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Veranstaltungsberichte

Massaker: Ein neuer Angriff des Drogenhandels? Was passiert in Kolumbien?

Diálogo UR

Am 2. Oktober fand eine neue Ausgabe des Dialogs UR statt, ein politischer Diskussionsraum aus akademischer Sicht, organisiert von der Tageszeitung El Tiempo, der Universidad del Rosario und der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien - KAS

In den letzten Monaten ist in Kolumbien eine neue Gewaltwelle zu beobachten, die den Tod vieler Unschuldiger mit sich gebracht hat. Angesichts der Präsenz neuer Akteure des bewaffneten Konflikts, erwartet die Gesellschaft eine effiziente Reaktion von Seiten der Regierung, ihres Kabinetts und der Streitkräfte.   

Vor diesem Hintergrund fand die neue Ausgabe der Dialoge UR statt, dieses Mal zum Thema: ”Massaker: Ein neuer Angriff des Drogenhandels? Was passiert in Kolumbien?”. Bei der Gelegenheit sollten Akademiker, Vertreter von Lokalverwaltungen und öffentliche Funktionäre ihre Ansichten über die Massaker darlegen, die in letzter Zeit wieder aufgeflammt sind. Auch sollten sie sich zu den neuen Dynamiken des Drogenhandels äußern, vor allem in den Regionen, wo die meisten Gewalttaten verübt wurden und die historisch gesehen eine strategisch wichtige Rolle im nationalen und internationalen Drogenverkehr gespielt haben.  

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Direktor des “Centro de Diálogo Nacional“, Edulfo Peña, der einen kurzen Überblick über die aktuelle soziale Lage des Landes gab, vor allem angesichts neuer Dynamiken des Drogenhandels und der systematischen Durchführung von Massakern, vor allem in ländlichen Gebieten; er war auch Moderator der einzelnen Panel.

Der Rektor der Universidad del Rosario, Alejandro Cheyne; der Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien, Stefan Reith und der Direktor des Verlagshauses El Tiempo, Roberto Pombo dankten den Panelisten zunächst für ihre Teilnahme. Gleichzeitig zeigten sie sich besorgt über die aktuelle Situation Kolumbiens, vor allem angesichts der Rückkehr der Massaker, die sich in vielen ländlichen Gebieten des Landes gegen die Zivilbevölkerung richteten, die in den meisten Fällen nichts mit den Konflikten zu tun habe.  

Am ersten Panel nahm der Berater für Ersatzbepflanzungen illegaler Drogenanpflanzungen des Gouverneurs des Departments Nariño, Plinio Pérez teil. Er ging auf die Problematik des Drogenhandels und der damit verbundenen Massaker ein, die in einigen Gemeinden des Departments stattgefunden haben. Nach seiner Erfahrung bedinge die geographische Lage des Departments Nariño die Kämpfe der verschiedenen illegalen bewaffneten Akteure; außerdem stehe Nariño momentan an zweiter Stelle was die Ausdehnung von Kokaplantagen betreffe; dadurch werde eine alternative, illegale Wirtschaft begünstigt, die sich für viele Bewohner als rentabel erwiesen habe.

Der Sekretär für Grenzgebiete, Migration und Kooperation des Departments Norte de Santander, Víctor Bautista, äußerte die Ansicht, dass die venezolanische Migration und die geographische Lage seines Departments die Welle der Gewalt in der Gegend bedingt haben, ebenso wie die unbegrenzte Ausweitung der Kokaplantagen in der Region Catatumbo.

Aus der akademischen Sicht des Professors der Fakultät für Internationale und Politische Studien der Universidad del Rosario, Oscar Palma, resultiert die Gewalt in den am meisten betroffenen Regionen aus den ständigen Machtkämpfen zwischen den verschiedenen illegalen Akteuren des Drogenhandels. Verschärft werde die Situation durch die Tatsache, dass es sich nicht mehr um fest organisierte kriminelle Strukturen handele, sondern um einzelne verstreute Gruppierungen. Auch sei der Drogenhandel nicht der einzige Verursacher der Massaker, es existierten vielmehr komplexe Faktoren, die auf eine tiefgreifende strukturelle Problematik zurückzuführen seien.  

Der Gouverneur des Departments Sucre, Héctor Olimpo Espinosa, dankte für die Organisation solcher Diskussionsräume, die ein umfassenderes Verständnis der Gründe für die Massaker erlaubten, die momentan die Bürger seines Departments bedrohten, vor allem in der Region „Montes de María“, die historisch gesehen immer unter der Gewalt des bewaffneten Konflikts gelitten habe. Die Massaker und der Drogenhandel hätten das soziale Gefüge in vielen Gemeinden geschwächt, außerdem zeigten die Streitkräfte oft nicht die nötige Stärke, um mit der Situation fertig zu werden. Daher schlage er vor, die herkömmliche Sicherheitspolitik durch zivile Einheiten zu verstärken, um die illegalen Gruppierungen zu bekämpfen.  

Anschließend sprach der Gouverneur des Departments Norte de Santander, Silvano Serrano; er verlangte eine stärkere Konzentration auf die Bekämpfung des Drogenhandels, um dadurch ausreichende Bedingungen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen und solche Gegenden zu unterstützen, in denen heute eine effiziente Präsenz des Staates fehle. Außerdem sei es unabdingbar die illegalen Anpflanzungen durch legale zu ersetzen, um so die Gewalt in der Region und die Folgen des Drogenhandels für die Bevölkerung zu vermindern.  

Die Forscherin des Observatoriums für Menschenrechte INDEPAZ, Juana Cabezas, präsentierte die Ergebnisse der Nachforschungen ihrer Organisation über die Gründe für die jüngsten Massaker. Einerseits sei der Drogenhandel zwar kein neuer Faktor in der Logik des bewaffneten Konflikts, jedoch in letzter Zeit habe er durch die Einmischung internationaler Kartelle Verstärkung erhalten. Auf der anderen Seite, sei die mangelnde Umsetzung des Friedensvertrages einer der Hauptgründe für die Neuorganisation der illegalen, bewaffneten Gruppen vor allem in den Gebieten wo es zu Massakern gekommen sei.

Abschließend interviewte der Direktor des Verlagshauses El Tiempo, Roberto Pombo, den Verteidigungsminister, Carlos Holmes Trujillo. Dieser bedankte sich für die Einladung und betonte die Bemühungen seiner Regierung die Gewalt in den ländlichen Gebieten zu reduzieren. Andererseits seien die aktuellen Gewaltakte auf die Strukturen einiger bewaffneter Gruppen und ihren starken Einfluss in der Zivilbevölkerung zurückzuführen. Außerdem wies der Minister darauf hin, dass die kollektiven Morde kein Phänomen seien, dass sich nur in der aktuellen Regierung präsentiere; er sei jedoch nach wie vor bereit, gegen den Drogenhandel und für die Verminderung des Gewaltindexes im Land zu kämpfen.  

Ansprechpartner

María Paula León

María Paula  León bild

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Maria-Paula.Leon@kas.de +57 1 74309 47-204

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