KAS Colombia

Veranstaltungsberichte

XIII. Internationaler Umweltkongress Kreislaufwirtschaft

Public Policies, Kooperation, Innovation und Unternehmertum

In modernen Wirtschaftsmodellen sind nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft meist nur Anhängsel der politischen und ökonomischen Agenda der Staaten. Gleichzeitig nimmt der Privatsektor durch umweltfreundliche Nachhaltigkeit Einfluss auf verschiedene Initiativen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund fand der XIII. Internationale Umweltkongress zum Thema „Kreislaufwirtschaft: Public Policies, Kooperation, Innovation und Unternehmertum“ statt, der vom Studienzentrum für Nachhaltige Entwicklung CEID und der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien veranstaltet wurde. Dabei sollten in Beiträgen von Akademikern, Unternehmern und Regierungsvertretern verschiedene Aspekte der Kreislaufwirtschaft vorgestellt werden.  

Teilnehmer des ersten Kongresstages am 19. Oktober, waren der Direktor des CEID, Gilberto Rincón; die Vizeministerin für Umweltpolitik und Normalisierung des Umweltministeriums, María Claudia García; der Direktor des Schweizer „Product-Life Institute“, Walter Stahel; Luisa Santiago von der Fundación Ellen MacArthur sowie weitere Experten und Unternehmer.

In seinem Grußwort betonte der Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung Kolumbien, Stefan Reith, die Bedeutung einer Kreislaufwirtschaft als Instrument zur Reduzierung der Auswirkungen von Industrieemissionen auf die Umwelt, zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und als Beitrag zu einer erweiterten Nachhaltigkeit auch auf sozialer, wirtschaftlicher und umweltpolitischer Ebene. Gilberto Rincón verwies auf die Notwendigkeit alle Aktionen im Rahmen einer Synergie zwischen den verschiedenen Akteuren der kolumbianischen Gesellschaft zu koordinieren; dadurch sollten Themen der internationalen Agenda, wie zum Beispiel der Gegensatz zwischen Klimawandel und der Erfüllung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO angegangen werden und gleichzeitig Produkte mit einer längeren Lebensdauer produziert werden, die auch eine mit der Kreislaufwirtschaft vereinbare Wertekette unterstützen.

Im ersten Panel verwies die Vizeministerin, María Claudia García auf die Bedeutung der “Nationalen Strategie der Kreislaufwirtschaft” hin, die eine Grundlage für Aktionen innerhalb des „Nationalen Systems für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“ darstelle. Das System gebe die Marschroute für Arbeitsgruppen vor, die Projekte zur Nachhaltigkeit und Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft auf nationaler und regionaler Ebene in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor koordinieren. Dabei betonte sie auch, dass der Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft Bestandteil mehrerer Abkommen mit anderen Wirtschaftszweigen sei, die es ermöglicht haben auch auf regionaler Ebene Instrumente für mehr Nachhaltigkeit zu definieren.

Anschließend erklärte Walter Stahel, dass die Materialien des Zeitalters des “Anthropozän“ nicht mit der Natur vereinbar seien. Es sei daher unabdingbar, die Relation zwischen den Akteuren der Kreislaufwirtschaft dreidimensional zu betrachten: die Welt der Natur, die Welt der Produktion und die nichtmaterielle Welt. Es sei nun an der Zeit, Kreislaufwirtschaften auf wissenschaftlicher Grundlage zu entwickeln, die effiziente Instrumente für den Kreislauf der Wirtschaft darstellten; jedoch habe man in der Vergangenheit Modelle bevorzugt, die nicht für mehr Nachhaltigkeit oder mehr Umweltschutz gesorgt hätten.

Die Projektkoordinatorin des Regionalprogramms für Energiesicherheit und Klimawandel der KAS in Lateinamerika (EKLA) mit Sitz in Lima, María Fernanda Pineda erklärte, dass ihr Programm zwei Workshops zum dem Thema organisiert und insgesamt 196 öffentliche Projekte auf verschiedenen Regierungsebenen in Lateinamerika identifiziert habe. Auch gebe es zahlreiche private und akademische Initiativen, ebenso wie Forschungsprojekte über Kreislaufwirtschaft. Weiterhin führe EKLA Schulungen für Funktionäre verschiedener Organisationen durch und begleite lokale Akteure. 

