Veranstaltungsberichte

Desinformation: Fake News und die globale Pandemie

von Alixenia López

Bericht zur ADELA Digital-Konferenz

Im folgenden Bericht fasst Elaine Ford ihre Eindrücke und Gedanken zur ADELA Digital-Konferenz vom 29.04.2020 mit dem Thema "Desinformation: Fake News und die globale Pandemie" zusammen

Elaine Ford

Direktorin und Gründerin von Democracy and Development (D&D) International / eford@ddint.org

Master in Internationalen Studien, Postgraduiertenstudium in Völkerrecht und Menschenrechten, Journalist und Spezialist für Innovation in Government and Collaborative Solutions. Direktorin und Gründerin von Democracy and Development (D&D) International; Schöpferin des Digital Democracy Program und Präsidentin der Internet Society of Peru (ISOC).

 

Desinformation, Fake News und die globale Pandemie

Almudena, meine siebenjährige Tochter, hat ein wunderschönes Lied aufgenommen, um zu verbreiten, wie wichtig es in diesen Zeiten des Coronavirus ist, zu Hause zu bleiben und die Quarantäne zu respektieren. Innerhalb weniger Tage wurde dieses kurze Musikvideo viral, nicht nur in WhatsApp-Chats, sozialen Netzwerken und den Berichten populärer Influencer, sondern auch über die Grenzen hinaus. Ihre zarte und melodische Stimme inspirierte sogar den Stadtrat der Hauptstadt eines Nachbarlandes, der das Video teilte, um die Bevölkerung dazu zu bewegen, zu Hause zu bleiben.

Aber so wie Almudenas Video harmloses Material mit einer verantwortungsvollen und durchsetzungsstarken Botschaft enthielt, so sehen wir im digitalen Raum ebenso schnell Inhalte zirkulieren, die die öffentliche Gesundheit und den guten Glauben der Menschen bedrohen. COVID-19 ist eine Pandemie, die die Welt einer Realität ausgesetzt hat, die über die Fiktion hinausgeht. Isolation, die Allgegenwärtigkeit des Todes und Gefühle von Angst, Qual und Furcht lassen uns verletzlich fühlen. Niemand hätte sich vorstellen können, dass unser Leben innerhalb weniger Tage eine so plötzliche und extreme Wende nehmen würde. Außerdem unterscheidet das Virus nicht zwischen Rasse, Nationalität, Geschlecht, Alter oder sozialem Status, obwohl die am stärksten gefährdeten Personen auch am häufigsten betroffen sind. Wir alle spüren dieses Klima der Ungewissheit, und leider ist es das günstigste Umfeld für die Verbreitung von Nachrichten und Fake News, die an unsere emotionale Seite und nicht unseren Verstand appellieren und uns dazu verleiten, ihre Denkweisen zu übernehmen oder auf eine bestimmte Weise zu handeln.

Mit gefälschten oder falschen Nachrichten sollen Informationen verbreitet werden, die zwar nicht echt, aber zumindest plausibel und glaubwürdig sind. Ihre Absicht ist es, die Handlungen und Gedanken von Einzelpersonen zu manipulieren und eine Atmosphäre der Angst und Panik zu erzeugen, die Vernunft und unser kritisches Urteilsvermögen blockiert. Die Fälle sind zahlreich und werden im digitalen Zeitalter immer häufiger. Gerade in Zeiten von Wahlen, in denen diese Art von Nachrichten dazu neigt, sich zu verbreiten, um den Gegner zu disqualifizieren, Personen zu überzeugen und die Wahl zu manipulieren. Gefälschte Nachrichten können deshalb sogar eine Regierung destabilisieren und die Demokratie in Gefahr bringen.

Im Gegensatz zu COVID-19 implizieren Desinformation und Fake News andere Arten von Risiken, die die Integrität des Einzelnen und den sozialen Zusammenhalt untergraben und die Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit beeinträchtigen. Wenn Informationen eintreffen, die nicht der Wahrheit entsprechen, geschieht in der Regel Folgendes: a) die Fähigkeit des Einzelnen, gute Entscheidungen zu treffen, wird blockiert, b) es entsteht Misstrauen gegenüber den von den Behörden durchgeführten Maßnahmen, c) die Regierung, die Medien und die offiziellen Stellen werden hinterfragt, d) in der Bevölkerung entsteht ein Widerspruch, weil sie nicht weiß, wem sie glauben soll, e) die Panik wird verschärft und, was noch schlimmer ist, f) die Gesundheit und Sicherheit des Einzelnen wird gefährdet. Desinformation ist zwar hauptsächlich durch politische oder kommerzielle Interessen motiviert, aber in der aktuellen Situation verschlimmert sie auch die gegenwärtige Gesundheitskrise.

