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Besonderheiten der religiösen und kirchlich-religiösen Selbstbestimmung von Bürgern der Ukraine: Tendenzen 2000-2021

Das Rasumkow-Zentrum führte eine soziologische Studie „Besonderheiten der religiösen und kirchlich-religiösen Selbstbestimmung von Bürgern der Ukraine: Tendenzen 2000-2021“ durch

Die Religion und Kirche spielen in der Ukraine eine bemerkbare Rolle, dies ist zurückzuführen auf hohes Niveau der manifestierten Religiosität der ukrainischen Gesellschaft (ca. 70 % der erwachsenen Bevölkerung), auf deren Rückkehr zu Traditionen nach der langen Periode offiziellen Atheismus und auf die Tatsache, dass die kirchlich-religiöse Zugehörigkeit als Bestandteil der national-ethnischen Identität wahrgenommen wird. Es wird auch auf hohes und recht stabiles Niveaus des Vertrauens in die Kirche (ca. 60 % der erwachsenen Bevölkerung) hingewiesen. 

Allerdings ist die kirchlich-religiöse Situation in der Ukraine recht komplex und widersprüchlich. Ihre Besonderheiten haben mit dem Bestehen mehrerer orthodoxer Kirchen zu tun, die verschiedene Jurisdiktion haben, aber auch mit regionaler Lokalisierung verschiedener konfessioneller und kirchlicher Strukturen und mit dem Fehlen einer dominierenden Kirche in der nationalen Dimension (wodurch regionale Unterschiede bei verschiedenen Teilen der ukrainischen Gesellschaft aufrechterhalten werden) sowie mit zu hoher Politisierung kirchlich-religiöser Fragen.

Die Probleme im kirchlich-religiösen Umfeld spitzten sich wegen der bewaffneten Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine stark zu, denn eine der zahlreichsten orthodoxen Kirchen (Ukrainische orthodoxe Kirche) befindet sich in der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats und kann von Russland als wirksamer Kanal für die Expansion der Ideologie der „russischen Welt“ eingesetzt werden. Die 2018/2019 aufgebaute autokephale Orthodoxe Kirche der Ukraine befindet sich erst auf der Etappe ihrer Etablierung, ihre Strukturen konzentrieren sich vor allem in westlichen und zentralen Regionen des Landes, daher hat sie noch keinen gesamtnationalen Einfluss erreicht. Damit ist die Frage der kirchlichen Zugehörigkeit ukrainischer orthodoxer Bürger mit der Politik verbunden, u. a. mit der internationalen.

Unter dargestellten Bedingungen werden besonders aktuell die Studien über Niveau und Charakter der Religiosität der Ukrainischen Gesellschaft und über Tendenzen der konfessionellen und kirchlich-religiösen Selbstbestimmung von Bürgern, ihrer Einschätzung der durch den Staat gesicherten Gewissensfreiheit sowie ihrer Einstellung zu einzelnen Maßnahmen der Staatspolitik im Bereich der Beziehungen zwischen Staat und Kirche.

An Aktualität gewinnt die angebotene Studie dank des Umstands, dass der Soziologische Dienst des Rasumkow-Zentrums solch ein Monitoring von Niveau und Tendenzen der Religiosität der ukrainischen Gesellschaft seit 2000 durchführt. Die soziologischen Umfragen werden jährlich veranstaltet, daher ermöglicht es, nicht nur das statische Bild des Niveaus von Religiosität sowie konfessioneller und religiöser Selbstbestimmung von Bürgern und ihren Positionen zur Beziehung zwischen Staat und Kirche zu verschaffen, sondern auch Tendenzen der Entwicklung des kirchlich-religiösen Umfelds und der Beziehungen zwischen Staat und Kirche in der Ukraine zu erkennen.

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Anna Portnova

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Projektkoordinatorin Politische Parteien und Jugendorganisationen

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