KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

Herausforderungen und Chancen der Integration von Migranten

Analyse und Empfehlungen für Bogotá, Medellín und Barranquilla - Mesas Bogotá

Am 3. und 10. März fanden an der Universidad del Rosario Expertenrunden statt, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Observatorio de Venezuela organisiert wurden und an denen Mitglieder des akademischen Sektors, Nichtregierungsorganisationen und Einrichtungen der Bezirksregierung teilnahmen. Dabei wurde über die Herausforderungen diskutiert denen sich die lokalen Institutionen bei der Integration der zugewanderten Bevölkerung aus Venezuela gegenübersehen, sowie mögliche Maßnahmen und Empfehlungen, die als Inputs dienen sollen, um die Migration in die Gestaltung des Entwicklungsplans von Bogotá 2020-2023 einzubeziehen.

Was die Herausforderungen im Umgang mit der Migration betrifft, so betonten die Teilnehmer, dass es eines der größten Probleme sei, öffentliche Mittel für die Bewältigung der Migration bereitzustellen. So sehen sie in der Bearbeitung und Verabschiedung der diesjährigen Entwicklungspläne eine Möglichkeit für die Regionalregierungen, vor allem in Bogotá, das Thema auf ihre Regierungsagenda zu setzen und es zu entwickeln, ohne befürchten zu müssen, dass sie sich wegen unzulässiger Zuweisung öffentlicher Ressourcen strafbar machen.

In diesem Zusammenhang betonten sie die Notwendigkeit, die "Migrationsdimension" in diese Pläne einzubeziehen, so dass die Zuweisung von Haushaltsmitteln für öffentliche Maßnahmen in diesem Bereich ermöglicht wird. Auf diese Weise könnte jedes Sekretariat mit seinen jeweiligen Zuständigkeiten die Verantwortung für das Thema übernehmen und es angehen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Notwendigkeit erwähnt, Partizipationsräume zu schaffen, damit Migranten Einfluss auf die Formulierung von Maßnahmen nehmen können, die ihnen nützen würden.

Eine weitere große Herausforderung sei die fehlende Identifikation der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang schlugen die Experten vor, die Voraussetzungen für den Zugang zu Rechten und Pflege zu flexibilisieren. Als kurzfristige Lösung sollten daher die Transithaushalte gestärkt und als langfristige Maßnahme feste Kontingente an öffentlichen Dienstleistungen für Migranten gewährleistet werden.

Ebenso betonten Mitglieder von NGOs und Einrichtungen, die schnelle und humanitäre Hilfe anbieten, dass der Mangel an Informationen über den Weg des Migranten, verbunden mit seiner hohen Mobilität, es schwierig macht, Dienstleistungen zu erbringen, mittelfristig eine stabile Betreuung zu gewährleisten, eine mögliche doppelte Unterstützung vermeiden oder die bereits erbrachten Hilfsleistungen nachzuvollziehen.

Dieses Problem von auch von Mitgliedern der Bezirks- und Regionalräte aufgegriffen, die gleichzeitig auf das Phänomen der Siedlungskonzentration eingingen, vor allem in Bogotá (Ciudad Bolívar, Engativá und Bosa) und Soacha, wo sich Migranten aufgrund der bereits gebildeten Netzwerke niederlassen.

Angesichts dieser Schwierigkeiten empfahlen sie, Informationsmechanismen einzurichten, um die Bewegungen von Migranten bestmöglich nachvollziehen zu können. Außerdem sollten die Orte, an denen sich die Migrantenbevölkerung konzentriert, vorrangig behandelt und unterstützt werden, um eine schnelle Betreuung sowohl auf die Regionen als auch auf die Brennpunkte in Bogotá auszudehnen.

Als weitere Herausforderung nannten die Experten das wachsende Phänomen der Diskriminierung; daher sei es notwendig eine massive Werbekampagne durchzuführen, um die Stigmata und Etiketten, die für die venezolanische Bevölkerung geschaffen wurden, zu "entmystifizieren". Mit Hilfe von entsprechenden Daten sollten auch die Chancen aufgezeigt werden, die für Kolumbien durch die Migration entstehen ebenso wie die wirkliche Beteiligung von Migranten an Verbrechen. Als reale Weiterentwicklung dieser Idee schlugen einige vor, Aktivitäten mit zivilen Regierungsstellen wie den Verwaltungsbeiräten von Kondominiums, Stadtteilen oder Dörfern, Schulradiostationen und Schülervertretungen durchzuführen.

Unter dem Gesichtspunkt der Diskriminierung wurde auch vorgeschlagen mit einer großen Umfrage die Einstellungen und Wahrnehmungen der Kolumbianer gegenüber den Migranten zu identifizieren, um so dem Phänomen begegnen zu können. Außerdem sollte in den Lehrplan der Schulen eine pädagogische Komponente für die Integration von Ausländern aufgenommen werden. Es wurde auch empfohlen, gemischte Service- und Hilfspakete zu implementieren, die die Bevölkerung beider Länder einbeziehen, um "Ressourcenstress" zu vermeiden. Ebenso empfahlen die Experten der Regierung bereits etablierte Hilfsnetzwerke zu nutzen, um die Betreuung über sie zu organisieren und damit den Eindruck zu vermeiden, dass die Migranten Vorrang vor der kolumbianischen Bevölkerung haben.  

Die Teilnehmer identifizierten auch ein Informationsproblem. Sie betonten, dass die Migranten die kolumbianischen Institutionen und ihre Aufgaben nicht kennen, und empfahlen in diesem Sinne, einen leicht zugänglichen massiven Informationsmechanismus zu schaffen, in dem der Migrant einheitliche Informationen über die Stellen findet, von denen er eine Betreuung erwarten könne. Abschließend gaben die Teilnehmer ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die angesprochenen Schwierigkeiten und Empfehlungen berücksichtigt werden und Teil einer mittel- bis langfristigen Reaktion werden. ​​​​​​​

Ansprechpartner

María Paula León

María Paula  León bild

Projektkoordinatorin

Maria-Paula.Leon@kas.de +57 1 74309 47-204

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