Veranstaltungsberichte

DIGITALE KOMMUNIKATION IN KRISENZEITEN

Am Freitag, dem 29. Mai hielt der spanische Experte Carlos Gutiérrez einen Vortrag zum Thema “Digitale Kommunikation in Krisenzeiten“, die gleichzeitig als Einführung in das dritte Modul des Internetkurses “Politische Kommunikation in Krisenzeiten“ diente, der von der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien und dem Politischen Analyse- und Trainingszentrum CAEP in Medellín durchgeführt wird.
Comunicación digital en tiempos de crisis KAS Colombia
Comunicación digital en tiempos de crisis

Zu Beginn seiner Präsentation stellte Gutiérrez fest, dass momentan weltweit eine soziale Unzufriedenheit und Kritik am Umgang der staatlichen Institutionen mit der Corona-Krise herrsche. Daher müsse man sich fragen, wie man mithilfe der politischen Kommunikation in digitalen Medien reagieren solle, um effizient mit der Bevölkerung in Kontakt zu bleiben. Zunächst müsse die Regierung immer eine vertrauenswürdige Informationquelle darstellen. Die soziale Netzwerke sammelten in grosem Umfang persönliche Daten, sei es durch die Beobachtung der Likes oder die Teilnahme an speziellen Spielen (gaming), es werde jede Aktivität der Nutzer, deren Interessen registriert und als “Big Data“ gespeichert. Gutiérrez sieht die positive Seite von „Big Data“ darin, dass die Regierungen die gesammlten Daten dazu nutzen können, spezifischer auf die Bedürfnissse der einzlenen Bürger einzugehen. Im Krisenfall könnten dadurch die am meisten betroffenen Bevölkerungsgruppen schneller identifiziert und entsprechende Kampagnen zur Sensibilisierung spezifischer eingesetzt werden. Eine präzise und direkte Kommunikation könne eher das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen vermitteln.  

Gutiérrez bestätigte, dass viele Politiker die aktuelle Corona-Krise genutzt hätten, um ihre Popularität zu erhöhen, indem sie zum Beispiel ihre politischen Strategien und Erfolge bei der Bewältigung der Krise auf Twitter veröffentlichten. Ausserdem wollten die meisten Regierenden ihre Aktionen durch die sozialen Medien legitimieren und Massnahmen durchsetzen um das Verhalten der Bevölkerung zu beeinflussen. Je nach der politischen Kultur des Landes werden dabei unterschiedliche Mittel eingesetzt. In Beantwortung einer Zuschauerfrage meinte Gutiérrez, dass Applikationen wie TikToc durchaus parallel zur offiziellen Kommunikation eingesetzt werden könnten, um zum Beispiel auf spielerische Art Empfehlungen zur Gesundheitsvorsorge zu vermitteln, vor allem für das jüngere Publikum. Im Fall von Gemeinden in entlegeneren Regionen des Landes mit wenig Internetverbindungen, sollte auf traditionelle Medien wie Radio, Fernsehen oder Lautpsrecheransagen zurückgegriffen werden.  

Hinsichtlich der Verbreitung von “Fake News” empfahl Gutiérrez die Nutzer besser aufzuklären, damit sie lernten verdächtige Nachrichten zu erkennen und durch Plattformen wie “Fact Checking” auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Angesichts der momentanen Politikmüdigkeit sollte man das Prinzip anwenden “über Politik zu sprechen ohne über  Politik zu sprechen“ und versuchen eine Kommunikation in beide Richtungen zwischen Politkern und Gesellschaft zu erreichen.  

Bezugnehmend auf die jüngsten Anschuldigungen Donald Trumps gegen Twitter wegen der angeblichen Zensur seiner Posts, ging Gutiérrez auf die problematische Abgrenzung zwischen Meinungsfreiheit und deren Grenzen in den sozialen Netzwerken ein; dabei betonte er auch, dass es immer Kritiker oder von der Opposition finanzierte „Trolls“ geben werde, egal ob die Regierung Fehler in ihrer Kommunikation begehe oder nicht. Politiker befänden sich heute in einem permanenten Wahlkampf im Netz und das geringste Anzeichen fehlender Transparenz könne sie die Glaubwürdigkeit der Bürger kosten.

Der Experte bestätigte, dass der kolumbianische Präsident Iván Duque in der Coronokrise seine digitale Kommunikation und Präsenz in den sozialen Medien bedeutend verstärkt habe, was sein Ansehen in der Bevölkerung erhöht und gleichzeitig auch eine grosse professionelle Herausforderung für sein Team dargestellt habe. Abschliessend betonte Gutiérrez, dass in der Kommunikation zwischen Politik, staatlichen Institutionen und der Gesellschaft immer das Wohlergehen der Bevölkerung Vorrang habe müsse.    

Über diese Reihe

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