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Vom Reiz des Geldes

von Rudolf Teuwsen

Wöchentlich Neues aus Guatemala, Honduras und El Salvador

Liebe Interessierte an der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Guatemala und Honduras: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie in Mittelamerika aus? Welche anderen Ereignisse des politischen und wirtschaftlichen Lebens in diesen Ländern geschehen sonst noch? Und wie arbeitet die KAS eigentlich unter den derzeitigen Bedingungen? Wenn Sie die Antworten auf diese oder ähnliche Fragen interessieren, bieten wir Ihnen in diesem Blog Woche für Woche die wichtigsten Neuigkeiten und einen kleinen Einblick. Danke für Ihr Interesse und viel Vergnügen bei der Lektüre.

Etwa zehn Mal so hoch wie die offizielle Statistik ausweist sind nach Aussagen der Präsidialkommission zum Management der Corona-Pandemie, COPRECOVID, die Infektionszahlen in Guatemala, also statt gut 100.000 gut eine Million Fälle seit März dieses Jahres. Für diesen Unterschied gibt es mehrere Gründe. So stützt sich die Kommission auf Erfahrungen aus anderen Ländern und berücksichtigt auch, dass ein großer Teil der in Guatemala durchgeführten Tests auf serologischer Basis durchgeführt wird und daher eine hohe Quote an falsch negativen Resultaten liefert. Darüber hinaus gilt als sicher, dass nach wie vor viele Testergebnisse den zuständigen Behörden gar nicht gemeldet werden. Die Schätzungen der COPRECOVID beruhen zudem auf einer Untersuchung, die mit gut 5.000 Freiwilligen in verschiedenen Sporteinrichtungen ebenfalls auf der Basis serologischer Tests durchgeführt wurden. Dabei wurde eine fast zehnmal so hohe Zahl an Trägern von Corona-Antikörpern gefunden, wie auf Grundlage der offiziellen Infektionszahlen zu erwarten gewesen wäre. Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchungen ist jedoch auch, dass die Ansteckungsgefahr beim Sport sehr gering ist. Dennoch bedeutet dies für den Moment, dass es nicht rund 7.500, sondern 75.000 aktive Fälle gibt. Nach offiziellen Angaben gilt die Warnstufe Rot nun in 122 Kommunen (zuvor 163), Orange in 121 (zuvor 109), darunter auch weiterhin die Hauptstadt, und Gelb in 97 (zuvor 68).

Währenddessen hat sich in Honduras erstmalig auch der dafür zuständige Rechnungshof, Tribunal Superior de Cuentas, TSC, öffentlich zu Korruptionsfällen im Verlauf des Managements der Pandemie geäußert. Das TSC nennt sechs Fälle, die einer strafrechtlichen Untersuchung bedürfen, alles Fälle, die zuvor bereits vom zivilgesellschaftlich organisierten Antikorruptionsrat (Consejo Nacional Anti-Corrupción), mit dem die KAS zusammenarbeitet, veröffentlicht worden waren. Ausgerechnet diesen Antikorruptionsrat will das TSC nun unter die Lupe nehmen und dessen Verausgabung staatlicher Mittel, die dem Rat gesetzlich zustehen, prüfen. Der Rat hat seine uneingeschränkte Kooperation signalisiert und zugleich deutlich gemacht, dass er die Prüfung als Einschüchterungsversuch betrachtet.

Keinerlei Bewegung gab es in dieser Woche bei den Richterwahlen und der Zusammensetzung der obersten Gerichte in Guatemala.

Genau 122 Millionen 351.456 Quetzales in US-Dollar, Euros und heimischer Währung (umgerechnet fast 14 Mio. Euro) hat die Spezialeinheit zur Bekämpfung von Straflosigkeit und Korruption der Generalstaatsanwaltschaft (Fiscalía Especial Contra la Impunidad, FECI) in 22 Koffern versteckt in einem Badezimmer eines luxuriösen Anwesens in der Tourismus-Hochburg Antigua gefunden. Bei dem Fund soll es sich um Bestechungsgelder für einen oder mehrere Angehörige einer früheren Regierung handeln. Jedenfalls ist es die größte jemals in Guatemala beschlagnahmte Geldsumme. Gefunden wurden außerdem zwei in Deckenlampen versteckte Webkameras. In den Medien wird die Aktion als großer Erfolg der FECI gesehen.

Im Rahmen eines Abkommens zwischen den Ländern El Salvador, Guatemala und Honduras und deren Nachbarn Mexiko, das die Entwicklung im Nördlichen Dreieck fördern und die irreguläre Auswanderung in Richtung USA stoppen soll, hat die mexikanische Regierung eine Zahlung von monatlich 480 US-Dollar an honduranische Familien angekündigt. Das Geld soll an kleine Landbesitzer fließen und die Wiederaufforstung sowie einen nachhaltigen Ackerbau fördern. Der Haken an dem Programm: Es sind nicht diese Familien, die sich aus Honduras auf den Weg machen, um in den USA ein besseres Leben zu finden, sondern diejenigen, denen es selbst am Allernötigsten mangelt.

In dieser Woche kaden wir zu den folgenden Veranstaltungen ein:

19. und 23.10.2020 (GUA): Sitzungen 3 und 4 der Sprachkurse in den beiden Mayasprachen Kaqchiquel und Q´eqchi´ für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Justizbehörde

20.10.2020 (GUA): Sitzung 4 des Kurses zur Politischen Bildung für Studierende der Escuela de Gobierno

20.10.2020 (GUA): Sitzung 3 des Kurses Justicia abierta, transparencia y datos abiertos

22.10.2020 (GUA): Sitzung 3 des Kurses Estado y Ciudadanía

22.10.2020 (GUA): Abschlussitzung der Academia de Gobernanza

23.10.2020 (GUA): Sitzung 4 des Kurses Ciudadanía, Democracia y poder local

23.10.2020 (GUA): Sitzung 3 der Escuela de Liderazgo Político

23.10.2020 (GUA): Sitzung 3 des Kurses zur Politischen Bildung für indigene Frauen

23.10.2020 (GUA): Sitzung 1 des Kurses zur politischen Bildung für Lokalpolitiker im Bezirk Totonicapán

24.10.2020 (HON): Fortsetzung von Modul 7 des Kurses zur Sozialen Marktwirtschaft für Studierende der Nationalen Autonomen Universität

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11. Oktober 2020
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