Anschließend betonte die Expertin für Kreislaufwirtschaft der „Ellen MacArthur Foundation“, Luisa Santiago, welche Änderungen dieses Konzept in der Wirtschaftsplanung sowie in   Produktion und Abfallbeseitigung mit sich bringe; dabei sollte der Wert der Produkte erhalten bleiben ohne Abfallstoffe zu erzeugen. Der Grundgedanke der Kreislaufwirtschaft sei es, alle Ressourcen im Umlauf zu halten und natürliche Ökosysteme zu regenerieren; dies sei auch mit der Erzeugung sauberer Energien im Rahmen von Umweltprojekten vereinbar.  

Die Direktorin für kooperative Angelegenheiten und Nachhaltigkeit von Unilever, Cristina Bonillo, präsentierte konkrete Aktivitäten der Firma zur Transformation ihrer Produkte im Rahmen einer Strategie für mehr Nachhaltigkeit. Unilever arbeite auch mit anderen Akteuren zusammen, um konzertierte Aktionen zur Transformation innerhalb der Werte- und Versorgungskette zu erreichen. Gleichzeitig solle damit zu einer Reduzierung des CO2-Fussabdrucks der Produkte beigetragen, die Forschung und Entwicklung von Produktionsprozessen ohne fossile gefördert und deren Konsum ausgedehnt werden.

Im zweiten Panel betonte der Vertreter von Waste2Worth und Moderator des Panels, Joaquín Caraballo, dass viele Unternehmen heute zusammenarbeiten, um auf verschiedenen Gebieten wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch sollten solche Firmen identifiziert werden, die Initiativen zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft entwickelt haben. Die Vertreterin von „Bavaria-Ab InBev“, Alicia Lozano wies darauf hin, dass man von “low carbon” nun auch auf eine “low waste”-Mentalität umschalten müsse; dabei sei es unabdingbar den Verbraucher durch entsprechende Kampagnen zu einem verantwortungsvollen Konsum zu erziehen. Bavaria habe sich zu einem Best-Practice-Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit entwickelt.  

Die Vertreterin von 3M, Valeria Frigeri rief dazu auf, lokale Projekte und Programme durch bestimmte Indikatoren zu evaluieren, um dadurch die Kreislaufwirtschaft auch in den Regionen Kolumbiens auszuweiten. Auch Natalia Zuleta vom Gimnasio Fontana meinte, dass die Erziehung des Konsumenten zu mehr Verantwortung für Kreislauf und Nachhaltigkeit, bereits in der Schule ansetzen müsse. Das Gimnasio Fontana sei die erste Schule mit einem neutralen CO2-Abdruck in Kolumbien durch seine Allianz mit der „Fundación Natura“. Die Umwelterziehung für Schüler und Eltern gehe über das reine Recycling hinaus und umfasse auch die Beteiligung an Initiativen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Im Anschluss erklärte die Professorin der Universidad de Navarra, Marta Ormazabal das Funktionieren der digitalen Plattform „Circular Market“ auf der Unternehmen Information über Produkte zur mehrfachen Zirkulation im Rahmen der Kreislaufwirtschaft austauschen können. Der Vertreter von Microsoft, Andrés Rengifo stellte die Strategien zur Verminderung des CO2-Abdrucks und der Abfallwirtschaft vor und bestätigte, dass in den Data Centers Strategien zur Kreislaufwirtschaft entwickelt wurden, um Hardware wiederzuverwenden und zu transformieren; außerdem arbeite Microsoft daran, Einwegplastik zu vermeiden. Adam Cohen präsentierte die Besonderheiten der Transportsysteme Maas und MOD in den USA und Europa als Beispiel für Innovationen in dem Bereich, obwohl dieser Wirtschaftszweig besonders unter der Pandemie gelitten habe.

Zum Abschluss des Panels beschrieb die Gründerin von „3D Circular“, Gesa Schneider die Neuerungen, die sich aufgrund nachhaltiger Wirtschaftsmodelle im Bereich Versorgungsketten und Produktmanagement ergeben haben. Dabei beschrieb sie auch wie die einzelnen Produkte im Schema der Kreislaufwirtschaft behandelt werden, vor allem solche Produkte, die mit Hilfe von Plastik im 3D-Druck erstellt werden.  

Teilnehmer des dritten Panels waren: Octavio Torres von Valopes; Juan Carlos Buitrago von Abaco und Nicolas Behar von Recilink. Zunächst stellte Octavio Torres die Technologie-Plattformen vor, die von Valopes entwickelt wurden und Reports über Umweltbedingungen erstellen, damit die Kunden eine bessere Entscheidungsgrundlage haben. Nicolas Behar von der Firma Recilink, berichtete über seine Erfahrungen mit der Entsorgung von digitalen Abfällen mittels einer Plattform, die in Chile weit verbreitet ist. Abschließend stellte Juan Carlos Buitrago den Fall von Abaco vor, einem Netzwerk von Nahrungsmittelbanken in Kolumbien, das die Verschwendung von Lebensmitteln verhindern will. Mit diesem System der Kreislaufwirtschaft, habe eine Vielzahl von Kunden erreicht werden können.

