KAS Kroatien

Veranstaltungsberichte

Erziehung der Bürger für Demokratie

von Marko Prusina

Internationales Symposium

Die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete gemeinsam mit der Abteilung für Philosophie der Universität Zadarm vom 16. bis 17. Mai 2019 ein Symposium zum Thema "Erziehung der Bürger für Demokratie". Unter Beteiligung des Vize-Rektors der Universität Zadar Prof. Dr. Slaven Zjalić und des Leiters des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajewo Sven Petke diskutierte Prof. Dr. Jure Zovko mit dem Abgeordneten im kroatischen Parlament und Abteilungsleiter für Philosophie der Universität Zadar Dr. Marko Vučetić und anderen Vertreter der Universitäten aus der Region über die Grundlagen der Demokratie sowie über die Förderung des Bürgerengagements in den politischen Entscheidungsprozessen.

Das diesjährige Symposium zum Thema "Erziehung der Bürger für Demokratie" war eine vielseitige Veranstaltung sowie über die Grundlagen der Demokratie als auch über ihre Bedeutung für moderne Gesellschaften und deren Zukunft. Die versammelten Gäste und eine Anzahl von Studenten der Universität Zadar hatten die Gelegenheit von Professoren der Universität Zadar, der Universität Zagreb und der Universitäten aus der Region sowie von dem Leiter des KAS-Auslandsbüros in Sarajewo, Herrn Sven Petke über demokratische Prozesse, Vergangenheitsbewältigung, politische Bildung, praktische Erfahrungen mit der Politik aus Kroatien, Demokratieförderung und das politische System in Bosnien und Herzegowina aber auch über die Vorstellung von Demokratie der Studierenden zu hören.

Die Teilnehmer stellten fest, dass es bezüglich der demokratischen Entwicklung der Länder in der Region noch viele Hindernisse gebe, die zu bewältigen seien. Man sei der Meinung, dass man beim Transformationsprozess viel von Ländern, die solch ein Prozess hinter sich haben, lernen könne. Dies gelte insbesondere bei jungen Ländern der Region, die jahrelang unter dem sozialistischen Regime standen und den demokratischen Wandel schaffen möchten. Diese Länder können im Hinblick auf die Gestaltung einer demokratischen und europäischen Zukunft sehr viel von den Erfahrungen aus Deutschland vor und nach der Wiedervereinigung profitieren. Dabei spiele allerdings die politische Bildung der Bürger und deren Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen eine entscheidende Rolle.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten der Vizerektor der Universität Zadar, Prof. Dr. Dražen Zjalić, Prof. Dr. Jure Zovko und Dr. Marko Vučetić von der Abteilung für Philosophie alle Anwesenden und betonten die Bedeutung dieses Themas für Kroatien als auch andere Länder in der Umgebung. Der Leiter des KAS-Auslandsbüros in Zagreb, Herr Holger Haibach zeigte sich besorgt, den die EU befinde sich in schwierigen Zeiten, gerade vor der Europawahl. Populismus und Nationalismus würden zu nehmen und die gesamte europäische Idee sei umstritten. Deshalb sei es wichtig informierte Wähler und eine zivile Ausbildung zu haben, die den Menschen helfen würde, mit der Qualität der erhaltenen Informationen umzugehen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dr. Vučetić erläuterte, dass seine Aufgabe in der Gesellschaft und im Parlament sei, die Idee zu verbreiten, dass uns nur die Demokratisierung befreien könne, aber man dürfe sie jedoch nicht als Religion angesehen, sondern sie müsse dank unserer Bemühungen immer wieder herausgespielt werden. Der Professor von der Pädagogischen Fakultät der Universität Zagreb, Dr. Alan Labus sprach über das kroatische Bildungssystem und die Darstellung der kroatischen Geschichte in Bezug auf die beiden (kommunistisches und faschistisches) Regime in den Geschichtsbüchern. Eine ungleiche Darstellung beider Regime würde, seiner Meinung nach, die jungen Generationen beeinflussen und eine noch größere Spaltung in der Gesellschaft verursachen. Das historische Erbe belaste heutzutage stark die politische Realität, die zwischenmenschlichen Beziehungen und selbst die Familien in Kroatien. Der Geist der totalitären und autokratischen Regime lebe weiterhin in der kroatischen Gesellschaft und ohne eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit werde es keine Wiedergenesung des kroatischen Volkes geben, so Labus. Daraufhin folgte der Vortrag der Professorin, Dr. Iris Tićac von der Universität Zadar über das Ethos der Demokratie. Sie fokussierte sich auf die Förderung der akademischen Ehrlichkeit bzw. der Gestaltung der Kultur und des Ethos der akademischen Integrität und bemerkte dabei einen Unterschied. Während die bisherigen Forschungen die akademische Integrität aus der Perspektive von Studenten erörterten würden, betonen die neuen Forschungen die Bedeutung von Erziehung und Bildung.

