Einzeltitel

A House Divided. Can Afghan elites resolve their differences in the pursuit of peace?

Studie zur politischen Elite in Afghanistan

Die Studie untersucht die Ansichten der afghanischen politische Elite zum Friedensprozess. Sie geht insbesondere der Frage nach, wie ein Konsens zwischen den Mitgliedern der diversen politischen Elite und Aktivistinnen und Aktivisten der Zivilgesellschaft geschaffen werden kann, um eine kohärente Stimme in den Verhandlungen mit den Taliban zu bilden. Die Studie stützt sich auf über 20 qualitative Interviews mit Vertretern aus dem politischen Spektrum in Kabul. Die Interviews wurden zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 in Kabul durchgeführt.

Einen Konsens und eine geeinte Linie gegenüber den Taliban innerhalb Afghanistans diversen politischen Elite zu finden, ist eine der größten Herausforderungen im Friedensprozess mit den Taliban. Im Doha-Abkommen vom Februar 2020 zwischen USA und Taliban haben sich beide Seiten in ihren Kernforderungen einigen können. Nun muss der bilaterale Friedensprozess zwischen USA und Taliban in einen innerafghanischen Prozess überführt werden.

Abraham Lincoln (Rede des US-Präsidenten vom Juni 1858 im US-Bürgerkrieg): “A house divided against itself, cannot stand.”

Seit zwanzig Jahren war ein Friedensabkommen mit den Taliban noch nie so greifbar nah. Ein Friedensabkommen führt jedoch nicht notwendigerweise zu einem nachhaltigen Ende der Gewalt. Weltweit sind seit den 1980er Jahren etwa Zweidrittel aller gewaltsamen Konflikte mit einem Friedensabkommen beendet worden. Fast die Hälfte der beigelegten Konflikte sind innerhalb von fünf bis zehn Jahren wieder ausgebrochen. In Afghanistan war es nicht anders. Fünf Jahre nach dem Petersberger Bonn-Abkommen von 2001 sind der Kampf und die Gewalt in Afghanistan wieder aufgeflammt und seitdem auf einem stetig steigenden Niveau. 2019 hat Afghanistan Syrien wieder als Land mit der höchsten Gewaltrate abgelöst.

Heute gilt es, mögliche Fehler des Bonner Friedensprozesses zu vermeiden und nach einer dauerhaften Friedensordnung zu streben.

 

Die Studie zu den Friedensvisionen der afghanischen politischen Elite ist folgenden Fragen nachgegangen:

Verfassungsänderung und politisches System

Republik vs. Emirat

präsidentielles vs. parlamentarisches System, Dezentralisierung

Prozess der Machtverteilung und Übergangsordnung nach einem Friedensabkommen

Interim-Regierung? Wahlen?

Das "Inklusions-Dilemma"

Frage der Repräsentation der ethnisch-konfessionellen Gruppen, von Frauen, der jungen Generation, Opferfamilien, Vertriebenen

Formen der Übergangsjustiz und der Vertrauensbildung

Amnestie? Restorative Gerechtigkeit?

Rolle der internationalen und regionalen Akteure im Friedensprozess

u.a. USA, EU/Europa, Pakistan, Iran, Russland

Ansprechpartner

Dr. Ellinor Zeino

Leiterin des Auslandsbüros Afghanistan

ellinor.zeino@kas.de
Buchpräsentation
6. Oktober 2020
Serena Hotel, Kabul
Studie und Paneldiskussion