Veranstaltungsberichte

Die Digitale Transformation der Transnationalen Organisierten Kriminalität

Bericht zur ADELA Digital-Konferenz

Der folgende Bericht fasst die ADELA Digital- Konferenz vom 24.06.2020 mit dem Thema "Die Digitale Transformation der Transnationalen Organisierten Kriminalität" zusammen.

Alejo Campos

Regionaldirektor für Lateinamerika, die Karibik und die Bermudas für Crime Stoppers

Víctor Hugo Guerra

Juristischer Direktor für Lateinamerika und Kanada zum Schutz vor illegalem Handel, Philip Morris International

 

Die Transnationale Organisierte Kriminalität hat Wege gefunden, ihre illegalen Aktivitäten trotz der Pandemie weiter voranzutreiben: Wie haben sich kriminelle Gruppen auf Corona-Krise eingestellt? Inwiefern haben sie sich die Bedürfnisse der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen zunutze gemacht? Welche Sektoren sind am stärksten betroffen? Und wie reagieren die Sicherheitsbehörden?

Insbesondere in der aktuellen Situation, welche durch die COVID-19 Pandemie geprägt ist, haben Länder, Gesellschaften, Unternehmen und Menschen das Bedürfnis, auf neue Arten und Weisen miteinander in Kontakt zu treten. Aus diesem Grund entstehen im Rahmen der digitalen Transformation in immer größerem Umfang und mit immer schnellerer Geschwindigkeit neue E-Commerce-Plattformen, soziale Netzwerke, Webseiten und andere digitale Tools. Auch die Transnationale Kriminalität hat diesen Übergang effizient und effektiv bewältigt, indem sie sich auf digitale Kriminalität verlagert hat oder sich digitale Technologien zunutze macht.

Ihre kriminellen Aktivitäten beinhalten nun Cyberangriffe, die Infiltration sozialer Netzwerke, digitalen Betrug, Handel mit elektronischen oder digitalen Währungen und die Rekrutierung von IT-Spezialisten. Die Transnationale Organisierte Kriminalität das Dark Net verlassen und sich im transparenten Netz angesiedelt. Dieses kann sie ohne große Einschränkungen nutzen, da die Sicherheitsbehörden bislang nur über begrenzte Ressourcen verfügen. Die Schnelligkeit, mit der sich diese Gruppen verändern können, hat es zudem erschwert, ihrer habhaft zu werden. In vielen Fällen lassen sich Spuren nur schwer zurückverfolgen, weswegen die Gruppen oftmals nicht auffindbar sind.

Staatliche, internationale, öffentlich-private, zivilgesellschaftliche und bürgerliche Organisationen müssen daher zusammenkommen, um diesen Bedrohungen zu begegnen. Aus diesem Grund suchen Alejo Campos und seine Organisation Crime Stoppers Formen der Kooperation, um grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen, welche die gesamte Gesellschaft infiltriert. Ihre Plattform tupista.org ist mit den staatlichen Sicherheitsbehörden verlinkt sowie sicher und anonym, so dass jeder sie sicher und ohne Bedenken nutzen kann, um sich über Transnationale Kriminalität zu informieren.

Die Entwicklung von digitalen Technologien wurde in der Vergangenheit sehr offen und mit wenigen Einschränkungen vorangetrieben. Mittlerweile können wir jedoch auch erkennen, dass diese Technologien nicht nur viele Vorteile besitzen, sondern auch gewisse Nachteile. Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, wie einfach Transnationale Kriminelle Organisationen digitale Technologien für illegale Zwecke  nutzen können, da es an Regulierungen und Kontrolle mangelt. Es ist daher an der Zeit, wirksame Regelungen gegen den illegalen Gebrauch zu entwickeln. Ein Beispiel dafür sind die Maßnahmen von Facebook und Instagram, welche die Inhalte in ihren Netzwerken in Bezug auf Alkohol, Tabak und elektronische Zigaretten stärker enischränken.

Die Aufklärung der Verbraucher ist ein weiterer Weg, um illegalen Handel und Schmuggel zu stoppen, welche einen großen Bestandteil der Transnationalen Kriminalität ausmachen. Es muss darüber informiert werden, dass diese Organisationen illegalen Handel nutzen, um ihre illegalen Geschäfte zu diversifizieren, zu welchen Fälschung, Erpressung, Entführung, Waffen- und Drogenhandel und Menschenhandel zählen.

Das Organisierte Verbrechen infiltriert alle Bereiche der Gesellschaft und verursacht Schäden vieler Art, von Korruption in den Regierungen bis hin zu Schäden für individuelle Bürger. Mit ihrer Vorgehensweise nutzen sie außerdem die Notlage kleiner oder mittlerer Unternehmen aus, um diese in kriminelle Aktivitäten zu verwickeln. Victor Hugo Guerra und Alejo Campos waren sich daher einig, dass Maßnahmen gegen diese Strukturen öffentlich bekannt gemacht werden müssen, um über Vorschriften und Regulierungen aufzuklären und illegalen Anbietern Auswege aufzuzeigen.

COVID-19 beeinträchtigt die Einhaltung der SDG und der Agenda 2030. Aus diesem Grund ist die Bevölkerung derzeit noch stärker gefährdet von verbrecherischen Organisationen in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu werden. Im Allgemeinen profitieren diese Organisationen von hohen Gewinnen, Unterschieden in Preis und Steuern, unzureichenden Kontrollen und Gesetzen, agilen globalen Vertriebskanälen, ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Mangel an Informationen und / oder Bildung. Dadurch verfügen sie oft über große Macht und Einfluss. Es hat sich gezeigt, dass Vorschriften und Kontrollen auf den Märkten bessere als Verbote funktioniert haben, da Vorschriften den verantwortungsvollen Handel fördern, wohingegen Verbote häufig dazu führen, dass gesetzeswidrige Alternativen gesucht werden. https://unsdg.un.org/sites/default/files/2020-03/SG-Report-Socio-Economic-Impact-of-Covid19.pdf  

Eine weitere Alternative, um Marktplätze besser zu sichern, ist der Markenschutz. Ein Beispiel dafür ist Project Zero, Amazons jüngste Initiative zur Bekämpfung von gefälschten Produkten, die auf der Website des Unternehmens verkauft werden. Nach der Genehmigung können Marken, die dem Projekt Zero beitreten, gefälschte Produktangebote direkt von ihrer Online-Website entfernen. In ähnlicher Weise finden sich auch auf anderen Marktplätzen wie Alibaba und Mercado Libre sogenannte AAA-Zertifikate, die vor Fälschungen schützen sollen. Zu den internationalen Gremien, die den Handel unterstützen, gehören die Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht, die Welthandelsorganisation sowie die Internationale Organisation für geistiges Eigentum WIPO.

Schließlich lauten die Empfehlungen für Handel und Verbraucher: Kenntnis des Unternehmens und seiner Akteure, effiziente Regulierung, keine Verbote, öffentlich-private Partnerschaften, Verbraucher- und Nutzererziehung, Einbeziehung und Transparenz sowie internationale Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten Akteuren.

Die ADELA Digital-Konferenz kann auf den @kas_adela und @KAS_Panama Kanälen bei Facebook, Twitter, Instagram und YouTube verfolgt werden.

 

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Von:

Yadira Gratacós

 Projektkoordinatorin

Ansprechpartner

Yadira Elizabeth Gratacós Reyes

Yadira Grataços

Projektkoordinatorin

yadira.gratacos@kas.de +507 387 4475

Über diese Reihe

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