Veranstaltungsberichte

75 Jahre Vereinte Nationen

von La Toya Waha

Die Zukunft der VN, Politikberatung und Think Tanks: Unsere Zukunft Gemeinsam Gestalten

Zum 75. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen veranstaltete das Think Tanks & Civil Societies Program der University of Pennsylvania am 6. Oktober eine digitale Konferenz zur Zukunft der Vereinten Nationen. An der Konferenz, die Teil der globalen Feierlichkeiten war, nahmen über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Think Tanks aus allen Regionen der Welt teil. Vertreterinnen und Vertreter führender Think Tanks waren eingeladen, ihre Analysen aktueller transnationaler und internationaler Herausforderungen vorzustellen, ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen zu teilen und Empfehlungen für die zukünftige Kooperation von Think Tanks und den Vereinten Nationen abzugeben. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung war eingeladen, ihre Analyse und ihre Arbeit vorzustellen. Gleich zwei Mitarbeiterinnen der KAS, Andrea Ellen Ostheimer, Leiterin des Büros der Stiftung in New York, und Dr. La Toya Waha, Mitarbeiterin des Regionalprogrammes Politikdialog Asien in Singapur, waren auf den beiden Panels der Veranstaltung vertreten. Zum Abschluss der Veranstaltung richtete sich Under-Secretary-General Fabrizio Hochschild Drummond an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um über ihre Rolle bei der Erneuerung der Vereinten Nationen zu sprechen.

Zum 75. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen veranstaltete das Think Tanks & Civil Societies Program der University of Pennsylvania am 6. Oktober eine digitale Konferenz zur Zukunft der Vereinten Nationen. An der Konferenz, die Teil der globalen Feierlichkeiten war, nahmen über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Think Tanks aus allen Regionen der Welt teil. Zum Abschluss der Veranstaltung richtete sich Under-Secretary-General Fabrizio Hochschild Drummond an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um über ihre Rolle bei der Erneuerung der Vereinten Nationen zu sprechen.

Ausgesprochenes Ziel dieser Veranstaltung war es, die Bedeutung von Think Tanks für die internationale Zusammenarbeit im Allgemeinen und für die Arbeit der Vereinten Nationen im Besonderen herauszustellen. Der Leiter des Think Tanks & Civil Societies Programmes, Jim McGann, PhD, betonte wiederkehrend die Notwendigkeit der Erneuerung der Vereinten Nationen und die zentrale Rolle, die Think Tanks darin einnehmen sollten. Vertreterinnen und Vertreter führender Think Tanks waren eingeladen, ihre Analysen aktueller transnationaler und internationaler Herausforderungen vorzustellen, ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen zu teilen und Empfehlungen für die zukünftige Kooperation von Think Tanks und den Vereinten Nationen abzugeben. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung war eingeladen, ihre Analyse und ihre Arbeit vorzustellen. Gleich zwei Mitarbeiterinnen der KAS, Andrea Ellen Ostheimer, Leiterin des Büros der Stiftung in New York, und Dr. La Toya Waha, Mitarbeiterin des Regionalprogrammes Politikdialog Asien in Singapur, waren auf den beiden Panels der Veranstaltung vertreten.

Das erste Panel der Veranstaltung beschäftigte sich mit den regionalen und nationalen Perspektiven auf ausgewählte globale Herausforderungen. Dr. La Toya Waha sprach hier über die vielschichtigen Konsequenzen von Flucht und Vertreibung („Forced Mass Migration“). Dabei richte sich die internationale Aufmerksamkeit vermehrt auf die unmittelbaren Probleme, wie die unmittelbare politische, soziale oder die naturbedingte Katastrophe, die Menschen zur Flucht zwinge; sowie die Menschen auf der Flucht, ihre Sicherheit und schließlich die Versorgung ihrer Bedürfnisse, sobald sie einen sichereren Platz erreichten. Häufig übersehen werde jedoch, dass „Forced Mass Migration“ ein komplexes Problem sei, dessen Konsequenzen weit über die unmittelbare Sicherheit der Menschen auf der Flucht und ihrer unmittelbaren Versorgung hinausreiche. Es sei daher nicht genug, sich auf die direkten Folgen zu konzentrieren und reiche auch nicht aus, allein auf die Menschen auf der Flucht zu schauen.

