KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

“Weltweites Chaos durch die politische, wirtschaftliche und soziale Krise der Post-Pandemie“

WEBINAR

EAn der Veranstaltung nahmen 13 kolumbianische und internationale Experten mit langjähriger akademischer Erfahrung teil. Während des dreitägigen Events diskutierte man über die neuen Herausforderungen für Regierungen und Zivilgesellschaft im Rahmen der Post-Pandemie.

Die Pandemie des COVID-19 hat alle Länder weltweit unvorbereitet getroffen, was neben dem Verlust zahlreicher Menschenleben auch einen Rückschritt der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die Unterbrechung sozialer und produktiver Aktivitäten in der globalisierten Welt zur Folge hatte. Die Auswirkungen waren in Europa und Amerika besonders spürbar und es hat sich gezeigt, dass die staatlichen Gesundheitssysteme nicht ausreichend waren, um den plötzlich auftretenden außerordentlichen Anforderungen einer Pandemie gerecht zu werden.

Zehn Monate nach der Identifizierung des neuen Virus durch die WGO, konnten die meisten Länder einen Rückgang der Infizierten Personen verzeichnen. Momentan bereiten sich Zivilgesellschaft und Regierungen in der ganzen Welt auf die „neue Normalität“ vor, die mit verschiedenen Sicherheitsvorkehrungen und der allgemeinen Bedrohung durch ein Wiederaufflammen des Virus einhergeht. Eine erneute Quarantäne hätte jedoch unkalkulierbare Folgen sowohl für den Welthandel als auch auf sozialer Ebene.   

Vor diesem Hintergrund hat die KAS Kolumbien das Webinar zum Thema “Weltweites Chaos durch die politische, wirtschaftliche und soziale Krise der Post-Pandemie” organisiert. Dabei diskutierten 13 anerkannte Experten aus dem In- und Ausland über die neuen Herausforderungen angesichts der weltweiten durch die Pandemie hervorgerufenen Situation. In dem dreitägigen Webinar wurden jeweils unterschiedliche Themen von verschiedenen Experten behandelt.   

Im ersten Panel am 29. September diskutierte man über die Auswirkungen der Pandemie auf den Multilateralismus und die liberale Weltordnung. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Leiter des Regionalprogramms der KAS mit Sitz in Panama “Allianzen für Demokratie und Entwicklung in Lateinamerika” ADELA, Winfried Weck. Er dankte zunächst den Experten und den Zuschauern für ihre Teilnahme und betonte, dass die Arbeit der KAS in Lateinamerika und ihre Kooperation mit der Akademie solche Aktivitäten ermöglichten, die zu einem umfassenden Verständnis für die aktuelle Entwicklung in der Gesellschaft beitragen könnten.  

Panlisten des ersten Tages waren der Politologe und Professor der Pontifica Universidad Javeriana, Eduardo Velosa; der Präsident des Regionalen Instituts für Wirtschafts- und Sozialforschung CRIES, Andrés Serbin; der Direktor des Forschungszentrums CIES und Professor der Universität ICESI, Vladimir Rouvinski sowie der Doktorand des „German Institute for Global and Area Studies“ GIGA, Rafael Castro. Moderator war der Dekan der Fakultät für Forschung der Höheren Schule für öffentliche Verwaltung ESAP, Edwin Murillo Amaris.

Die Diskussion drehte sich um die verschiedenen Konzepte des Multilateralismus auf regionaler und kontinentaler Ebene, vor allem unter dem Einfluss der Pandemie. Dabei wurde die Rolle der WGO und einiger Regierungen beim Umgang mit der Pandemie und der Quarantäne unter wirtschaftlichen, sozialen und politische Aspekten untersucht. Die Experten legten ihre akademische Sichten über die wirtschaftlichen und politischen Prozesse dar, die der Multilateralismus weltweit mit sich gebracht habe.

