Veranstaltungsberichte

Iraqi Al-Firdaws Society - Frauenrechte in Basra

Die Besetzung der Provinzen Ninawa, Anbar und Salahaddin durch den sogenannten Islamischen Staat (ISIS), der ethnische Säuberungskampagnen gegen nicht-sunnitische Bevölkerungsgruppen im Irak durchführte, und der daraus resultierende bewaffnete Konflikt gegen die Terrorgruppe zwangen von Verfolgung gefährdete Gruppen, diese Provinzen zu verlassen und vertrieben sie so innerhalb ihres eigenen Landes.

Nach Angaben des Ministeriums für Migration und Vertreibung beherbergt die südirakische Stadt Basra derzeit 571 Familien von Binnenvertriebenen (IDPs). Der durch diese Vertreibungsbewegungen verursachte demografische Wandel führte wiederum zu mehr Druck auf die Aufnahmegemeinschaften einerseits und dem Auftreten von Integrations- und Koexistenzproblemen andererseits, einschließlich einer Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) gegen Binnenvertriebene. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, organisierte das Syrien/Irak-Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit der irakischen Al-Firdaws-Society ein mehrstufiges Projekt, das sich in erster Linie auf die Bildung von Frauen bezüglich GBV-Themen konzentrierte, um zur Schaffung von strukturellem Wissen über die Rechte der Frauen und den Zugang zur Justiz sowie zur Stärkung der Rolle der Frauen bei Friedenskonsolidierung und Versöhnung beizutragen.

Ausgehend von 10 eintägigen Dialogsitzungen zu Problemen von Vertriebenen und Frauen aus den Aufnahmegemeinschaften, die sich hauptsächlich auf GBV-Fälle in Zusammenhang mit Vertreibung konzentrierten, wurde ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Frauen aus den Vertriebenen- und Aufnahmegesellschaften geschaffen. Darüber hinaus wurden die wichtigsten Fälle von GBV identifiziert, diagnostiziert und deren Ursachen diskutiert. Unter den 200 teilnehmenden Frauen waren 100 Binnenvertriebene und 100 Frauen aus den Gastgemeinden. In einem zweiten Schritt wurden unter denjenigen, die sich während der Dialogsitzungen am meisten hervorhoben, 5 weibliche Gemeindeleiter und Aktivistinnen der Zivilgesellschaft, 10 vertriebene Frauen und 10 Frauen der Aufnahmegemeinschaft ausgewählt, um ein Frauenkomitee zu bilden. Für diese 25 Komiteemitglieder wurde ein Trainingsworkshop organisiert, um deren akademische Fähigkeiten zur Vorbereitung von Studien, partizipativen Analysen und Berichten über GBV und Konfliktlösung zu stärken. Im Anschluss daran fand eine zweitägige Sitzung statt, an der 10 Wissenschaftler, Richter und Vertreter der lokalen Regierung und des Sicherheitsapparats sowie 15 Mitglieder des Frauenkomitees teilnahmen, um Empfehlungen zu Genderfragen, einschließlich GBV, und zur Konfliktbearbeitung zu formulieren. Aus den im Workshop erstellten Studien, Analysen und Berichten sowie den Ergebnissen der Sitzung wurde eine Publikation entworfen, die in einer gedruckten Broschüre zusammengefasst und in Basra an interessierte Interessenvertreter und Entscheidungsträger verteilt wurde. Schließlich wurde eine Lobbykampagne durchgeführt, die aus 10 Besuchen des Frauenkomitees bei lokalen Regierungsinstitutionen bestand, wo der Inhalt der Broschüre sowie die Empfehlungen des Frauenkomitees diskutiert wurden. Dazu gehörten auch öffentliche Sitzungen, die als partizipative Treffen zur Entwicklung von Ideen und Lösungen für GBV gedacht waren.

Am Ende dieses Projekts bauten die Teilnehmerinnen vertrauensvolle Beziehungen zu Polizei-, Justiz- und Kommunalbehörden auf und sind fortan in der Lage, GBV-Fälle zu überwachen und sich für Frauenrechte sowie für eine bessere Sicherheitspolitik als Reaktion auf geschlechtsspezifische Überlegungen einsetzen. Darüber hinaus fanden verbesserte Strategien in Bezug auf geschlechtsspezifische Fragen einen Platz auf der Agenda der Vertreter der lokalen Regierung, basierend auf der Lobbykampagne.

Ansprechpartner

Maha Haddad

Maha  Haddad bild

Projektkoordinatorin

Maha.haddad@kas.de +961 (0) 1388 061/062 +961 (0) 1388 064

Bereitgestellt von

Auslandsbüro Syrien/Irak

Über diese Reihe

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