Veranstaltungsberichte

Abschluss des Onlineseminars über organisiertes Verbrechen

von Carmen Leimann-López
Am 17. Juni 2020 endete das vierwöchige Onlineseminar über verschiedene Aspekte des organisierten Verbrechens, das das Institut für Politik und Regierungslehre der Katholischen Universität Argentiniens (UCA-EGP) gemeinsam mit Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte.

Der Referent und Seminarleiter, Bundesstaatsanwalt Dr. Sebastián Basso, gab am 27. Mai zunächst eine Einführung in die Thematik. In den darauffolgenden Einheiten konzentrierte er sich auf den Drogen- und Menschenhandel sowie auf die Korruption.

Hinsichtlich des Drogenhandels ging Herr Dr. Basso am 3. Juni zunächst auf die historischen Entwicklungen ein. An dieser Stelle erwähnte er unter anderem die Opium-Kriege im 19. Jahrhundert. Anschließend erläuterte er, dass in der Regel vier Phasen durchlaufen werden: Legalität der Substanzen, Gesundheitsschäden durch die Abhängigkeit, Strafverfolgung und in extremen Fällen gewalttätige Auseinandersetzungen. Ferner kritisierte er die Medien in Bezug auf das Idealisieren des Drogenhandels und den Konsum der Substanzen. Des Weiteren referierte über die Herausforderung sich nicht vom Geschäft des Drogenhandels verführen zu lassen, sowohl auf institutioneller Ebene, als auch beispielsweise in Regionen, deren Entwicklungsrückstand vor allem kaum berufliche Perspektiven bietet. Hinsichtlich der Bekämpfung des Drogenhandels führte er an, dass die polizeiliche Verfolgung nicht ausreiche – die gesellschaftlichen Normen und der Rechtsstaat müssen diese Bemühungen mittragen.

Angesichts des Menschenhandels erläuterte Herr Dr. Basso am 10. Juni, dass es sich hierbei um eine moderne Form des Sklavenhandels handele. In der Regel werden die Opfer angeworben, überführt, getäuscht und/oder erpresst und schließlich ausgebeutet. Aus juristischer Sicht sei eine Verkettung verschiedener Straftaten vorzufinden. In diesem Zusammenhang warf er die Frage auf, ob es sich bei Prostitution um einen Beruf handele und erläuterte, dass es im internationalen Kontext verschiedene Haltungen und Rechtslagen gebe.
Des Weiteren erwähnte er, dass der Organhandel in Argentinien derzeit im internationalen Vergleich eine zweitranginge Rolle spiele. Tastsächlich erfassten die argentinischen Behörden mehr Prostitution und illegale Textilfabriken sowie Kinderarbeit in der Land- und Forstwirtschaft. Um gegen den Menschenhandel vorzugehen, bemerkte er abschließend, sei die Anpassungsfähigkeit der Ermittler sowie Korruptionsbekämpfung besonders auf kommunalpolitischer Ebene erforderlich.

Die letzte Einheit des Seminars am 17. Juni handelte von der Korruption. Diese sei laut Herrn Dr. Basso besonders dann vorzufinden, wenn es keine effektive Verfolgung des organisierten Verbrechens gebe, entweder aus Angst vor Gewalt oder aufgrund eines Interessenskonflikts. Korruption beschränke sich seiner Erfahrung nach nicht auf das öffentliche Leben, sondern sei beispielsweise auch in den Gefängnissen vorzufinden. Außerdem käme es auch vor, dass Mitglieder des organisierten Verbrechens entweder zweitranginge Ämter in den Regierungen besetzten oder sogar den Staat kontrollierten. Hinsichtlich der Korruptionsbekämpfung, referierte der Staatsanwalt über nationale Mechanismen wie die Gewaltenteilung, Vergabeverfahren, die Rolle der Nachrichtendienste und Rechtsprechung. Auf internationaler Ebene seien die Konventionen auf interamerikanischer Ebene sowie die der Vereinten Nationen erwähnenswert. Zu bedenken gab er, dass die untersten Regierungsebenen über weniger Mittel und Kapazitäten zur Korruptionsbekämpfung verfügten. Zum Schluss hob er hervor, dass es bei der Rekonstruktion der Fälle des organisierten Verbrechens besonders wichtig sei den sozial-ökonomischen und kulturellen Kontext im Blick zu behalten.

Herr Dr. Basso zog am Ende des Seminars das Fazit, dass bei den Ermittlungen der Dialog wichtiger sein sollte als er Einsatz von Gewalt, ein historisches Wissen über organisiertes Verbrechen und Machtgefüge von Hilfe sei, Fallstudien von erfolgreichen Public Policies analysiert werden sollten, bevor die Verantwortungsträger sie auf lokaler, regionaler oder nationaler Ebene implementierten und das kriminellen Organisationen benannt und sichtbar gemacht werden sollten. Anschließend bedankten sich Frau Mg. Lourdes Puente, Leiterin der UCA-EPG, bei Frau Mg. Florencia Carbone, Frau Mg. Carmen Leimann-López und Frau Lic. Martina Ferrero, die das Seminar koordiniert und begleitet hatten, sowie bei den Teilnehmenden für ihr aufrichtiges Interesse und ihre Partizipation.

Ansprechpartner

Olaf Jacob

Olaf Jacob

Leiter des Auslandsbüros Argentinien

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Veranstaltungsberichte
2. Juni 2020
Eröffnung des Webinars über organisiertes Verbrechen

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