Am zweiten Panel zum Thema “Interregionale Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Lateinamerika im Rahmen der Krise“ nahmen Experten teil, die ihre Erfahrungen vor dem Hintergrund ihrer Forschungsarbeit über die EU und die Konfiguration des Internationalen Systems darlegten. Panelisten waren die Professorin für Regionale Integration und Internationale Beziehungen der Universidade Federal de Sao Paulo, Regiane Bressan; der Direktor der Fundación Carolina und Professor der Universidad Complutense in Madrid, José Antonio Sanahuja; der Direktor der Forschungsabteilung des Iberoamerikanischen Instituts und Professor der Freien Universität Berlin, Peter Birle; der Professor der Universidad de Roma „Sapienza“, Carlo Tassara und der Assistenzprofessor der Universidad de Chile, Jaime Baeza.

Moderiert wurde die Diskussion vom Professor der Pontificia Universidad Javeriana, Eduardo Pastrana. Er bezog sich zunächst auf die Herausforderungen für lateinamerikanische und europäische Regierungen in der aktuellen Situation. Die Experten betonten, dass die wirtschaftlichen und politischen Integrationsprozesse auf beiden Kontinenten sehr unterschiedliche verlaufen seien, wobei jeder Prozess zweifellos Vorteile für die Formulierung interregionaler politischer Strategien mit sich bringe. Andererseits sei weltweit eine starke politische Polarisierung zu beobachten, die vor allem extremistischen Ideologien während der Pandemie zu mehr Popularität verholfen habe. Daher rief man dazu auf, dass die Regierungen harmonischer zusammenarbeiten sollten, da das isolierte Handeln einzelner Länder sowohl in Europa als auch in Lateinamerika zu einer stärkeren Verbreitung des Coronavirus geführt habe.  

Die Abschlussveranstaltung am dritten Tag zum Thema “Politische, wirtschaftliche und soziale Risiken und Herausforderungen des Covid-19 in Kolumbien“ wurde moderiert vom Repräsentanten der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien, Stefan Reith. Als Experte nahmen teil die Beraterin für Konfliktlösung und Friedensstudien, Mery Rodríguez; die Professorin der Pontificia Universidad Javeriana und Direktorin des Instituts Pensar, Martha Lucía Márquez sowie die Professoren der Fakultät für Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen der Pontificia Universidad Javeriana, Germán Prieto und Gabriel Jiménez

Die Experten gingen zunächst auf die sozialen Folgen der Pandemie für die Umsetzung der Friedensvereinbarungen und die Verschärfung der sozialen Ungleichheit in Kolumbien ein. Auch beleuchtete man die Auswirkungen der Corona-Krise auf wirtschaftlicher Ebene, wie zum Beispiel durch die Erhöhung der Arbeitslosigkeit, wobei die Frauen am meisten betroffenen seien. Weiterhin sei das Bruttosozialprodukt stark gefallen, ebenso wie die Auslandsinvestitionen in einem ungewissen Umfeld. Die Panelisten betonten, dass die Beschränkungen der Bürgerrechte und der Gewaltenteilung durch die Pandemie auch die Demokratie gefährden. Was die Sicherheit anbetreffe, habe die mangelnde Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen durch den Staat in ländlichen Gebieten, die Entwicklung illegaler Wirtschaftszweige und ein Wiederaufflammen der Gewalt gegen die Landbevölkerung gefördert.

Abschließend betonte der Moderator, dass konkrete Vorschläge für eine Rückkehr zu Normalität erarbeitet werden müssten, die auf Nachhaltigkeit und sozialer Entwicklung beruhen. Daher forderte er die Experten auf, ihre Ansichten über die aktuelle Situation zu teilen. In dem Zusammenhang betonte man die Notwendigkeit, Maßnahmen gegen die sozialen Probleme zu treffen und das Friedensabkommen konsequent umzusetzen. Außerdem müsse der venezolanischen Migration im Rahmen der Verschärfung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise in Kolumbien mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

 

 

 

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