The AfCFTA and the Private Sector. Realizing Africa's Full Potential.

Veranstaltungsbericht

Wenn Sie die Podiumsdiskussion verpasst haben sollten, können Sie sie auf unserem YouTube-Kanal ansehen. 

 

Bericht: Die Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA) trat am 30. Mai 2019 in Kraft. Am 1. Januar 2021 begann der Handel. Bis heute haben 43 von 55 AU-Mitgliedstaaten das Abkommen ratifiziert. Ausführliche Informationen über den Stand des AfCFTA finden Sie in unserem Kurzdossier.

Am 16. Juni 2022 veranstalteten das KAS-Auslandsbüro Äthiopien/AU und die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika (UNECA) gemeinsam eine hochrangige Podiumsdiskussion in Addis Abeba zum Thema "The AfCFTA and the Private Sector. Realizing Africa's Full Potential". Die Veranstaltung brachte wichtige Akteure der AU-Kommission, der Regionalen Wirtschaftsgemeinschaften, der AU-Mitgliedstaaten, Unternehmer und Unternehmensverbände zusammen. Etwa 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung in Addis Abeba teil und mehr als hundert verfolgten die Veranstaltung online per Live-Stream.

 

In seiner Eröffnungsansprache begrüßte der stellvertretende UNECA-Exekutivsekretär Antonio Pedro die Teilnehmer. Pedro sagte, das Panel werde dazu beitragen, die Fortschritte der AfCFTA und die Einbeziehung des Privatsektors zu bewerten: "Die nationalen AfCFTA-Umsetzungsstrategien, die von mehreren Ländern mit Unterstützung der ECA entwickelt werden, unterstreichen die Bedeutung einer inklusiven Umsetzung der AfCFTA durch ein verbessertes Engagement des Privatsektors, einschließlich kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) sowie Frauen und Jugend." Pedro sprach auch über den AfCFTA Country Business Index (ACBI), der das wichtigste und innovativste Instrument ist, um die Meinung des Privatsektors zur Umsetzung des Abkommens zu erfassen und nützliche Informationen über die handelspolitischen Herausforderungen zu liefern, mit denen Händlerinnen und kleine Unternehmen konfrontiert sind.

In seiner Eröffnungsrede sagte der KAS-Büroleiter Benno Müchler, dass das AfCFTA-Abkommen potentiell das größte Versprechen für die Bürger des afrikanischen Kontinents und seine kommenden Generationen darstelle. Es gebe noch viele Herausforderungen, so Müchler: "Meiner Beobachtung nach liegt vielen von ihnen die Frage des 'Vertrauens' zwischen den AU-Mitgliedstaaten zugrunde. Denken wir zum Beispiel an das Protokoll für den freien Personenverkehr in Afrika, das bisher nur von vier Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde." Entscheidend für den Erfolg der AfCFTA sei es nun, den Privatsektor mit ins Boot zu holen. Die deutsche Regierung habe in den vergangenen Jahren viel für die Förderung des Handels und des Wirtschaftswachstums in Afrika getan. Als deutsche politische Stiftung mit mehr als 20 Büros in Afrika wisse die KAS um die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen, das wirtschaftliche Potential Afrikas und die vielen Möglichkeiten, die Afrika zu bieten habe, sagte er weiter. Er nannte die Hoffnung, dass der wachsende Handel zwischen Afrika und der Welt im Rahmen des AfCFTA zu mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätzen auf dem Kontinent führen werde.

In seiner Eröffnungsrede dankte Endalew Mekonnen, Staatsminister im äthiopischen Ministerium für Handel und regionale Integration (MoTRI), der KAS und der UNECA für die Organisation der Veranstaltung. Er wies darauf hin, dass Äthiopien, gemessen an der Bevölkerungszahl, das zweitgrößte Land Afrikas sei, in dem 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre seien und das ein großes Potenzial für Handel und Investitionen habe. Die äthiopische Regierung habe entscheidende Reformen im Privatsektor durchgeführt, um mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Er unterstrich die Homegrown Economic Reform Agenda der äthiopischen Regierung, die darauf abzielt, das wirtschaftliche Potenzial des Landes durch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen, integratives Wachstum, Armutsbekämpfung, Innovation und Industrialisierung zu erschließen. Wie der Staatsminister sagte, habe Äthiopien den Ehrgeiz, bis 2030 nicht weniger als der "Leuchtturm des Wohlstands" Afrikas zu werden.  Der Staatsminister verwies auf das "unerschütterliches" Engagement Äthiopiens für die Affrikanische Freihandelszone und die überragende Bedeutung der Freihandelszone für ganz Afrika: "Wir sind fest davon überzeugt, dass die Stärkung unserer Handelsbeziehungen innerhalb Afrikas durch die AfCFTA sehr wichtig ist, nicht nur wegen des Handelsvolumens, sondern auch, um das Ziel der panafrikanischen Bewegung im Rahmen der Schaffung eines starken und geeinten Afrikas zu erreichen." Die sieben wichtigsten Exportländer Äthiopiens im Jahr 2021 waren Somalia, die Niederlande, die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Deutschland und Dschibuti.