Zum Abschluss des ersten Tages hatten die Zuschauer die Möglichkeit, Fragen an die Experten zu stellen. Dabei wurden die Möglichkeiten von Kreisläufen in verschiedenen Wirtschaftszweigen angesprochen, um Lösungen für entsprechende Produktionsketten zu finden. Die Experten erklärten die Rolle von digitalen Plattformen und einer entsprechenden Beratung für Unternehmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Auch ging man auf das Funktionieren der Kreislaufwirtschaft in verschiedenen Ländern ein.

Am zweiten Tag des Kongresses fanden das dritte und vierte Panel statt, an denen nationale und internationale Experten für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft teilnahmen. Die Geschäftsführerin von „South Pole“, Lilia Suárez stellte die Referenten vor und dankte ihnen für ihre Teilnahme; im Anschluss präsentierte jeder der Redner kurz sein Projekt.  

Der erste Redner des dritten Panels zum Thema “Kreislaufstädte” war der Direktor des Projekts Kreislaufwirtschaft der Firma SITRA Finnland, Kari Herlevi, der als einer der besten Kenner der Materie weltweit gilt. Er erklärte den großen Erfolg seines Projekts in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Dabei betonte er, dass solche Initiativen nicht nur in Europa durchführbar seien, sondern dass man auch in Lateinamerika an umweltfreundliche nachhaltige Strategien denken müsse. Die Leiterin des Projekts „Fraunhofer Chile Research“, Carolina Pizarro sprach über die solarunterstützte urbane Landwirtschaft, die sich in Chile sehr positiv auf die Umwelt ausgewirkt habe. Die Direktorin von “Basura Cero Global”, Sandra Milena Pinzón sprach über die positiven sozialen Auswirkungen eines guten Abfallmanagements und die Probleme mit überfüllten Abfallhalden in Lateinamerika.

Weitere Panelisten waren Eduardo Guerrero von der Abteilung Urbanes Umweltmanagement des kolumbianischen Ministeriums für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung; der Umweltbeauftragte des städtischen Wasserwerks „Acueducto y Alcantarillado“ von Bogotá, Javier Sabogal und Linda Breukers, die im Ministerium für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung als Expertin für Verpackungsmaterial im Team Kreislaufwirtschaft arbeitet.

Auf der Grundlage der einzelnen Beiträge über Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, folgten die Fragen der Moderatorin Juanita López, Direktorin der Abteilung Klimawandel und Nachhaltigkeit von KPMG Kolumbien. Dadurch entstand ein Dialog zum besseren Verständnis der Kreislaufwirtschaft und ihrer sozialen Auswirkungen. Die Erfahrungen mit den einzelnen Projekten erlaubten es den Zuschauern, sich ein Bild zu machen von den Herausforderungen im Umweltbereich, vor allem in Lateinamerika wo noch ein langer Weg bevorsteht.

Auch im vierten Panel zum Thema “Kapitalzugang und Entwicklung” stellten die Panelisten zunächst die einzelnen Projekte vor. Moderator war Alfredo Ramos von der Organisation Waste2Worth, als Redner nahmen teil der CEO von „Common Good Partners“, Stephen Lake; die Direktorin für Entwicklung und Innovation von “iNNpulsa” Kolumbien, María Carolina Gómez; der Generaldirektor der Fundación para Emprendimiento “Impacta”, Juan Pablo Díaz; der Präsident von “Acoplasticos”, Daniel Mitchell und Marcela Ponce, Leiterin für Klimafinanzierung in Lateinamerika und der Karibik der International Finance Corporation – IFC.

Die Experten sprachen über die Vorteile eines nachhaltigen Unternehmertums und seine Auswirkungen auf die nationale und internationale Wirtschaft. Da die Welt immer mehr und immer komplexer vernetzt sei, müsse auch das Ökosystem nach Prinzipien organisiert werden, die eine Kreislaufwirtschaft fördern durch den nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt.  

Mit diesen Ergebnissen endete der XIII. Internationale Umweltkongress zum Thema “Public Policies, Kooperation, Innovation und Unternehmertum”, der vom CEID gemeinsam mit der KAS organisiert wurde.

Ansprechpartner

Andrea Valdelamar

Andrea  Valdelamar bild

Projektkoordinatorin

Andrea.Valdelamar@kas.de +57 1 74309 47-206

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