jahre als das soziale Gesicht der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Nicht nur die CDU/CSU-Fraktion und die gesamte CDU auch die Konrad-Adenauer-Stiftung verliert einen außergewöhnlichen Impulsgeber.

Als Sohn eines christlichen Gewerkschafters wurde er am 18. Mai 1951 in Essen-Borbeck geboren. Der christliche Glaube war die große Konstante im Leben von Karl Schiewerling, der mit seinem ganzen Wesen in der katholischen Weltanschauung verwurzelt war. Geprägt durch sein Elternhaus verbanden sich dabei schon sehr früh christliche Wertvorstellungen mit Ideen sozialer Gerechtigkeit.

Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann war er von 1970 bis 1973 bei der Mannesmannröhren-Werke AG beschäftigt, ehe er in vielen katholischen Verbänden hauptberuflich tätig wurde: als Sekretär des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung von 1973 bis 1978, danach für sechs Jahre als Bundessekretär des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, um dann 1984 für ein Vierteljahrhundert die Aufgabe des Diözesansekretärs beim Diözesanverband Münster des Kolpingwerkes auszufüllen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten hauptberuflicher katholischer Verbandsarbeit bewarb sich Schiewerling 2005 als Direktkandidat im Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II erstmals um ein Mandat im Deutschen Bundestag, in den er mit einem Stimmenanteil von 51,6 Prozent gewählt wurde. Bei den folgenden Wahlen 2009 und 2013 konnte er das Direktmandat verteidigen. Seine Offenheit und sein Optimismus, seine Fähigkeit, auf Menschen aller Bevölkerungsschichten zuzugehen, machten ihn in der Bevölkerung populär und beliebt.

 

"Karl Schiewerling war ein engagierter Christ mit klarem Kompass. Seine Überzeugungen wurzelten in seinem christlichen Glauben und Menschenbild. Als überzeugter Vertreter der katholischen Soziallehre hat er die deutsche Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik geprägt wie nur wenige andere Christdemokraten – nicht nur, aber vor allem in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Persönlich habe ich unsere gemeinsame Zeit im Deutschen Bundestag, insbesondere in der Landesgruppe NRW in bester Erinnerung."

 

Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung

 

In der CDU/CSU-Fraktion stieg er 2009 zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales auf und übernahm die Rolle des arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Sprechers, der über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg als verlässlicher Kollege im Deutschen Bundestag geschätzt wurde. Zu den Erfolgen seiner parlamentarischen Arbeit zählen die Wahrung der Tarifautonomie bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns, die Eindämmung von Fehlentwicklungen in der Arbeitnehmerüberlassung und erste spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag 2017 blieb er auf der politischen Bühne in Berlin präsent. Die Bundesregierung übertrug ihm zusammen mit der Sozialdemokratin Gabriele Lösekrug-Möller den Vorsitz der Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“. Von Ruhestand konnte also keine Rede sein. Im Gegenteil, Schiewerling übernahm auch den Vorsitz der Stiftung Christlich-Soziale Politik. In dieser Funktion strebte er den Ausbau der Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung an. Karl Schiewerling war Mitglied der Stiftung und es gab fast keinen Arbeitsbereich, in dem er nicht Spuren hinterlassen hätte. Ob es nun der KAS-Empfang auf dem Katholikentag war, der deutsch-französische Kommunalkongress, ein Seminar für lateinamerikanische Führungskräfte, einen sozialpolitischen Gesprächskreis – die Arbeit der Stiftung hat er mit großer Hingabe unterstützt und stets bereichert.

In Erinnerung bleibt ein leidenschaftlicher Streiter für soziale Gerechtigkeit, der in der politischen Auseinandersetzung stets die Regeln menschlichen Anstands beachtete. Er war wohl das, was man einen „feinen Kerl“ nennt! Seine christlich-sozialen Themen hat er anders als andere mit einer besonderen Mischung aus Durchsetzungskraft und einer – im besten Sinne – vornehmen Haltung ohne ideologischen Schaum vor dem Mund, gelegentlich auch mit einem ebenfalls sehr feinen westfälischen Humor „gewürzt“ vertreten. Gerade weil er so unaufgeregt und auch unaufdringlich war, hat man ihm – in allen seinen Funktionen - ganz besonders genau zugehört. Auf Karl Schiewerling trifft das Wort Maxim Gorkis uneingeschränkt zu: „Es tut wohl, sich an ihn zu erinnern.“ Wir werden das in der Konrad-Adenauer-Stiftung tun und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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