Vortrag

"Das Königreich Nepal - im Spannungsfeld zwischen Hindukush und Himalaya"

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Vortrag

In ihrem Vortrag umriss Frau Bauknecht die turbulenten Ereignisse in Nepal seit 1990, als die parlamentarische Demokratie im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie eingeführt wurde.

Trotz dieser Reformen sei die Machtposition der großen Parteien erhalten geblieben. Dies habe, so die Honorargeneralkonsulin, unter den kleineren Parteien zu der Erkenntnis geführt, dass sie im politischen Alltag des Landes chancenlos seien. Als Folge hätten sich vor gut sieben Jahren maoistische Rebellen entschlossen, auf der Grundlage eines radikalen kommunistischen Manifests, im Untergrund für ihre Macht zu kämpfen. Die arme und ungebildete Landbevölkerung habe sich zu einem großen Teil den terroristischen und erpresserischen Methoden der Maoisten angeschlossen. Ferner hätten ausländische fundamentalistische Gruppen die Aufrüstung der Rebellen mit finanziellen und logistischen Mitteln unterstützt. Frau Bauknecht schilderte die Brutalität der Aufständischen, die – insbesondere im Westen Nepals - eine zunehmende Landflucht verursacht habe.

Die dramatischen Ereignisse auf politischer und gesellschaftlicher Ebene hätten schließlich in der Ermordung eines Großteils der Königsfamilie durch Kronprinz Dipendra am 01. Juni 2001 gegipfelt. Indem sie diesen Königsmord als politisches Komplott bezeichneten, hätten die Maoisten die nepalische Bevölkerung durch Agitation in Chaos und Anarchie stürzen wollen. Für den 21. September 2001 sei sogar ein großer Marsch auf die nationalen Institutionen in der Hauptstadt Kathmandu geplant worden, der aber schließlich durch die Anschläge vom 11. September verhindert worden sei - eine „Rettung“ für Nepal, wie Frau Bauknecht mit Bestürzung feststellte. Aufgrund der dramatischen Ereignisse sei das Ausland erstmals auf das einzige hinduistische Königreich der Welt aufmerksam geworden. Die Maoisten seien scharf vom Europäischen Parlament kritisiert worden. Auch die indische Regierung habe sich besorgt gezeigt. Zum einen wegen der gefährdeten strategischen Bedeutung des Landes als zentralasiatische Pufferzone zwischen Indien und China, zum anderen aufgrund des Wasserreichtums Nepals, von dem die indische Industrie in hohem Maße abhängig sei.

Am 26. November 2001 habe König Gyanendra die Maoisten zu Terroristen erklärt und den Ausnahmezustand verhängt. Es sei zur Spaltung der regierenden Volkspartei Nepali Congress (NC) und dem lauten Ruf nach Neuwahlen gekommen. Der König habe jedoch die einzige Rettung für Nepal in der Entlassung der gesamten Regierungsmannschaft und der Einberufung einer Interimsregierung gesehen, die weitgehend aus Technokraten bestanden habe.

Abschließend äußerte sich Frau Bauknecht erfreut über die positive innere Entwicklung Nepals seit Beginn des Jahres 2003. Insbesondere das große Interesse der USA an dem Land und die gemeinsame Erstellung einer Absichtserklärung zum künftigen Umgang mit Terroristen habe die Maoisten erheblich geschwächt. Da am 27. April 2003 die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen worden seien, gebe es berechtigte Hoffnung auf Verfassungsänderungen, zugunsten der kleineren politischen Parteien, der Landbevölkerung und einer gerechteren Sozialordnung. Frau Bauknecht betonte, dass die Weltgemeinschaft Nepal nicht vergessen dürfe, wenn sie tatsächlich Frieden auf der ganzen Welt anstrebe.

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Veranstaltungsort

Europabüro der Konrad-Adenauer-Stiftung, Avenue de L´Yser 11, 1040 Brüssel

Referenten

  • Frau Ann-Kathrin Bauknecht
    • Honorargeneralkonsulin des Königreichs Nepal
      Kontakt

      Dr. Peter R. Weilemann †

      _Das Königreich Nepal - im Spannungsfeld zwischen Hindukush und Himalaya_

      Bereitgestellt von

      Europabüro Brüssel