Italien und Spanien sind die europäischen Länder, die am stärksten vom COVID-19 betroffen sind. Desinformation und Fake News haben sich auf dem Kontinent in einem solchen Ausmaß verbreitet, dass die Europäische Kommission beschloss, eine Web-Plattform zu schaffen, um die schädlichen Auswirkungen einzudämmen und die Unwahrheiten aufzuklären, die über das Coronavirus verbreitet wurden. Ebenso ist der Chatbot der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein hervorragender Online-Kanal, um herauszufinden, welche Falschmeldungen zirkulieren.

Das International Fact-Finding Network (IFCN) hatte bis Ende März mehr als 1.500 Fälle von Online-Täuschung und Falschdarstellung aus 61 Nationen identifiziert, wodurch sich die Zahl in nur einer Woche verdoppelte. Die Tendenz ist steigend, was in direktem Verhältnis zum raschen Anstieg der Infektionsfälle rund um den Globus zu stehen scheint.

Kürzlich starben 300 Menschen im Iran an den Folgen einer Methanolvergiftung, welche durch ein gefälschtes Heilmittel hervorgerufen wurde, das über soziale Netzwerke verbreitet wurde. Im selben Zusammenhang gibt es verschiedene Haus- oder Naturheilmittel, die in den Netzwerken viralisiert werden, obgleich ihre Wirksamkeit durch keinerlei medizinische Studien gestützt wird. Dasselbe geschieht mit Informationen über Impfstoffe, Masken oder die Herkunft des Virus und seine Verbreitung. Verschwörungstheorien und Informationen werden in verschiedener Form und mit falschen Daten verbreitet, so dass die Ursache von COVID-19 mal mit der 5G-Technologie, mal mit Migranten zusammenhängt. Auf diese Weise werden Alarm, Aggression und Panik in der Bevölkerung ausgelöst.

Das Dramatische an all dem ist, dass eine jüngste Studie von Kaspersky zeigt, dass in Lateinamerika 70 % der Bevölkerung nicht erkennen, wann eine Nachricht falsch ist, und noch schlimmer: 16 % wissen nicht, was das bedeutet. Es ist sehr besorgniserregend für unsere Region aufgrund der schädlichen Auswirkungen, die Desinformation und ihre Viralisierung auf den Einzelnen und sein Umfeld haben können; dies zeigt die Notwendigkeit, das Bewusstsein für diese Fragen zu schärfen.

Es besteht kein Zweifel, dass das Internet die Menschheit im Angesicht der Krise gerettet hat. Ohne dieses leistungsfähige Instrument wären wir völlig unfähig gewesen, unsere Rechte und Freiheiten online auszuüben und unser tägliches Leben offline fortzusetzen. Es ist daher sehr wichtig, dass die Bürger im digitalen Umfeld verantwortungsbewusst handeln.

Angesichts von Desinformation und Fake News ist es die Pflicht des Einzelnen, den Autor, die Quelle, die Website, das Datum zu überprüfen und die Fakten mit Medienberichten und den Aussagen der offiziellen Stellen zu vergleichen, um die Wahrheit und Qualität der Informationen zu bestimmen. Fake News müssen, wie ich immer gesagt habe, mit verschiedenen Mitteln bekämpft werden, aber das verantwortliche Handeln des digitalen Bürgers ist entscheidend, um die Spirale der Verbreitung und Desinformation zu stoppen.

In den letzten Wochen gab es auch konkrete Aktionen von Seiten der Technologiekonzerne. WhatsApp hat begrenzte Weiterleitungen eingeführt, die jeweils nur einen Chat zur gleichen Zeit erlauben; Facebook wird diejenigen benachrichtigen, die Fake News kommentieren oder auf diese reagieren; und YouTube hat angekündigt, dass es Informationsposter zur Bekämpfung dieser Art von Informationen verwenden wird, zusätzlich zu einer bedeutenden Spende von 1 Million Dollar an die IFCN für diesen Zweck. Natürlich wird es immer noch viel mehr zu tun geben, wenn man die Bedeutung und die Zeit bedenkt, die heute für soziale Medien aufgewendet wird.

Von Seiten der Regierungen ist es in dieser Krise unerlässlich, eine konstante offizielle Informationsquelle zu sein, nicht nur durch Pressekonferenzen, wie dies in einigen Ländern oft zu beobachten ist, sondern durch die Ermöglichung von Online-Informationskanälen mit aktuellen, zeitnahen, unparteiischen und wahrheitsgemäßen Daten. Ebenso bedarf es der Warnung vor den Täuschungen und Unwahrheiten, die im Netz kursieren. Es braucht also eine kollektive und koordinierte Anstrengung, um mit dieser globalen Pandemie so effizient wie möglich umzugehen.

Ansprechpartner

Alixenia López

Alixenia Lòpez

Projektkoordinatorin

alixenia.lopez@kas.de +507 387 4474

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.