Länderberichte

Super Tuesday II

von Norbert Wagner

Clinton gewinnt in drei Staaten – McCain hat die Nominierung sicher

Der Dienstag, 4. März, war von den Medien schon „Super Tuesday II“ genannt worden, weil an diesem Tag in vier Bundesstaaten Vorwahlen stattfanden: Ohio, Texas, Vermont und Rhode Island. Auch vom „show down“ zwischen Hillary Clinton und Barack Obama war die Rede. Denn vielfach wurde spekuliert, daß am 4. März endlich die Entscheidung über den Demokratischen Präsidentschaftskandidaten fallen werde, nachdem schon seit einiger Zeit klar war, wer der Republikanische Kandidat sein würde.

Die Clinton Kampagne selbst hatte dazu beigetragen, indem Bill Clinton behauptete, Hillary Clinton müsse Texas und Ohio gewinnen, wenn sie weiter im Rennen bleiben wolle. Als es dann zunehmend danach aussah, daß sie nicht in beiden Bundesstaaten gewinnen könne, wurde die Meßlatte bzw. der Torpfosten immer wieder ein wenig verschoben. Einen Bundesstaat gewinnen, einen knapp verlieren, oder Texas und Ohio nur knapp verlieren etc.

Von vornherein war klar, daß Obama in Vermont gewinnen würde und Clinton Rhode Island. So konzentrierte sich das Interesse nahezu ausschließlich auf Ohio und Texas. In den Umfragen lag Clinton in Ohio deutlich vorn. In Texas dagegen hatte Obama in den letzten Wochen über 20 Prozentpunkte aufgeholt und lag nur knapp hinter Clinton.

Zur großen Überraschung vieler Beobachter konnte Hillary Clinton in Texas und in Ohio den Sieg davontragen. Ohio sogar mit deutlichem Vorsprung (10 Prozentpunkte) und Texas klar mit rund 3,5 Prozentpunkten. In Rhode Island gewann sie mit großem Vorsprung (58,4%:40,4%), in Vermont gewann dagegen Barack Obama ebenfalls mit großen Vorsprung (59,8%:38,3%).

  • Zum Clinton-Sieg haben verschiedene Faktoren beigetragen. In Ohio hatte Hillary Clinton große Unterstützung bei ihrer traditionellen Wählerschaft: Weiße, 65 Jahre, Wähler ohne College-Abschluß, Arbeiter (blue collar), Wähler mit mittlerem und niedrigem Einkommen (unter 50.000 $).
  • In Ohio war die US-Handelspolitik ein wichtiges Thema des demokratischen Vorwahlkampfes. Clinton, aber auch Obama, kritisierten beispielsweise das NAFTA-Abkommen und andere bilaterale US-Handelsabkommen. Diese Abkommen benachteiligten angeblich die Arbeiter in Ohio und seien verantwortlich für den Verlust an Arbeitsplätzen (outsourcing) im Bundesstaat. In den letzten Tagen vor dem Wahltag wurde dann bekannt, daß ein Wirtschaftsberater Obamas offenbar mit Vertretern des Kanadischen Konsulats in Chicago gesprochen hatte und darauf hingewiesen habe, die Kanadier könnten unbesorgt sein, man müsse zwischen Wahlkampfrhetorik und anschließender Politik unterscheiden.
  • Hillary Clinton hatte zudem in den letzten Wochen und Tagen vor dem 4. März einen deutlich aggressiveren Wahlkampf gegen Obama geführt. In zahlreichen TV-Spots und bei ihren Wahlkampfauftritten hob sie immer wieder die Unerfahrenheit von Obama hervor. Wenn nachts um drei Uhr im Weißen Haus das Telephon läute, könnten die US-Bürger weiter beruhigt schlafen, denn sie nehme das Telephon ab und werde die richtige Entscheidung treffen. Will sagen: Obama könne das nicht.
  • In Texas spielte das Wahlverhalten ethnischer Minderheiten ein große Rolle. Traditionell wird Hillary Clinton von den Hispanics mit großer Mehrheit unterstützt. Ein „african-american“ Kandidat hat es bei Hispanics sehr schwer. Dagegen kann Obama auf die nahezu uneingeschränkte Unterstützung schwarzer Wähler zählen. Das sehr komplizierte Wahlverfahren und die Besonderheiten der Gewichtung der Stimmen können indes dazu führen, daß Clinton in Texas zwar bei der Zahl der abgegebenen Stimmen deutlich vor Obama liegt, daß aber beide ungefähr die gleiche Anzahl an Delegierten gewinnen.

Die angegebenen Zahlen der Delegierten, die Clinton und Obama bei den vier Vorwahlen am 4. März gewonnen haben, sind noch vorläufig. Die Angaben der verschiedenen Agenturen bzw. Networks differieren mitunter stark.

Offen ist auch noch, welcher der beiden Kandidaten den Texas Caucus gewonnen hat. In Texas finden nämlich die Demokratischen Vorwahlen in einem zweistufigen Prozeß statt. Zunächst normale Primaries, wobei die Delegierten auf Basis der State Senate Districts gewählt werden. Nach Schließung der Wahllokale findet dann noch ein Caucus statt, in dem die Wähler ein zweites Mal abstimmen und Delegierte wählen können.

Insgesamt hat sich die Lage im Kampf um Demokratische Delegiertenstimmen zwischen Obama und Clinton nicht verändert. Obama liegt bei den gewählten Delegierten weiterhin deutlich vor Clinton (1340:1206). Bei den Superdelegierten näheren sich die Zahlen aneinander an (202:241). Zum einen, weil Superdelegierte, die sich bisher noch nicht entschieden hatten, ihre Unterstützung für Obama erklären. Zum anderen, weil einige Superdelegierte vom Clinton-Lager ins Obama-Lager wechseln. Insgesamt verfügt Obama über rund 100 Delegierte mehr als Clinton. Es ist nicht zu erkennen, wie Clinton diesen Abstand in den kommenden Primaries wettmachen will.

Die Kampagne von Hillary Clinton, die in den letzten Wochen unter den elf Niederlagen in Folge etwas gelitten hatte, hat nun wieder neuen Schwung gewonnen. In den Interviews und Reden nach dem Wahlabend war dies auch Hillary Clinton deutlich anzumerken. Sie erwähnte sogar schon ein mögliches Ticket Clinton-Obama, natürlich mit Obama als Vizepräsident.

Nach dem bisherigen Erfolg seiner Kampagne hat Barack Obama keinen Grund, auf ein solches Angebot einzugehen. Er hat noch immer die besseren Chancen, die Demokratische Nominierung zu gewinnen. Das Rennen geht also weiter.

Am 8. März werden Vorwahlen in Wyoming stattfinden, am 11. März in Mississippi. Alle Aufmerksamkeit richtet sich aber bereits auf den nächsten großen Bundesstaat, Pennsylvania, wo am 22. April Vorwahlen stattfinden werden und 158 Demokratische Delegiertenstimmen zu gewinnen sind. Das sind sieben lange Wochen, in denen Hillary Clinton und Barack Obama noch heftiger als bisher um die Nominierung kämpfen werden, während John McCain schon seinen Präsidentschaftswahlkampf führt.

John McCain hat am 4. März in den vier Bundesstaaten die Vorwahlen gewonnen und damit die Schwelle der Delegiertenzahl, die zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner erforderlich ist, überschritten.

Damit hat John McCain die Nominierung als Republikanischer Präsidentschaftskandidat sicher.

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