Veranstaltungsberichte

Bedeutung des Internetwahlkampfes wird zunehmen

von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff
Das Internet ist aus der politischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Es ist nicht nur ein Instrument zur ungefilterten Darstellung und raschen Aktualisierung von Botschaften von Kandidaten, Amts- und Mandatsträgern, sondern auch zur Mobilisierung und Koordination von Parteimitgliedern, Wählern und Spendern. Seine Rolle in Wahlkämpfen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Seminar „Internetwahlkampf“ vermittelte den Teilnehmern einen vertieften Einblick in die Thematik.

Zusammenfassung

  • Der Aufstieg des Internets zum Massenmedium hat die Art und Weise der politischen Kommunikation verändert und um zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten erweitert. Vor allem am Beispiel neuer sozialer Bewegungen, wie ATTAC, kann man sehen, welche überragende Bedeutung das Internet zur schnellen Mobilisierung von Aktivisten bei der Durchführung von Kampagnen hat. Diese sogenannten Graswurzel-Kampagnen nutzen vor allem die sozialen Netzwerke facebook, twitter, Youtube und natürlich E-Mail.
  • In den USA ist die Verwendung des Internets in politischen Kampagnen wesentlich stärker ausgeprägt als in Deutschland. Zumindest für den Wahlkampf Barak Obamas spielte das Internet für das Direct-Marketing und Fundraising die entscheidende Rolle. Außerdem bietet das Internet den Vorteil, ohne den Filter der klassischen Medien direkt mit den Wählern zu kommunizieren. Barak Obama ließ zu Beginn seines Wahlkampfs über 100.000 Blackberrys an Helfer verteilen, was die Kommunikation erheblich beschleunigte. Insgesamt wurden mehr als 1 Milliarde E-Mails verschickt. 13 Millionen Personen standen auf der E-Mail-Liste Barak Obamas.
  • Auf den kommenden bundesdeutschen Wahlkampf sind die amerikanischen Erfahrungen aber nicht ohne weiteres übertragbar. Zwar wird die Bedeutung des Internetwahlkampfs deutlich zunehmen, aber das bedeutet keinen Verzicht auf die klassischen Wahlkampfinstrumente. Immer noch kann ein großer Teil der deutschen Wähler besser über die klassischen Instrumente erreicht werden. Voraussichtlich wird das Internet erhebliche Bedeutung als schnelles und kreatives Kampagneninstrument erlangen, auf das keine Partei verzichten kann. Insbesondere zur Gegnerbeobachtung, zum „negative campaigning“ und zur „rapid response“ ist das Internet wie kein zweites Medium geeignet. Auch die Steuerung von Unterstützer-Kampagnen wird in Zukunft überwiegend über das Internet stattfinden.
  • Bei Online-Kampagnen sind allerdings, wenn sie erfolgreich sein sollen, bestimmte Kriterien zu beachten. Gerade bei der Verwendung von E-Mail-Kampagnen werden viele Fehler gemacht und häufig rechtliche Vorgaben nicht eingehalten. Aber auch die Nutzung sozialer Netzwerke im Rahmen politischer Kampagnen muss sich aus dem Gesamtzusammenhang ergeben und authentisch wirken; anderenfalls ergeben sich schnell nachteilige Effekte.
  • Ein wesentlicher Teil des Seminars widmete sich dem erfolgreichen Web-Auftritt. Eine gut gestaltete Website zeichnet sich durch Übersichtlichkeit, Aktualität, gute Navigation (keine toten Links) und professionell gestaltetes Bildmaterial aus. Vor allem bei der Auswahl des Bildmaterials sind urheberrechtliche Fragen zu beachten.
  • Anhand von Vorschlägen aus den Teilnehmerkreis wurden die Stärken und Schwächen von Webauftritten analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet.