Veranstaltungsberichte

Migranten als Zielgruppe politischer Kommunikation

von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff
In politischen Entscheidungsprozessen spielen Vertreter von Migranten oder Migrantenorganisationen nur eine untergeordnete Rolle. Auch in den politischen Parteien ist diese Bevölkerungsgruppe bislang eher schwach vertreten und wirkt am Prozess der politischen Willensbildung nur begrenzt mit. In diesem Feld auf eine dauerhafte Veränderung hinzuwirken war Ziel des Seminars „Migranten als Zielgruppe politischer Kommunikation“.

Nach einem Überblick über die Situation der Migranten in Deutschland wurden die etwa 20 Teilnehmer zunächst in die Besonderheiten der Mentalität türkischstämmiger Bürger eingeführt. Auch die daraus resultierenden Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Deutschstämmigen und Migranten wurden thematisiert, wobei auf die Notwendigkeit der gegenseitigen Respektierung mentalitätsbezogener Eigenheiten hingewiesen wurde.

Serap Celen, Sprecherin des Integrationsministeriums von Nordrhein-Westfalen, erläuterte die Integrationspolitik der Landesregierung. Sie verwies dabei auch auf den „Aktionsplan Integration“, mit dem unter anderem der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst erhöht werden soll. In einigen Bereichen - beispielsweise bei der Polizei - seien bereits Erfolge zu verzeichnen, während in anderen Teilen des öffentlichen Dienstes - vor allem bei den Lehrern – weiterhin erhebliche Defizite beständen.

Einen weiteren Themenpunkt stellte die Rolle der Aleviten in der Islam-Diskussion dar. Obwohl sich ca. 600.000 Personen in Deutschland zu dieser Glaubenrichtung bekannten, werde die Glaubensgemeinschaft in der Öffentlichkeit häufig vergessen, wie Ali Toprak, Generalsekretär der Aleviten in Deutschland, mit Bedauern feststellte. Er erläuterte in der Folge die Grundzüge des alevitischen Glaubens und bot seine Gemeinschaft als offenen Ansprechpartner für einen gesellschaftlichen Dialog an.

Zur Vertiefung der Thematik standen auch Berichte von Praxiserfahrungen auf der Tagesordnung. Andreas Wojcik erläuterte das „Leadership-Programm“ der Bertelsmann-Stiftung - ein Workshop für Führungskräfte aus Migrantenorganisationen – aus der Sicht eines ehemaligen Teilnehmers. Cemile Giousouf, bei der letzten Kommunalwahl Kandidatin für die CDU in der Region Aachen, beschrieb, mit welchen speziellen Schwierigkeiten ein Kandidat mit Migrationshintergrund zu kämpfen hat.

Der letzte Teil der Veranstaltung widmete sich der Gruppe der Spätaussiedler aus den ehemaligen GUS-Staaten. Kommunikationswissenschaftlerin Eleonora Heinze wies hierbei auf existierende soziale Probleme hin und erläuterte neben den organisatorischen Strukturen auch die Möglichkeiten zur verstärkten gesellschaftlichen Einbindung der Migrantengruppe.