Veranstaltungsberichte

Soziale Auswirkungen von Covid-19 in Panama

von Gordian Kania

ADELA Panama Digitalkonferenz

Der folgende Bericht fasst die ADELA Panamá Digital-Konferenz vom 03.07.2020 mit dem Thema "Soziale Auswirkungen von Covid-19 in Panama" zusammen.

Alonso Ramos

Aktivist, Forscher und Dozent an der Universität von Panama. Master-Abschluss in Bevölkerung, Gesellschaft und Entwicklung sowie Spezialisierungsstudium in Kommunalverwaltung.

 

Alixenia López

Projektkoordinatorin der Konrad-Adenauer-Stiftung ADELA Panama.

 

Veranstaltungsprogramm

Alonso Ramos spricht über die sozioökonomischen und kulturellen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zudem analysiert er, wie die Ungleichheit in Panama vor der Pandemie sich auf die Politik nach der Pandemie auswirkt und diskutiert mögliche Alternativen.

 

Lateinamerika und die Pandemie

Etwa 2 ½ Monate sind vergangen, seit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Covid-19 Virus zur Pandemie erklärt hat. In Panama kam es am 09. März dieses Jahres zum ersten Fall, woraufhin die Regierung am 25. März die Quarantäne erließ. Isolation und „Social Distancing“ wurden in der Folge als Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eingesetzt. Denn die zentrale Herausforderung bei der Bekämpfung des Virus liegt vor allem in der Leichtigkeit, mit der es sich verbreitet.

Aufgrund der Abschottung ist jedoch auch die Wirtschaft nahezu zum Erliegen gekommen. Es handelte sich also um eine Kettenreaktion, bei der die Gesundheitskrise auch zu einer humanitären und wirtschaftlichen Krise führte. Diese Ansicht wird auch durch aktuelle Wirtschaftsprognosen untermauert. Zwischen 1997 und 2006 befand sich das Wachstum der Weltwirtschaft bspw. durchschnittlich bei 3,4 Prozent pro Jahr. Zwischen 2011 und 2018 lag es bei 2,8 Prozent und 2019 bei 2,5 Prozent. Für das Jahr 2020 wird hingegen mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 1,0 Prozent gerechnet, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass es in vielen Regionen dennoch zu einer Rezession kommen wird. Zu den besonders stark betroffenen Regionen zählt dabei auch Lateinamerika. Im April 2020 veröffentlichte die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (ECLAC) einen Bericht unter dem Titel „Lateinamerika und die Karibik angesichts der Covid-19 Pandemie“.  Die Autoren prognostizieren darin, dass das Wachstum in Lateinamerika deutlich unter den 1,3 Prozent liegen wird, welche ursprünglich vorhergesagt wurden. Aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden Effekte, wird es aller Voraussicht nach stattdessen zu einer Rezession von mindestens 1,8 Prozent kommen.

Dafür ausschlaggebend sind mehrere Faktoren. Zum einen dezimiert sich das Angebot in Lateinamerika, da es aufgrund der Pandemie zu einer Unterbrechung der Produktionsketten gekommen ist. Zum anderen ist auch die Nachfrage abrupt zurückgegangen, da ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung entweder vorübergehend oder dauerhaft ihre Anstellung verloren hat.

Das liegt auch darin begründet, dass die lateinamerikanische Wirtschaft vor allem abhängig vom Rohstoff-Export und dem Dienstleistungssektor, insbesondere vom Tourismus ist. Gerade diese Bereiche sind jedoch besonders stark von der Pandemie betroffen, da die Rohstoffpreise deutlich gesunken und der Handel und der Tourismus zum Stillstand gekommen sind. Schließlich wird Lateinamerika auch vom Corona-bedingten Rückzug Chinas beeinflusst, welches einen der wichtigsten Wirtschaftspartner der Region darstellt. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Konsequenzen für die Länder der Region.

 

Auswirkungen von Covid-19 auf die Ungleichheit in Panama

Bereits vor der Pandemie zählte Panama zu den zehn ungleichsten Ländern der Welt. Aufgrund der Pandemie ist diese Thematik nun präsenter als je zuvor.

Die Schwere der Situation untermauern dabei die folgenden Zahlen:

22 Prozent der Bevölkerung Panamas leben in Armut. Nach Regionen unterschieden, herrschen dabei im Metropolbereich an die 20 Prozent Armut, im Landesinneren bis zu 60 Prozent und in den indigenen Gebieten („Comarcas“) gelten sogar teilweise fast 90 Prozent der Bevölkerung als arm.

Wirtschaftliche Ungleichheit entsteht grundsätzlich dann, wenn die ökonomischen und politischen Strukturen einer Gesellschaft es einer kleinen Minderheit ermöglichen, sich die überwiegende Mehrheit des Besitzes anzueignen. Ausgehend von einer solchen ökonomischen Ungleichheit entstehen in der Folge meist weitere Formen der Ungleichheit, wie politische Ungleichheit, Geschlechterungleichheit, Bildungsungleichheit oder technologische Ungleichheit. Der Ursprung für die Ungleichheit in Panama ist jedoch auch der besonderen Lage des Landes geschuldet. Von der Kolonialherrschaft der Spanier über die Abhängigkeit von den USA und auch heute, als unabhängiges Land, schafft die territoriale Lage Panamas Asymmetrien. Der Fokus der Entwicklung lag dabei stets auf der für den Handel bedeutsamen Region von Panama-Stadt bis Colon und hat zu einer einseitigen Ausrichtung des Landes geführt. Mittlerweile beherbergt diese Transitzone nicht nur den Panamakanal als wichtigste Handelszone, sondern auch den Finanzsektor, große Teile des Dienstleistungssektors sowie den internationalen Flugverkehr und erzeugt über 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Wirtschaft Panamas ist dabei nahezu vollständig auf den Dienstleistungssektor ausgerichtet, während die Landwirtschaft und die Industrie vernachlässigt wurden.

Dies hat die wirtschaftliche Ungleichheit weiter beschleunigt. Aktuell verdienen 40 Prozent der panamaischen Angestellten weniger als 600 Dollar pro Monat. Zudem sind über 600.000 Arbeiter in Schwarzarbeit tätig, obwohl davon fast 100.000 in einem formal eingetragenen Unternehmen arbeiten. Für die Beschäftigten bedeutet das, dass sie kaum arbeitsrechtliche Ansprüche besitzen und in großer Abhängigkeit zu den Arbeitgebern stehen. Diese Situation hat sich durch die Pandemie zudem weiter verschlechtert. Ein Grund dafür ist auch, dass die Industrie und Landwirtschaft des Landes nicht in der Lage sind, den Rückgang des Handels zu kompensieren. Im Zuge der Pandemie wurde daher bei über 200.000 Angestellten der Arbeitsvertrag aufgelöst. Vielen dieser Menschen wird es nicht möglich sein an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren und diejenigen, die ihre Arbeit wieder aufnehmen können, müssen in Zukunft mit schlechteren Konditionen rechnen.

 

 

 

 

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Gordian Kania

Praktikant im KAS-Büro ADELA, Panama

 

Ansprechpartner

Alixenia López

Alixenia Lòpez

Projektkoordinatorin

alixenia.lopez@kas.de +507 387 4474

Über diese Reihe

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