Seminar

Das Selbstmordattentat - eine Straftat gegen den Islam?

A crime against Islam?

In dem Workshop wird das Selbstmordattentat durch religiöse Würdenträger diskutiert und soll anschließend normativ verurteilt und geächtet werden. Im Jahr 2006 ereigneten sich in Afghanistan über 140 Selbstmordattentate.

Details

„Islam versus Islamists“

Im Quran heißt es in der Sure „Al-Maida“ (5/32):

„..... wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne daß ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“

Und an einer weiteren Stelle in der Sure "Al- Baqara"(2/195):

„...und stürzt euch nicht mit eigenen Händen ins Verderben und tut Gutes! Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die Gutes tun.“

Die Seminarwoche steht unter dem Eindruck der oben genannten Zitate aus dem Quran, der zentralsten und wichtigsten Quelle des Islams.

Der seit dem Jahr 2001 besorgniserregende, stetige Anstieg der Anzahl von Selbstmordattentaten weltweit - ein gefährlicher Trend - der insbesondere seit dem Jahr 2005 auch Afghanistan ergriffen hat. Mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung und eines damit einhergehenden Verlustes der ohnehin mangelhaften öffentlichen Sicherheit, stellt nicht nur an die politisch Verantwortlichen des Landes eine Herausforderung dar, sondern die Bemühung der Religion zur Rechtfertigung von Selbstmordattentaten fordert auch die Islamologie heraus. Hierbei wird der Ansatz verfolgt, dass nicht Islamwissenschaftler, sondern Islamologen (islamische Theologen) ein Arbeitsergebnis erstellen sollen.

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist von zeitkritischer Wichtigkeit, denn Afghanistan kann auf eine Widerstandstradition zurückblicken, die ohne Selbstmordattentate erfolgreich gewesen ist. Die von außen nach Afghanistan hinein getragene Ideologie des Selbstmordattentates steht der afghanischen Widerstandstradition diametral und fremd gegenüber, darauf gilt es die Zivilgesellschaft, insbesondere die afghanische Jugend, aufmerksam zu machen. Die geladenen Gäste sollen sich folgenden zentralen Fragestellungen widmen:

1) Wie betrachtet der Islam die Probematik des kämpferischen Suizids, der immer mehr als ein militärisches Einsatzmittel genutzt wird?

2) Wo liegt die Grenze zwischen Märtyrertum und bewußt unerlaubter Selbsttötung?

3) Inwieweit kann der Suizid aus islmologischer Sichtals ein legitimes Mittel einer militärtechnisch schwachen Kriegspartei angesehen werden?

4) Welche Möglichkeiten eröffnet der Islam jungen Menschen in Afghanistan, die auf Grund von Perspektivlosigkeit militärischen Widerstand leisten wollen?

5) Wo und wie legitimiert und konditioniert der Islam den gewaltsamen Widerstand? An welche islamischen Widerstandstraditionen können Muslime in heutiger Zeit - wenn überhaupt - anknüpfen?

Diese und andere Fragen sollen in einem einwöchigen Seminarzeitraum in Kabul diskutiert und bearbeitet werden. Zu dem Seminar werden neben anerkannten Islamologen aus Afghanistan, anerkannte Islamologen aus Europa, der arabischen Welt und Pakistan eingeladen, damit das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und differenziert bearbeitet werden kann. Am Ende des Diskussionsprozesses wird eine Fernsehsendung stehen, die von privatrechtlichen und öffentlichen Rundfunk zeitgleich ausgestrahlt wird. Ferner soll am Ende der Seminarwoche eine islamologisch fundierte Stellungmnahme zur Verfügung stehen, die die obigen Fragen eindeutig behandelt und beantwortet, sozusagen eine „Kabuler Resolution gegen das Selbstmordattentat“.

Die Anwesenheit von angesehenen Islamologen in Kabul für einen Zeitraum von einer Woche sollte optimal und für unterschiedliche Diskussionsebenen genutzt werden. Dem Thema darf sich nicht nur rein akademisch genähert werden, wenn die afghanische Bevölkerung, insbesondere die Jugend des Landes für die Auseinandersetzung mit diesem Thema sensibiliert werden soll. Daher muss neben dem medialen Höhepunkt der Seminarwoche intensiv in die afghanische Zivilgesellschaft hineingewirkt werden, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen. Daher ist es notwendig, für die geladenen Islamologen

1) Gespräche mit Studenten der Scharia-Fakultät, der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Politikwissenschaftlichen Fakultät von Kabul zu gestalten;

2) Gespräche mit ausgewählten Schülern bekannter traditioneller Religionsinstitute zu ermöglichen;

3) Zusammentreffen mit den Imamen der großen Moscheen von z.B. Kabul und Herat zu vereinbaren;

4) Die Rahmenbedingungen für die Mitverantwortung einer Freitagspredigt in einer der großen Moscheen der Hauptstadt als Option zu schaffen.

Aus dem zuvor genannten programmatischen Vorschlägen ergibt sich folgende organisatorische Struktur für die Seminarwoche:

Tag 1

Ankunft der geladenen Gäste in Kabul.

Am Nachmittag zwei 90-minütigeTreffen im kleinen Kreis zum gegenseitigen Kennenlernen und Vorbereitung des nächsten Tages.

Tag 2

Zusammentreffen mit den Imamen der großen Moscheen von Kabul und Herat

zwecks Erörterung einer gemeinsamen Freitagspredigt zum Thema.

Tag 3

Dialog mit Studenten der Schariafakultät, der rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Politikwissenschaftlichen Fakultät von Kabul, eventuell auch von außerhalb von Kabul. Diskussion mit ausgewählten Schülern bekannter traditioneller Religionsinstitute

Tag 4

Aufzeichnung der TV-Diskussion

Tag 5

Freitagspredigt zum Thema in den zentralen Moscheen von Kabul und Herat

Tag 6

Abreise der Gäste

Sämtliche öffentlichen Auftritte werden digital aufgezeichnet und als Teil der Publikation veröffentlicht, die am Ende der Seminarwoche erstellt wird.

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Veranstaltungsort

Kabul

Publikation

Gegen Selbstmordattentate - Die Kabuler Resolution: KAS-Posteraktion zur Ächtung des Selbstmordattentat als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Islam
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Kontakt

Dr. Babak Khalatbari

Head of the KAS office in Pakistan

Das Selbstmordattentat - eine Straftat gegen den Islam?

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Auslandsbüro Afghanistan