KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

Dialog UR |Coronavirus: Gesundheit und Wirtschaft suchen einen gemeinsamen Weg

Am 28. Mai hat die KAS Kolumbien gemeinsam mit der Universidad del Rosario und der Tageszeitung „El Tiempo“ das Online-Event zum Thema “Coronavirus: Salud y economía buscan una misma salida“ (Gesundheit und Wirtschaft suchen einen gemeinsamen Weg) veranstaltet.

Dabei sollte das angebliche Dilemma untersucht werden, wie die Gesundheit der Bevölkerung in der momentanen Krise geschützt werden kann, ohne dabei die Wirtschaft des Landes zu gefährden; ein Problem das zurzeit in der öffentlichen Meinung eine große Rolle spielt. Die Veranstaltung wurde auf verschiedenen Internet-Plattformen übertragen und erreichte alleine in YouTube mehr als 5.000 Besucher.

An der Debatte nahmen teil der Dekan der Schule für Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universidad del Rosario, Gustavo Quintero; der Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät derselben Universität, Carlos Sepúlveda sowie der Direktor der Abteilung „Lateinamerika und Karibik“ der OECD, Sebastián Nieto.

In seinen Eröffnungsworten betonte der Rektor der Universidad del Rosario, Alejandro Cheyne die Bemühungen der Universität bei der Bekämpfung des Covid-19. Der Repräsentant der KAS Kolumbien, Stefan Reith hob die Vorteile der Digitalisierung solcher Veranstaltungen hervor, die auch eine Ausstrahlung in die entlegenen Regionen des Landes erlaubten. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Lösung der momentanen Krise nicht darin bestehen könne eine Entscheidung zwischen der Gesundheit der Bevölkerung und der Erhaltung der Wirtschaft zu treffen, wie es in der Öffentlichkeit oft dargestellt werde, sondern Kompromisse mit den verschiedenen Sektoren der Gesellschaft zu finden.    

Im ersten Teil der Debatte stimmten Gustavo Quintero und Carlos Sepúlveda darin überein, dass das angebliche Dilemma zwischen Gesundheit und Wirtschaft entscheiden zu müssen, nicht existiere; beide Sektoren seien stark miteinander verbunden. Quintero erklärte, dass das Konzept der Gesundheit der Bevölkerung eine Vielzahl von Faktoren umfasse, wobei das wirtschaftliche Wohlergehen eine wichtige Stellung einnehme. Sepúlveda gab zu, dass die Entscheidungen beim Umgang mit der Krise Spannungen und wirtschaftliche Opfer mit sich bringen, da sie zum Beispiel eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit und ein geringeres Wachstum des Bruttosozialprodukts zur Folge haben, dies jedoch nicht zu einer grundsätzlichen Spaltung führen müsse.

Laut Quintero seien die bisher von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zwar angebracht gewesen, jedoch habe es anfänglich bei den Verantwortlichen an der nötigen Entscheidungskraft gefehlt. Hinzu komme die Schwäche des kolumbianischen Gesundheitssystems, vor allem in den entlegeneren Regionen des Landes. Auch halte er es für gefährlich, die Wirtschaft zu reaktivieren, während die Zahl der Infizierten noch weiter ansteige. Gleichzeitig gehe man bei der Entscheidungsfindung von zutreffenden Indikatoren aus. Sepúlveda bezeichnete die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise als besorgniserregend: 1,6 Millionen Arbeitsplätze seien verlorengegangen, während Produktion und Konsum einen Einbruch erlitten haben und die Verschuldung gestiegen sei. Auch er hielt die Maßnahmen der Regierung für richtig, jedoch seien sie verspätet umgesetzt worden.   

Abschließend betonten die Panelisten, dass es in der Verantwortung jedes Einzelnen liege, sich selbst zu schützen, um so die Verbreitung des Virus einzudämmen. Es handele sich dabei um relativ einfache Vorsichtsmaßnahmen und die Selbstdisziplin sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich sei unabdingbar, um die Folgen der Krise für Gesundheit und Wirtschaft einzudämmen.  

Im zweiten Panel hob Sebastián Nieto von der OECD den globalen Charakter der Krise hervor; dabei seien Kooperation und Koordination auf internationaler Ebene gute Voraussetzungen die momentane Situation zu überwinden. Nach Beendigung der Krise könnte ein neues Entwicklungsmodell vonnöten sein, das von der OECD als “Globaler Marshallplan“ bezeichnet werde. Mit einem entsprechenden Finanzpaket könne die Verschuldung von Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen abgefangen werden kann.  

In Bezug auf Kolumbien lobte er die bisher ergriffenen Maßnahmen, jedoch müsse nun auch eine mittelfristige Planung unter Berücksichtigung des durch die Pandemie hervorgerufenen Wandels in Betracht gezogen werden. Bezüglich des angesprochenen Dilemmas zwischen Gesundheit und Wirtschaft, sehe man in der OECD keine Unvereinbarkeit; seiner Meinung nach sei es problematischer den Einbruch des Bruttosozialprodukts und das Wohlergehen der Bevölkerung in Einklang zu bringen. Daher solle momentan die Aufmerksamkeit mehr auf die Wohlstandsindikatoren gelenkt werden. In diesem Zusammenhang müsse Kolumbien vor allem in drei Bereichen Verbesserungen erzielen: erstens sollten die Steuereinnahmen durch ein progressives Steuersystem erhöht werden, das Unternehmensgründungen erleichtere und die Steuerflucht mindere, zweitens müsse das Systems der sozialen Sicherheit gefördert und die Anzahl der informellen Arbeitsverhältnisse vermindert werden und drittens sollte sich das Land entscheiden, welches Modell zur produktiven Entwicklung es anstrebe.   

 

Ansprechpartner

María Paula León

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