Veranstaltungsberichte

"Medienkriege" in Argentinien und Lateinamerika und der Journalistenberuf in Kuba

Viertes Treffen des PLEA- Programms: „Medienkriege“ in Lateinamerika

Am 20. September fand die vierte Veranstaltung des „Programa Latinoamericano de Extensión Académica (PLEA)“, organisiert von CADAL (Centro para la Apertura y el Desarrollo de América Latina) und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Argentinien, in der Universität CEMA statt.

Das PLEA ist ein akademisches Programm und will Aspekte der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rolle Lateinamerikas aufzeigen. Die Zielgruppe sind vor allem Studenten unter 30 Jahren.

Mit Fernando Ruiz, Professor für Kommunikationsgeschichte an der Universidad Austral, und Reinaldo Escobar, kubanischer unabhängiger Journalist und Chefredakteur des Nachrichtenblogs www.14ymedio.com, referierten zwei ausgewiesene und anerkannte Experten.

Ruiz fragte zunächst, welche Macht der Journalismus in einem Staat ausüben solle und dürfe: „Journalismus kann Dinge sichtbar oder unsichtbar machen. Er kann sie besonders betonen oder einrahmen, sodass die Information zu bestimmten Interpretationen führt.“ Anschließend gab Ruiz einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Journalismus in Lateinamerika seit dem Mauerfall. Als „Ideenkampf“ bezeichnete er die Auseinandersetzung zwischen konservativen und reformistischen Medien, in Widerspiegelung der gegensätzlichen politischen Ideen in Lateinamerika in den 1980er und 1990er Jahren. Zu dieser Zeit übernahmen in Lateinamerika zunehmend linkspopulistische Politiker die Regierung in ihren Ländern: angefangen mit Hugo Chávez in Venezuela 1999, gefolgt von Néstor Kirchner in Argentinien 2003, Evo Morales in Bolivien 2006 und Rafael Correa in Ecuador 2007. Daraufhin seien regelrechte „Kriege“ zwischen Regierungen und Medien entstanden, so Ruiz. „Die Regierungen machten die Medien zum Feind und begannen so ideologische Auseinandersetzungen, die zu regelrechten Medienkriegen führten.“ Zugleich habe dieser „Krieg“ für viele Journalisten zur Konsequenz, dass ihre Rolle als Journalist in den Hintergrund trete und die Rolle des Bürgers, des „Medienkriegers“, in den Vordergrund.

Ob es diese Form von Medienkriegen auch in demokratischeren Ländern gäbe, fragte ein Teilnehmer der Veranstaltung. „Es gibt einen Unterschied zwischen der Kommunikation einer Meinung und einem Medienkrieger, dem es in erster Linie darum geht, der Regierung ihre Legitimation zu entziehen“, antwortete Ruiz.

Reinaldo Escobar klärte im Anschluss über die Berufsbedingungen für Journalisten in Kuba auf. Escobar arbeitete von 1973 bis 1986 für das Magazin Cuba Internacional und anschließend bei der Zeitung Juventud Rebelde, die er 1988 wegen politischer Differenzen verlassen musste. Seitdem ist er als unabhängiger Journalist und heute als Chefredakteur des Nachrichtenblogs www.14ymedio.com tätig. Er erklärte, wie die kubanische Regierung die Medien kontrolliert, indem sie beispielsweise Chefredakteure auswählt und Inhalte vorgibt. Außerdem sei der Auswahlprozess in den journalistischen Studiengängen nicht nur ein akademischer, sondern auch ein politischer. „Es werden Personen ausgesucht, die bereit sind, ihre Integrität dem regierungstreuen Journalismus zu opfern.“

Escobar verdeutlichte, dass es in Kuba ein steigendes Bewusstsein gäbe, welche politischen und sozialen Auswirkungen der eingeschränkte Internetzugang habe: „Das ist schon kein Stillstand mehr, das ist Rückschritt“, sagte er.

Am Ende hatten die Teilnehmer noch eine Reihe von Fragen an Escobar, vor allem zur praktischen Funktionsweise des Bloggens aus Kuba. Escobar erklärte, dass sein Blog nicht von anderen Ländern finanziert werde, er aber auf die Mitarbeit von „Außendienstmitarbeitern“ angewiesen sei, die die Artikel aus dem Ausland hochladen.