Am Beispiel der „Forced Mass Migration“ aus Myanmar verdeutlichte Dr. La Toya Waha ihr Argument.  Schaue man auf die Berichte aus den VN-unterstützen Flüchtlingslagern in Bangladesch, würden die furchtbaren Konsequenzen für die Menschen, die zur Flucht gezwungen waren, sehr schnell sehr deutlich. Weniger beachtet seinen jedoch die Konsequenzen für die lokale Bevölkerung. So hätten Angriffe auf die bangladeschische buddhistische Minderheit zugenommen und die Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften im Land belastet. Gleichzeitig gebe es auch steigende Spannungen zwischen der (muslimischen) lokalen Bevölkerung und den Bewohnerinnen und Bewohnern der Camps. Auch unabhängig von Religionsunterschieden sei es hier zu gewaltsamen Übergriffen gekommen. Ebenfalls über die Grenzen des Hauptaufnehmerlandes Bangladesch hinaus habe die „Forced Mass Migration“ aus Myanmar zu steigenden Spannungen und Gewalt geführt. Migranten aus Myanmar seien Opfer von Angriffen in Sri Lanka geworden; sie seien aber auch Täter in Gewalttaten gegen Buddhisten in Malaysia gewesen. Das Thema habe darüber hinaus zu Spannungen in der regionalen multilateralen Organisation, der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN), geführt – dem Garanten für Stabilität in der Region.

Zudem habe die politische Instrumentalisierung und Ausnutzung des Leides der Menschen, die Myanmar verlassen mussten, dazu geführt, dass ein nationaler Konflikt über Staatsbürgerschaft und Staatenbildung „transnationalisiert“ und zunehmend in einen „globalen religiösen Konflikt“ zwischen Buddhisten und Muslimen umgedeutet würde. Diese Narrative würden nun auch von Organisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS) genutzt, um Kämpfer überall auf der Welt zu mobilisieren.

Trotz dieser transnationalen und internationalen Herausforderung verrate ein Blick in die Region, dass es häufig an politischem Willen fehle, internationale Regelungen umzusetzen. Auf vielen Ebenen wisse man zudem häufig nichts von internationalen Resolutionen, an anderen Stellen werde internationales Engagement als parteiisch wahrgenommen oder die Vereinten Nationen selbst nicht als legitimer Akteur anerkannt. Dies seien enorme Herausforderungen für die internationale Kooperation im Allgemeinen und für die Vereinten Nationen im Besonderen.

Dieses komplexe Problem bedürfe einer komplexen Antwort. Was gebraucht werde, seien nachhaltige Lösungen, die profunder Analysen, Legitimität und Unterstützung bedürften. Die unterschiedlichen Interessen und Perspektiven müssten berücksichtigt werden, statt sich nur auf eine Gruppe konzentrieren. Multilaterale Organisationen, verschiedene Interessengruppen und Entscheidungsträger auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene, Vertreter der Zivilgesellschaft: Alle sollten gehört und eingebunden werden, um eine nachhaltige Lösung zu finden. Gleichzeitig sollten Expertinnen und Experten mit Einsichten in die lokalen kulturellen, sozialen, ökonomischen und historischen Besonderheiten zur Analyse und Empfehlung von Lösungen und deren Umsetzung hinzugezogen werden.

An Beispielen der Arbeit der Regionalprogramme in Singapur und dem Länderbüro in Myanmar verdeutlichte Dr. La Toya Waha, wie Think Tanks wie die Konrad-Adenauer-Stiftung die Arbeit der Vereinten Nationen unterstützen. Sie würden Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, um an der Analyse der Probleme zu arbeiten, Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren, Empfehlungen abzugeben und die Umsetzungen zu unterstützen. Zudem würden sie verschiedene Ebenen von Entscheidungsträgern zusammenbringen, die Herausforderungen, Chance und Lösungen zu besprechen.

