Silke Schmitt

Veranstaltungsberichte

Europa am Scheideweg.

von Silke Schmitt

Chancen und Risiken für ein großes politisches Projekt.

Europa am Scheideweg – so lautete der Titel unserer Online-Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Universität in Perugia am 14. Mai 2020. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Politische Soziologie“ diskutierten über 100 Studenten mit Prof. Piero Dominici, Direktor des "Complexity Education Project" der Universität Perugia und Dozent an der Fakultät für Sozialwissenschaften, Prof. Markus Krienke, Professor für Geschichte der modernen Philosophie und für Sozialethik an der Universität in Lugano, Michele Gerace, Gründer der "Schule der Komplexität" und Ideengeber für diese Initiative.
Europa am Scheideweg Silke Schmitt
Europa am Scheideweg

Europa am Scheideweg – so lautete der Titel unserer Online-Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Universität in Perugia am 14. Mai 2020. Im Rahmen der Vorlesungsreihe „Politische Soziologie“ diskutierten über 100 Studenten mit Prof. Piero Dominici, Direktor des "Complexity Education Project" der Universität Perugia und Dozent an der Fakultät für Sozialwissenschaften, Prof. Markus Krienke, Professor für Geschichte der modernen Philosophie und für Sozialethik an der Universität in Lugano, Michele Gerace, Gründer der "Schule der Komplexität" und Ideengeber für diese  Initiative. 

Das deutsch-italienische Verhältnis scheint vor allem in der Corona-Krise durch Fehlinformationen und das Aufwärmen alter Klischees belastet. Laut einer Studie äußern sich nur 26 Prozent der befragten Italiener positiv über Deutschland – trotz der geleisteten Hilfe in der Krise, so Prof. Krienke. Als „Freunde“ geben die Mehrheit der Befragten China und Russland an, so Krienke. 

Liegt dies an einer generellen Disinformation durch die Medien – so die Frage einer Studentin. Nach Einschätzung von Prof. Markus Krienke leben wir generell in einer Art „Bubblefilter“. Durch die Informationsflut die jeden Tag auf uns einströmt, werden vorab Nachrichten per Algorithmus gefiltert. Hier sei eine „Informationskultur“ gefragt, sich jeder einzelne aneignen müsse, so Krienke. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sich eine generelle Entfremdung der Völker in Europa einschleiche, da man sich nicht mehr intensiv mit dem Partner beschäftige. 

Während man noch vor Jahren geglaubt habe, das Internet könne die Demokratie positiv unterstützen (siehe arabischer Frühling), sehe man heute, dass das Netz u.a. durch das gezielte Einspeisen von Fake-News zu einem "Demokratiegegner" geworden sei. Der Einfluss Russlands in den sozialen Medien sei ein Beispiel dafür. Es zeige sich, so Krienke, dass sich „Antidemokratische Kräfte in der Coronakrise verstärkt hätten“. Die Demonstrationen gegen die Maßnahmen der deutschen Regierung zur Bekämpfung der Pandemie seien ein Zeichen dafür. 

Nach Einschätzung von Michele Gerace geht es hier vor allem um das Thema „Intelligenz versus Information“. Es sei einfacher geworden, zu täuschen. Er sieht das Problem weniger in den Fake-News sondern vielmehr in den „Halbwahrheiten“, die viel schwerer zu widerlegen seien. Disinformation falle auf fruchtbaren Boden, wo Simplifikationen für komplexe Sachverhalte ersetzen und die Verbindung von Intelligenz und Information geschwächt sei, so Gerace.

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