Prof. Dr. Milan Sitarski vom Institut für Föderalismus aus Mostar berichtete über die politische und gesellschaftliche Lage in Bosnien und Herzegowina sowie über das komplizierte politische System und die Asymmetrie der territorialen Organisation des Landes. In seinem Vortrag beschrieb er die wichtigsten politischen Institutionen und Entscheidungsträger. Zudem richtete er seine Aufmerksamkeit der Lage der drei Entitäten und deren Rechte in der politischen Mitentscheidung. Dr. Dejan Vanjek von der Universität Mostar und Sarajewo schloss sich seinem Kollegen aus Mostar an und erklärte den Kern und die Bestandteile des Föderalismus sowie die Bedeutung und Stärke der Abkommen/Verträge für die Sicherheit solch eines staatlichen Organisationsprinzips. Dabei ging er in das Verhältnis von Demokratie und der politisch-gesellschaftlichen Struktur „Föderalismus“ ein, indem er in den Mittelpunkt die Vorteile des Föderalismus für die Demokratie, wie etwa staatliche Sicherheit, Wirtschaftswachstum, Freiheiten, Gewaltenteilung usw., darstellte.

Über die 30-jährigen Erfahrungen mit Föderalismus im wiedervereinigten Deutschland sprach der Leiter des KAS-Auslandsbüros, Herr Sven Petke. In seinem Vortrag beschrieb er die Ursachen, bzw. die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse, die zur Wiedervereinigung Deutschlands beitrugen. Anschließend beschrieb er das entstandene föderale Systems in Deutschland, wo er die Aufgabenverteilung, bzw. die Gewaltenteilung auf lokaler (Bundesländer) und nationaler Ebene (Bundesrepublik Deutschland), ausführlicher beschrieb und die dabei entstehenden Verhältnisse unter die Lupe nahm.

Am Ende Veranstaltung hinterfragte sich Prof. Dr. Jure Zovko, wie wir am Prozess der Kultivierung der eigenen Persönlichkeit arbeiten können, um uns ernsthaft am Prozess der deliberativen Demokratie zu beteiligen, umsichtige Entscheidungen bei demokratischen Wahlen zu treffen und uns an demokratischen Entscheidungsprozessen zu engagieren. Für ihn sei die Kultivierung des Geistes in Bezug auf die Beurteilung besonders wichtig und bedeutsam im Prozess der Erlangung von Freiheit als Grundwert einer modernen demokratischen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang erfasste er auch die Herausforderungen der Pressefreiheit in Kroatien. Ihm zufolge stehen die Medien in Kroatien weiterhin unter großem Einfluss ehemaliger politischer (kommunistischer) Strukturen. Laut Prof. Dr. Zovko seien nicht nur Medien von diesen externen Einflüssen betroffen, sondern auch die Bildungseinrichtungen was den demokratischen Weg des Landes erschwert. Als eine andere Herausforderung für die kroatische Gesellschaft stellte er die Vergangenheitsbewältigung bzw. Aufarbeitung der Vergangenheit in den Fokus, denn niemand habe für die 45-jährige kommunistische Diktatur bis heute Verantwortung getragen. Dies und viele andere historische und derzeitige Phänomene hätten negative Konsequenzen auf die Entwicklung der Demokratie in Kroatien gehabt. 
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Holger Haibach

Holger Haibach

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