 

Die erste Podiumsdiskussion stand unter dem Thema "Potential für ein stärkeres Engagement des Privatsektors" und brachte folgende Personen zusammen: Chiza Charles Chiumya, Direktor für Industrie, Bergbau und Unternehmertum bei der AU-Kommission; Dr. Osman Babikir, Direktor für wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der IGAD, der virtuell zugeschaltet aus Kenia teilnahm; Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft; und Kebour Ghenna, Direktor der Panafrikanischen Handels- und Industriekammer (PACCI). Das Panel wurde moderiert von Prof. Melaku Desta, Koordinator des AfCFTA bei der UNECA.

 

Charles Chiumya, Direktor für Industrie, Bergbau und Unternehmertum in der Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung, Handel, Industrie und Bergbau (ETIM) der AU-Kommission, sagte, das AfCFTA sei zunächst nur ein Dokument. "Wir müssen dieses Dokument mit Leben füllen." Er wies darauf hin, dass es zwei große Herausforderungen gibt, die die Geschäftstätigkeit in Afrika behindern: die Größe des Marktes und die zahlreichen Regeln, die für den Handel auf dem Kontinent gelten. Um den Privatsektor besser einzubinden, sollten die Regierungen der AU-Mitgliedsstaaten daran arbeiten, das Bewusstsein für die Möglichkeiten zu schärfen und sicherstellen, dass politische Maßnahmen und Verhandlungen für den Privatsektor vollständig umgesetzt werden, da der Sektor der eigentliche Nutzer dieser Maßnahmen sei. Für den Privatsektor, so Herr Chiumya, müssen viel mehr Handelsinformationen bereitgestellt werden. Generell müsse der Privatsektor auch besser organisiert sein.

Dr. Osman Babikir, Direktor der Abteilung für wirtschaftliche Zusammenarbeit und regionale Integration bei IGAD, hob die Initiativen hervor, die seine Organisation unternommen habe, um zur erfolgreichen Umsetzung des AfCFTA und Unterstützung des Privatsektors beizutragen. Um die regionale Integration zu verbessern, konzentriere sich die IGAD auf acht Säulen: die institutionelle Dimension, die politische Dimension, die Infrastruktur, die Gesellschaft, den Handel, die Umwelt und die Jugend. Er betonte, dass die Verbesserung der afrikanischen Infrastruktur für den Erfolg der AfCFTA entscheidend sein wird. Hier habe IGAD eine Strategie entwickelt, die sich auf die Sektoren Energie, Transport, Wasser und ICT konzentriere.

Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, ermutigte zunächst die AU-Mitgliedstaaten, den Weg des Freihandels und der Marktintegration weiter zu beschreiten. "Ich denke, das ist ein sehr wichtiges und gutes Signal in diesen Zeiten", sagte Herr Kannengießer. "Deglobalisierung und Protektionismus sind nicht die richtige Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts." Er hoffte auf mehr Handel zwischen Afrika und Europa. "Afrika hat alles, was wir nicht haben. Und Europa hat viel von dem, was Afrika braucht", sagte Herr Kannengießer. Afrika habe eine junge und wachsende Bevölkerung und erneuerbare Energien. Europa brauche Energie. Es habe eine alternde und schrumpfende Bevölkerung, aber es habe Technologie und Kapital. Es mache viel Sinn, diese Vorteile zusammenzubringen, so Kannengießer. Daher sei das AfCFTA neben dem wachsenden innerafrikanischen Handel auch ein großes Versprechen für mehr Handel zwischen Afrika und Europa. Deutschland habe kontinuierlich in Afrika investiert und investiere derzeit etwa 12 Milliarden Euro in den Kontinent, aber das sei weniger als das, was Deutschland im Stande sei, zu leisten. Im Gegensatz zu anderen Ländern konzentrierten sich die deutschen Investitionen auf Industrieprojekte, lokale Inhalte und industrielle Produktion, die kapitalintensiver seien. Am Beispiel der Automobilindustrie zeige sich, so Herr Kannengießer, dass diese Investitionen große, integrierte Märkte benötigten, weshalb das AfCFTA für jede ähnlich große Industrie wichtig sei. In Bezug auf die Integration des Privatsektors sagte Herr Kannengießer, dass es in Deutschland einen starken Dialog zwischen der Regierung und den Wirtschaftsverbänden gebe, der zur Verbesserung der Gesamtwirtschaft beitrage.

