Veranstaltungsberichte

Politisches Kommunikationsmanagement

von Robert Grünewald
Die Krise der klassischen Medien und die Folgen der veränderten Kommunikationsbedingungen der Politik diskutierten Wissenschaftler, Medienschaffende und Kommunikationsexperten im Bildungszentrum Schloss Eichholz in Wesseling bei Bonn.

Ein düsteres Bild von der Zukunft der gedruckten Tageszeitung zeichnete Jürgen Wilke, Professor für Publizistik an der Universität Mainz u. a. mit dem Hinweis auf drastisch sinkende Abonnentenzahlen und schwindende Zeitbudgets der Leser, die dem Vordringen des Internets in den Alltag der Menschen geschuldet seien. Sein Szenario gipfelte in dem Hinweis auf eine amerikanische Studie, nach der bis zum Jahre 2040 die letzte gedruckte Zeitung verschwunden sein wird.

Dem mochte sich Klaus Spachmann von der Universität Stuttgart-Hohenheim nicht anschließen. Im Gegenteil: Er berichtete von einer Umfrage unter Chefredakteuren, die die Zukunft ihres Mediums nach wie vor optimistisch sähen. Zwar könne man die existenzbedrohende Konkurrenz des Internets nicht leugnen, doch werde man mit einer Reihe von Maßnahmen wie z. B. stärkerer Einbindung der Leser, einer Modernisierung der Berichterstattung und der Umstellung von der gedruckten Zeitung auf mehrkanalige Ausgaben die Krise managen können.

Skeptisch zeigte sich dazu allerdings Wiebke Möhring, Professorin an der Fachhochschule Hannover. Die Zeitungen hätten schon jetzt die Entwicklung völlig verschlafen. Dabei besäßen gerade die Lokalzeitungen mit ihrem engen Bezug zur Region ein Pfund, mit dem sich in der Konkurrenz mit dem Internet wuchern ließe. Nirgendwo sei ein Medium so nah am Bürger wie im Lokalteil der Zeitung. Auch das Interesse der Zeitungsleser an der Lokalberichterstattung sei trotz der starken Konkurrenz anhaltend stabil, wenn man den Umfragen glaubt. Die Zeitungen müssten nur endlich begreifen, dass im Lokalen ihre Zukunft liegt.

Dass indes den klassischen Medien in der Krise die Medienpolitik zu Hilfe eilen wird, das glaubt Steffen Grimberg, Medienredakteur der „taz“ eher nicht. Zwar sei in der medienpolitischen Diskussion zurzeit vieles im Gespräch wie z. B. eine Liberalisierung des Pressefusionsrechts, ein eigenes Leistungsschutzrecht für die Verlage oder gar eine Medienabgabe zur Stützung der Zeitungen. Dies alles sei aber unrealistisch, da erstens Medienpolitik keine Konjunktur mehr habe und zweitens überall die EU-Kommission ihre Vorbehalte anmelden werde, wie man es schon bei der Rundfunkgebühr zu spüren bekommen habe.

Die schon jetzt spürbaren Folgen einer drastisch sich verändernden Medienwelt führte Sebastian Lange, Chefredakteur der Zeitschrift „politik&kommunikation“ der Runde vor Augen. Ausgedünnte Zeitungsredaktionen, das Verschwinden des Recherche-Journalismus und die Internet-Dominanz im politischen Berufsalltag führten dazu, dass politische Kommunikationsprofis gegenüber den Medien immer leichteres Spiel hätten. Die Politik mache sich dies zunutze und wachse immer stärker in die eigentlich den klassischen Medien vorbehaltene Rolle der Meinungsmacher hinein. Twitternde Politiker seien der Beleg dafür, dass man die Medien nicht mehr unbedingt für die Information der Öffentlichkeit brauche. Absender und Medium verschmölzen, vom Leitmedium Politik sei immer mehr die Rede.

Dies mochte die abschließende Diskussionsrunde so nicht unkommentiert stehen lassen. Peter Schiwy und Günther von Lojewski, ehemalige Rundfunkintendanten und Kommunikationsprofis mithin, waren ganz unterschiedlicher Auffassung, wer denn nun im Kommunikationsprozess der Getriebene sei, Politik oder Medien. Wie politische Kommunikation zu managen sei, musste sich die Politik schon immer fragen. Dass diese Frage sich jetzt auch die Medien gänzlich neu stellen, zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben.