Veranstaltungsberichte

Kirche und Politik in Bulgarien

von Marco Arndt
Am letzten Maiwochenende diskutierten 71 Vertreter aus Politik und Kirche, wie "politisch" Kirche sein soll und wie "christlich" Politik sein kann.

Professor Alexander Omarschevski bedauerte in seinem Vortrag, dass die EU sich nicht explizit auf christliche Werte im Vertrag von Lissabon beruft ("religiöses Erbe", nicht christliches). Der Wertekanon sei zu wenig theozentrisch und zu sehr anthropozentrisch. Es werde mit Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften und Atheisten argumentiert. Die EU sollte aber auf die christlichen Wurzeln Rücksicht nehmen, auch wenn die EU die Kirche in Artikel 52 anerkennt.

Professor Pavlov sprach sich für eine aktivere Rolle der Kirche in Gesellschaft und Politik aus. Kirche muss sich einmischen, wenn es darauf ankommt. Zudem bestünden gewisse Erwartungen der Gläubigen, vor allem auf sozialem Gebiet. Pavlov befürchtet, dass die kulturelle Überlieferung kirchlicher Tradition in den letzten 25 Jahren Schaden genommen hat, weil die Generationen dies nicht mehr ausreichend täten.

Ähnlich äußerte sich Professor Andonov. Angesichts falscher Idole und Werteverfall könne das christliche Wertesystem Großes leisten. Die Kirche müsse auf die gesellschaftlichen Herausforderugnen eine Antwort geben und dürfe sich nicht auf sich selbst zurückziehen. Seit dem EU-Beitritt sei die Kirche aktiver geworden, vor allem in der Sozialarbeit.

Professor Uzunov appellierte an eine neue Moral in der Wirtschaft. Es müßten die langfristigen Interesse dominieren, nicht der kurzfristige Profit. Die Konsequenzen des wirtschaftlichen Handelns müssten immer mitbedacht werden. Angesichts des in Bulgarien herrschenden "Nomenklatur-Kapitalismus" müsse die Kirche Normen und Werte entwickeln und diesen Gehör verschaffen.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Wilfried Martens Center for European Studies statt.