Kebour Ghenna, Direktor der Panafrikanischen Industrie- und Handelskammer (PACCI), wies darauf hin, dass das AfCFTA ein Abkommen sei, das die Geschäftstätigkeit einfacher mache als zuvor. Bis zu seiner Umsetzung gebe es jedoch noch viele Herausforderungen. "Wenn wir den Privatsektor fragen, was das 'AfCFTA' ist, werden wir vermutlich verschiedene lustige Antworten erhalten. Einige werden sagen, es sei ein Land. Andere werden sagen, es ist ein Stück Ausrüstung. Wir sind also noch weit davon entfernt, der Geschäftswelt zu vermitteln, was das AfCFTA ist und welche Auswirkungen es auf die Wirtschaft haben wird." Für ihn seit der Abschluss des AfCFTA-Abkommens eher ein Weg als ein Ziel. Die Verhandlungen seien noch im Gange und gingen für viele Geschäftsleute nicht schnell genug. Im Vergleich zu Deutschland sei der Dialog zwischen dem Privatsektor und den Regierungen in Afrika nicht gut genug und müsse entwickelt werden. "Die Diskussion muss im wahrsten Sinne des Wortes von den Regierungen geführt werden, das ist keine Frage. Aber an vielen Stellen fehlt es an Briefing, Debriefing und auch an Kommentaren des Privatsektors", sagte Kebour. Zu den größten Herausforderungen für den Privatsektor in Afrika gehörten Zoll, Logistik, Infrastruktur, Produktionskapazitäten - und schließlich die Solidarität zwischen den AU-Mitgliedstaaten. Die 54 Länder, die das Abkommen unterzeichnet hätten, wiesen unterschiedliche Entwicklungsstadien auf. Herr Kebour sagte: "Natürlich wird es einige Gewinner und einige Verlierer geben. Wird der Kontinent in der Lage sein, die Idee der Integration auch in Zukunft aufrechtzuerhalten? Und hier müssen wir als Bürger Afrikas wirklich anfangen, darüber nachzudenken, welche Art von Afrika wir haben wollen. Ohne wirkliche gegenseitige Hilfe wird diese AfCFTA nicht leicht umzusetzen sein."

 

An der zweiten Podiumsdiskussion zum Thema "Vergleichende Vorteile und Ansichten aus dem Privatsektor" nahmen teil Ewumbue-Monono Churchill, der kamerunische Botschafter in Äthiopien, an der AU und der UNECA; Melaku Ezezew, Präsident der äthiopischen Handelskammer (ECCSA); Chiara-Felicitas Otto, Geschäftsführerin der exficon GmbH und der Eight innovations GmbH, die virtuell aus Deutschland teilnahm; und Precious Di Phiri, Gründer von Awawo Eco Malawi.

 

Botschafter Churchill hob hervor, dass Kamerun eines der ersten Länder gewesen sein, das das AfCFTA unterzeichnet habe. In Bezug auf die AfCFTA-Prozesse habe Kamerun an zwei Hauptthemen gearbeitet: Bewusstseinsbildung und Institutionalisierung der AfCFTA. Für die Integration des Privatsektors seien zwei Kammern und die Diaspora von der Regierung einbezogen worden. Botschafter Churchill erklärte, dass der Privatsektor der wichtigste Motor der kamerunischen Wirtschaft sei, so dass dieser Sektor von der Umsetzung der AfCFTA profitieren und dem Land einen großen Nutzen bringen werde, indem er jungen Menschen und Frauen die Tür zur Wirtschaft öffne.

Melaku Ezezew, Präsident der äthiopischen Handelskammer (ECCSA), uunterstrich die Bedeutung des Privatsektors als Rückgrat der äthiopischen Wirtschaft. Die Handelskammer habe enge Verbindungen zum Privatsektor. Der äthiopische Privatsektor hatte jedoch bisher nur wenige Informationen über das AfCFTA und seine Vorteile erhalten. Nach der Durchführung einer Studie und dem Austausch mit der Regierung bilde die Kammer daher Experten aus, die in allen Sektoren des Landes über das AfCFTA informieren. Ziel sei es, dass der äthiopische Privatsektor die Vorteile des AfCFTA voll ausschöpfen könne und international wettbewerbsfähig werde. "Da Äthiopien ein Binnenland ist, stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten wir bei der Nutzung des AfCFTA haben. (...) Um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein, braucht es Qualität, Preise, Massenproduktion und so weiter. (...) Die Geschäftswelt sollte die internationalen Standards kennen und sich daran orientieren, um auf dem AfCFTA-Markt kompetent zu sein."

Chiara-Felicitas Otto, Geschäftsführerin der exficon GmbH, sagte, das Unternehmen sei in 25 afrikanischen Ländern tätig. Im Gespräch über die Herausforderungen der Arbeit in Afrika sagte Frau Otto: "Ich denke, es gibt viele Dimensionen, über die man nachdenken muss. Die Arbeit in Afrika, die Arbeit mit Afrikanern hat viele persönliche, interkulturelle Dimensionen. (...) Man muss auf dem Markt präsent sein. Es gibt einen ganz anderen Code, wie Geschäfte gemacht werden. Und es gibt einen sprachlichen Aspekt." Daran müssen sich deutsche und europäische Kunden gewöhnen. Auf der geschäftlichen Seite gebe es viele administrative Hürden, aber das sei nicht viel anders als in anderen Ländern. Auf der finanziellen Seite hingen die Herausforderungen vom jeweiligen Land ab. Eine nichttarifäre Hürde, auf die sie oft stoße, sei die Forderung nach einer hohen Quote an lokalen Inhalten, die viele Länder stellten. Dies sei sehr verständlich, aber in einigen Ländern sei es aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit auf dem lokalen Markt nicht möglich, diese zu erfüllen.

Precious Di Phiri, Gründer von Awawo Eco Malawi, nannte mehrere große Herausforderungen, mit denen junge afrikanische Unternehmer auf den Exportmärkten konfrontiert seien. Dazu gehörten der fehlende Zugang zu Kapital, Informationen, Mentoren, Austauschprogrammen und die Einbeziehung junger Menschen in politische Prozesse und die langen Zertifizierungsverfahren. Dies führe zu Frustration bei der jungen Generation. "Junge Menschen geben diese Ideen auf", sagte Di Phri. Die Umsetzung des AfCFTA wird jungen Unternehmern in vielerlei Hinsicht zugute kommen, z. B. durch bessere Informationen über Wertschöpfung, Ausbildung, Mentorenschaft und das Engagement der Jugend.

 

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Übersicht der Redner und Panelisten:

 

Opening Remarks:

Antonio PEDRO, Deputy Executive Secretary of the Economic Commission for Africa (ECA)

Benno MÜCHLER, KAS Country Representative Ethiopia/AU


Keynote Speech:

Endalew MEKONNEN, State Minister, Ministry of Trade and Regional Integration of the Federal Democratic Republic of Ethiopia 


Panel 1: Potential for More Private Sector Engagement

Chiza Charles CHIUMYA, Acting Director – Industry, Mining and Entrepreneurship Department of Economic Development, Trade Industry and Mining – AUC (tbc)
 
Dr. Osman BABIKIR, Acting Director for Economic Cooperation, IGAD
 
Christoph KANNENGIESSER, German-African Business Association (Afrika-Verein)
 
Kebour GHENNA, Executive Director of the Pan African Chamber of Commerce and Industry
 
Host: Melaku DESTA, Coordinator of the African Trade Policy Center (ATPC) UNECA


Panel 2: Comparative Advantages and Views from the Private Sector
 
H.E. Ewumbue-Monono CHURCHILL, Ambassador of the Republic of Cameroon to Ethiopia, the AU und UNECA
 
Eng. Melaku EZEZEW, President of the Ethiopian Chamber of Commerce & Sectoral Association
 
Precious DI PHIRI, Gründer von Awawo Eco Malawi
 
Chiara-Felicitas OTTO, Managing Director of exficon GmbH und Eight Innovations GmbH (virtual)
 
Host: Benno MÜCHLER, KAS Country Representative Ethiopia/AU