Transit-Training für Truppen: Mit DEFENDER-Europe 20 probt die NATO ihre militärische Mobilität

Warum und wie die umfangreichste Truppenverlegung seit 25 Jahren Deutschland und Europa sicherer machen soll

Obwohl die USA strategisch immer stärker nach Asien blicken, ziehen sie sich militärisch nicht aus Europa zurück. Das zeigt die umfangreichste Truppenverlegung der NATO seit 25 Jahren. Was genau DEFENDER-Europe 20 ist und welche Rolle Deutschland dabei spielt: Darüber spricht Paruvana Ludszuweit, Expertin für europäische Sicherheitspolitik, im Interview mit kas.de.


In Vorbereitung der DEFENDER-Europe 20-Übung wird am 5. Februar 2020 ein M1A1 Abrams-Panzer in Savannah, GA verladen.


 

Frau Ludszuweit, seit Januar verlegt das US-Militär Einheiten quer durch Europa. Worum handelt es sich bei der Übung DEFENDER-Europe 20?

Als Reaktion auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland wurde auf dem NATO-Gipfel in Wales im September 2014 der NATO Readiness Action Plan für eine gesteigerte Einsatzbereitschaft vereinbart. Teil des Aktionsplans ist die Gründung der NATO-Speerspitze, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), die eingebettet ist in die NATO Response Force (NRF), einer 40.000 Personen starken Eingreiftruppe. Die NATO Speerspitze selbst besteht aus 5.000 Soldatinnen und Soldaten in höchster Bereitschaft mit dem Anspruch, innerhalb von 48 bis 72 Stunden an jedem Ort der Welt einsatzbereit zu sein. Die restlichen Verbände sollen innerhalb von zwei bis sieben Tagen folgen. Die zeitlichen Anforderungen an die NATO-Speerspitze und die NATO Response Force erfordern vom Bündnis die Fähigkeit, Truppen schnell im Krisenfall verlegen zu können.

Ein US-amerikanischer M-1 A2 Abrams-Panzer verlässt die ARC Endurance in Bremerhaven, am 20. Februar 2020.


 

Und was wird genau geprobt?

DEFENDER-Europe 20 ist als militärische Großübung amerikanischer Streitkräfte zur schnellen Verlegung von Truppen nach Polen und ins Baltikum gedacht. Mit dem Manöver soll die schnelle Reaktionsfähigkeit im Sinne der Abschreckung und Bündnissolidarität nach Artikel 5 des Washingtoner-Vertrages geübt werden. An der von Januar bis Juli stattfindenden Übung sind 18 Nationen beteiligt. Unter den rund 37.000 teilnehmenden Soldatinnen und Soldaten werden allein 20.000 aus den USA nach Europa verlegt. Hinzu kommt der Transport von etwa 35.000 Fahrzeugen und Containern. Bei DEFENDER-Europe 20 handelt es sich um die umfangreichste Truppenverlegung aus den USA nach Europa in den vergangenen 25 Jahren.

 


Wo genau die Bundeswehr unterstützt und welche Bedeutung die Präsenz der US-amerikanischen Truppen für Deutschland hat, erläutert der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, im Video:


Welche Rolle spielt Deutschland bei DEFENDER-Europe 20?

Seit dem Zerfall des Ostblocks und der NATO-Ostererweiterung findet die Verteidigung des Westens nun nicht mehr an der innerdeutschen Grenze statt, sondern hat sich gen Osten verschoben. Deutschland ist somit nicht mehr direkter Frontstaat und potentieller Kriegsschauplatz, sondern Transitland. Daher kommt Deutschland, insbesondere aufgrund seiner geostrategischen Lage, als logistische Drehscheibe und Host Nation (Gastgebernation) eine besondere Bedeutung für die Sicherheit des Bündnisses in Kontinentaleuropa zu. Als Host Nation unterstützt Deutschland die Partnerländer bei der Truppenverlegung innerhalb Deutschlands.

Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, besuchte am 13. Januar 2020 im Rahmen der DEFENDER-Europe 20-Übung das Hauptquartier der US-Armee in Europa.


 

Wie genau unterstützt Deutschland bei der Übung?

Dies beinhaltet unter anderem die Bereitstellung von Unterkünften, Verpflegung und Instandsetzungsmaßnahmen sowie auch die Planung und Organisation von Durchfahrten über Land und auf Gewässern. Darüber hinaus ist Deutschland für den Aufbau des neu geschaffenen NATO-Unterstützungskommandos, dem Joint Support and Enabling Command (JSEC), in Ulm verantwortlich. Das JSEC ist für die Organisation des rückwärtigen Einsatzgebietes von NATO-Operationen zuständig und somit für die internationale Koordination und Planung von multinationalen grenzübergreifenden Truppenverlegungen verantwortlich.

 

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