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COVID-19 in Lateinamerika

COVID-19 in Lateinamerika

Mit einiger zeitlicher Verzögerung gegenüber Asien und Europa ist die COVID-19 Pandemie Mitte März auch in Lateinamerika angekommen. Die Regierungen der Region haben sehr unterschiedlich auf die Bedrohung durch das Virus reagiert: Während einige Länder wie etwa Argentinien, Peru, Kolumbien oder Bolivien bereits nach wenigen bestätigten Fällen präventiv weitreichende Ausgangsbeschränkungen verhängten und ihre Grenzen schlossen, fielen die populistisch regierten Staaten Mexiko und Brasilien durch späte und halbherzige Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 auf.

 

Brasilien und Mexiko reagieren spät und halbherzig

Zwar haben mittlerweile fast alle Staaten der Region Quarantäne-Maßnahmen verhängt. Doch noch Ende März, als in vielen Staaten der Region bereits strengste Quarantänemaßnahmen verhängt worden waren und die Menschen vielerorts ihre Wohnungen nur noch für notwendige Einkäufe und Arztbesuche verlassen durften, rief Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador seine Bevölkerung dazu auf, die Gefahr des Virus nicht zu überschätzen und sich auch in Zeiten von Corona weiterhin zu umarmen.

Auch in Brasilien ignorierte Präsident Jair Bolsonaro demonstrativ alle Warnungen der Weltgesundheitsorganisation und redete die Gefahr von Corona noch klein, als es auch in seinem Land schon zahlreiche Tote in Folge der Viruserkrankung zu beklagen gab. Auf diese Weise verspielten die beiden größten und bevölkerungsreichsten Länder der Region wichtige Zeit im Kampf gegen COVID-19.

 

Gesundheitssysteme auf Krise nicht vorbereitet

Dabei trifft das Virus auf eine Weltregion, deren Gesundheitssysteme in keiner Weise auf eine Epidemie dieses Ausmaßes vorbereitet sind und dessen soziale und wirtschaftliche Verwerfungen in Folge der Krise noch sehr schwer abzuschätzen sind. Wenngleich die Pandemie in Lateinamerika noch nicht vergleichbare Infektions- und Todeszahlen wie in Europa, Asien und den USA verursacht hat, muss sich die Region auf eine Ausweitung der Pandemie einstellen, da die Ausbreitung des Virus in Lateinamerika mit etwa vier Wochen zeitlicher Verzögerung stattfindet.

Bereits jetzt gibt es aus Ländern wie Brasilien oder Ecuador erschreckende Nachrichten von Corona-Erkrankten, die von überlasteten Krankenhäusern abgewiesen wurden und kurz darauf verstarben. In vielen Gegenden Lateinamerikas gibt es auch in normalen Zeiten kaum leistungsfähige Krankenhäuser. Beatmungsgeräte, wie sie die Behandlung von COVID-19 in schweren Fällen erfordert, sind meist nur in den Metropolen vorhanden.

 

Schwerwiegende wirtschaftliche und soziale Konsequenzen erwartet

Neben den gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie fürchten die Staaten Lateinamerikas aber auch die wirtschaftlichen Konsequenzen, die die nationalen Shut-Downs und die weltweite Rezession nach sich ziehen werden. Denn für Lateinamerika könnte auf die Corona-Krise eine schwerwiegende Wirtschaftskrise folgen. Ökonomen rechnen damit, dass die Wirtschaft Lateinamerikas im kommenden Jahr um fast vier Prozent schrumpfen könnte. Schon vor dem Ausbruch von COVID-19 konnten die Volkswirtschaften der Region kaum noch Wachstum verzeichnen, die Realeinkommen der Menschen gingen zurück und die Armut wuchs. Viele Staaten waren außerdem bereits vor der Corona-Krise hoch verschuldet. Ihr Handlungsspielraum für soziale und wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung ihrer Bevölkerungen während und nach der monatelangen Quarantäne-Zeit ist deshalb teilweise extrem gering.

Die UN-Wirtschaftskommission warnt daher, dass rund ein Drittel der Bevölkerung Lateinamerikas in Folge der Corona-Krise unter die Armutsgrenze fallen könnte. Für die rund 650 Millionen Menschen in der Region, von denen ein Großteil im informellen Sektor tätig ist und auf keinerlei staatliche Absicherung zählen kann, könnte die Pandemie deshalb auch ohne hohe Infektionszahlen zur Überlebensfrage werden.

 

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