Gleichzeitig fungierten die Länderbüros der Stiftung auf der ganzen Welt als Verbindungsglied zwischen den Vereinten Nationen und regionalen und nationalen Entscheidungsträgern, und setzten sich dafür ein, die Arbeit der Vereinten Nationen in die verschiedenen Entscheidungsebenen zu übersetzen und deren Perspektiven wiederum zurück in die Vereinten Nationen zu speisen. Think Tanks wie die Konrad-Adenauer-Stiftung könnten dazu beitragen, Menschen aus verschiedenen Ebenen zusammenzubringen, sie einzubeziehen, Plattformen für den Austausch bereitzustellen, Netzwerke und Brücken aufzubauen und damit die Grundlage für nachhaltige Lösungen komplexer Probleme wie „Forced Mass Migration“ zu schaffen.

Das zweite Panel fand unter dem Titel „Creating  Knowledge and Policy Partnerships for A Secure and Sustainable Future“ statt. In ihrer Anmoderation dieses Panels, das sie leitete, betonte auch Andrea Ostheimer die Bedeutung des Austauschs von Wissen und die Einbeziehung verschiedener Entscheidungsebenen. Sie verdeutlichte, wie die Konrad-Adebauer-Stiftung diesen Wissenstransfer unterstützt, indem besonders die Büros in New York, Wien und Genf Vertreter der Zivilgesellschaft und befreundeter Think Tanks in direkten Austausch mit den Vereinten Nation, aber auch Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedstaaten setzte. Andrea Ostheimer betonte, dass der Austausch keine Einbahnstraße sei. Es gehe nicht nur darum, Wissen in die Vereinten Nationen zu tragen, sondern auch die Arbeit der Vereinten Nationen in die Bevölkerung zu vermitteln, um damit die Unterstützung für die Vereinten Nationen und Multilateralismus zu stärken. Dies sei besonders in Zeiten des wachsenden Nationalismus von besonderer Bedeutung. 

Diesen Punk griff auch Under-Secretary-General Fabrizio Hochschild Drummond in seiner Rede auf. Er betonte, dass sich die Welt in einem Schlüsselmoment der Geschichte befinde. Dieses Gefühl sei seit einiger Zeit – und nicht erst mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie – verbreitet gewesen. Es sei vor allem die Diskrepanz zwischen der Vielzahl an globalen Herausforderungen, die der internationalen Kooperation bedürften, auf der einen Seite und dem stetigen Rückzug von internationalen Mechanismen auf der anderen Seite, die diesen Moment kennzeichne. Die größte Herausforderung sei dabei die Verdrossenheit, in den Multilateralismus zu investieren, und die Ermüdung derjenigen, die eigentlich Unterstützer des Multilateralismus seien. Der 75. Jahrestag der Vereinten Nationen sei daher nicht der richtige Moment, zu feiern und sich selbst auf die Schulter zu klopfen, sondern der Moment, um herauszufinden, wie man den Widerspruch zwischen der Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit und dem Rückzug aus der internationalen Kooperation überwinden könne.

Um wieder näher an denen zu sein, denen gegenüber man verpflichtet sei, nämlich „We, the People“, sei daher einer der größten Outreach-Versuche gestartet worden. Ergebnis der weltweiten Befragung war, dass trotz all der Unterschiede, die Welt in ihren Sorgen und Hoffnungen für die Zukunft vereint sei. Zu den Dingen, die die Menschen sich wünschten, gehörten unter anderem Solidarität und der Respekt vor Menschrechten und der Würde des Menschen. Was man brauche, sei jedoch nicht mehr von dem, was man schon habe, sondern einen inklusiveren Multilateralismus. Besonders wichtig hierfür sei die Zusammenarbeit mit der Jugend, regionalen Organisationen, der Wissenschaft und Think Tanks. Es bedürfe eines Verständnisses der Komplexität von Herausforderungen. Und es sei an der Zeit, dieser Komplexität zu begegnen.

Die notwendige faktenbasierte Analyse werde häufig durch die politischen Gegebenheiten eingeschränkt, sei jedoch das, was dringend benötigt werde. Hierin liege die enorme Bedeutung und Wichtigkeit der Universitäten und der Think Tanks. Es sei das Ziel des Secretary General, die Vereinten Nationen in eine stärker „denkende und reflektierende Organisation“ umzugestalten. Dieser Prozess der Erneuerung solle auch dadurch gekennzeichnet sein, Think Tanks und Universitäten einzubinden, um die komplexen Herausforderungen unserer Zeit besser zu verstehen.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=jrElYO2NZIk

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.