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30 Jahre Wiedervereinigung

#Grenzerfahrungen

Perspektiven aus den Grenzgebieten

28 Jahre lang trennte die 1400 Kilometer lange Mauer unser Land. 28 Jahre voller Schicksale. Viele Leben wurden durch die innerdeutsche Grenze entscheidend geprägt und Lebensläufe verändert. Wir haben neun Menschen aus 8 Bundesländern getroffen, die uns von ihren ganz persönlichen #Grenzerfahrungen berichten. Wie lebten die Menschen in den Grenzgebieten? Wie haben sie die Grenzöffnung erlebt und wie blicken sie heute auf unser Land – 30 Jahre nach der Deutschen Einheit?

 

 

Am 15.Septmeber war #Tag der #Demokratie. Die beiden Landwirte Andreas Gerbothe und Hubertus Wiesner haben die innerdeutsche Grenze vor 30 Jahren selbst mit abgerissen und bewirtschaften das Gebiet nun. Was dieser Ort für sie persönlich bedeutet, sehen Sie im Video.

 

Altministerpräsident Bernhard Vogel wird erklären, warum Thüringen eine führende Rolle unter der Bundesländer zukommen sollte. Sehen Sie selbst.

 

Dieter Dombrowski hatte schon früh unter den Schikanen des DDR-Staats zu leiden. Jeder, der sich in der DDR nicht dem staatlichen Interesse unterwarf und gar Reise- und Meinungsfreiheit oder individuelle Entfaltungsmöglichkeiten einforderte, musste mit massivem Anpassungsdruck rechnen. Mit Anfang 20 versuchte er zu fliehen, aber seine Flucht scheitert. Er wird zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 20 Monate verbüßt. Jahre später nach der Wiedervereinigung bekommt er Einsicht in seine Stasiakte und erfährt, dass seine Flucht verraten wurde. Damals ahnte er dies nicht. Zur Staatssicherheit gehörten neben den hauptamtlich Tätigen auch inoffizielle Mitarbeiter. Inoffizielle Mitarbeiter waren das wichtigste Instrument des Ministeriums der Staatssicherheit, um Informationen über Bürger und Gesellschaft zu gewinnen. 

 

Nadja Klier ist Tochter der DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier. Die Reformforderungen ihrer Mutter führen 1988 schließlich zur Ausbürgerung der beiden. Nadja Klier ist damals 15 Jahre alt und davon überzeugt, ihre Heimat nie wiederzusehen. Viele Jahre später blickt sie zurück und erkennt das Trauma ihrer Zwangsentwurzelung. Im Laufe der 1980er Jahre entwickelte sich in der DDR eine Friedens- und Bürgerrechtsbewegung. Diejenigen, die an vorderster Front ihre Meinung vertraten, hatten unter dem DDR-Regime besonders zu leiden. 

Böseckendorf, ein kleiner Ort in der ehemaligen DDR – direkt an der Grenze zu Westdeutschland. 1961 flüchten aus dem Dorf 53 Personen, ein Jahr später nochmals 13. Einer von ihnen ist Lothar Klingebiel. Als er 13 Jahre alt war floh er mit seiner Familie durch das stellenweise verminte Sperrgebiet. Zu dieser Massenflucht, an die noch heute zwei Gedenksteine erinnern, kam es nachdem die ersten Betonpfosten rund um Böseckendorf aufgestellt wurden. Damals verbreitete sich unter den Bewohnern das Gerücht, dass das DDR-Regime als unzuverlässig eingeschätzte Personen aus dem Sperrgebiet entlang der innerdeutschen Grenze entfernen wird. Diese sogenannten Zwangsumsiedlungen sind besser bekannt als Aktion Ungeziefer (1952) und Aktion Kornblume (1961). Um diesen Umsiedlungen zu entgehen, flüchteten viele Bürger aus den Grenzgebieten.

 

Inge Winkel lebte im Sperrgebiet – direkt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. 1971 hat sie sich in den kleinen Ort Sorge (Harz) eingeheiratet – mit allem was dazugehörte. Denn: Für Bürger im Sperrgebiet galten ganz eigene Bestimmungen. So durften die Menschen aus dem Sperrgebiet zwar in die übrigen Teile der DDR reisen, andere DDR-Bürger allerdings nur mit Genehmigung – einem sogenannten Passierschein - empfangen. 1952 riegelte die DDR ihr Land mit einem fünf Kilometer breitem Sperrgebiet entlang der Grenze zu Westdeutschland ab. Rund 200.000 Menschen lebten seitdem dort – mit extra Vermerk im Personalausweis und unter ständiger Überwachung. 

 

Wolfgang Ruske erinnert sich an seine Zeit bei der westdeutschen Polizei im Werra-Meißner-Kreis, direkt an der DDR-Grenze. Immer wieder versuchten DDR-Bürger dort über die Grenze nach Westdeutschland zu kommen - oft jedoch erfolglos. Nach dem Mauerfall wechselte er 1991 nach Thüringen und half, dort demokratische Polizeistrukturen aufzubauen. Von den 1200 ehemaligen Mitarbeiter der Volkspolizei konnten er jedoch nicht alle übernehmen. Wer neben seiner Tätigkeit bei der Volkspolizei auch der Stasi zugearbeitet hatte, verlor seine Stelle. Während bei der Volkspolizei klassische polizeilichen Aufgaben angesiedelt waren, übte die Staatssicherheit die Funktionen eines politischen Geheimdienstes aus. Trotz dieser Aufgabentrennung waren die Grenzen mitunter fließend. Nach der Wiedervereinigung hatten am ehesten jüngere Dienstränge eine Chance auf Weiterverwendung im Polizeidienst. 

 

Horst Dornieden und Wolfgang Nolte gestalteten den Prozess der Wiedervereinigung vor Ort. Sie waren Bürgermeister – der eine in Ostdeutschland, der andere im Westen. Horst Dornieden lebte im östlichen Teistungen, direkt im Sperrgebiet, welches von der übrigen DDR komplett abgeschnitten war. 1990 wurde Dornieden der erste frei gewählte Bürgermeister von Teistungen in Thüringen. Nolte war Bürgermeister im benachbarten Duderstadt in Niedersachsen. Die Erfahrungen des geteilten Deutschlands und der Wiedervereinigung haben auch ihn geprägt. Dornieden und Nolte erinnern sich mit großer Freude an die Nacht des 9. November 1989, als die Mauer geöffnet wurde und sich Bürger aus Ost und West in den Armen lagen. Anschließend gestalten sie den politischen Prozess. Bis heute engagieren sich beide im Grenzlandmuseum Eichsfeld.

 

Am 7. Oktober 1989 nahm Ursula Rothe an den ersten Massendemonstrationen gegen das DDR-Regime in Plauen teil. Sie war eine von über 10.000 Personen, die an diesem Tag auf die Straße gingen. Ursula Rothe war Mitglied „Der Gruppe der 20" aus Plauen. Die „Gruppe der 20" waren Bürger, die für Reformen kämpfen. Sie formulierten daher konkrete Forderungen an das DDR-Regime. Die bereits im Sommer einsetzende Massenflucht von DDR-Bürgern über „sozialistische Bruderstaaten" als auch die Tatsache, dass die Staatsführung sich allen Forderungen nach Reformen verschloss, führten zum einem alle Bevölkerungsschichten umfassenden Protestpotenzials. In den folgenden Wochen gingen immer mehr Menschen auf die Straßen. Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger demonstrierten für ihre Rechte in Leipzig und anderen Städten und beendeten letztendlich die SED-Diktatur. 

 

Erhard Schelter schwamm durch die Ostsee in die Freiheit. 30 Kilometer weit - durch die rauen Fluten, das elf Grad kalte Wasser. Kurz vor der dänischen Küste wurde er gerettet. Den 22. September 1974 feiert Schelter noch heute als den Tag seines zweiten Geburtstags. Das Meer hat es Erhard Schelter angetan. Seit seinen Jugendtagen wollte er zur Reederei Rostock. Jede seiner Bewerbungen wurde abgelehnt. Als 34-Jähriger fasst er dann den Entschluss aus der DDR zu fliehen. Zwischen 1961 und November 1989 gab es mehr als 5000 Fluchtversuche über die Ostsee. Viele von ihnen glückten nicht – die Menschen wurden entweder verhaftet oder ertranken in den Fluten. 

In diesem Jahr feiern wir #30JahreDeutscheEinheit. In den letzten Tagen haben euch hier neun Menschen aus acht Bundesländern ihre persönlichen #Grenzerfahrungen erzählt. Heute ist der 3. Oktober - der Tag der Deutschen Einheit! Wir sind #30Jahre1

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Maja Eib

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Landesbeauftragte und Leiterin Politisches Bildungsforum Thüringen

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Marion Schreiber

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Sachbearbeiterin Projekt "Gemeinsam.Demokratie.Gestalten." und Politisches Bildungsforum Thüringen

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