Workshop

Die Mittelschicht in China

Am 26. März veranstaltete die ''Konrad-Adenauer-Stiftung'' Shanghai gemeinsam mit der ''Fudan Universität'', einen Workshop zur Rolle der Mittelschicht in China in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Details

Mittelschichten spielen in den aufstrebenden Nationen (emerging countries) eine immer wichtiger Rolle - nicht nur als kaufkräftige Konsumenten. Im Rahmen eines globalen Projektes der Konrad-Adenauer-Stitung soll in ausgewählten Ländern der Aufstieg dieser gesellschaftlichen Gruppe genauer untersucht werden. In Asien werden dies die Volksrepublik China und Indien sein.

Zur Vorbereitung der Länderstudie China hatte das KAS-Büro Shanghai in Kooperaton mit der Fudan Universität Shanghai führende chinesische Experten aus Soziologie und Politikwissenschaften zu einem Expertengespräch eingeladen.

Zunächst debattierten die Teilnehmer die Definition von Mittelschicht in China und die Frage, inwieweit westliche Mittelschichts-Konzepte auf China angewendet werden können. Prof. Dr. Liu Xin, Direktor des Instituts für Soziologie der Fudan Universität, erläuterte, dass die wichtige Rolle von Staatseigentum in der Volksrepublik einen entscheidenden Ausgangspunkt für die Definition der Mittelschicht in China darstellt. Im Unterschied zu westlichen Konzepte muss deshalb das politische System bei der Einteilung der Gesellschaft in Schichten viel stärker berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Wen Jun, Direktor des Instituts für Soziologie der East China Normal University, nannte die enorme Diskrepanz zwischen objektiver Zugehörigkeit und subjektiver Zuordnung zu gesellschaftlichen Schicht als weiteres Problem bei der Definition der Mittelschicht. Viele Angehörige der Mittelschicht sind sich ihres Status nicht bewusst und glauben, sie würden zur unteren Schicht gehören. Dies führten die Experten wesentlich auf die Angst vor einem sozialem Abstieg zurück, die u.a durch die gegenwärtig hohe Inflation und rapide steigende Immobilienpreise genährt werden.

Prof. Qiu Liping, Direktor des Instituts für Soziologie der Shanghai Universität und Prof. Zhou Yi vom Institut für Soziologie der Fudan Universität, versuchten in ihren Beiträgen nachzuweisen, dass die ökonomische Bedeutung der Mittelschicht zwar wachse, ihnen von Seiten des Staates aber nicht genug Unterstützung zukomme. Die finanzielle Belastung der Mittelschicht durch steigende Lebenshaltungskosten und hohe Steuern sei gewaltig.

In Bezug auf die soziale und politische Rolle der Mittelschicht in China stellten die Teilnehmer zunächst fest, dass für diese Gruppe das Thema Soziale Gerechtigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Prof. Gui Yong vom Institut für Soziologie der Fudan Universität legte dar, dass die Mittelschicht sich seit den 1990er Jahren aktiv für die Durchsetzung ihrer Interessen einsetzt. Als Beispiel nannte er Proteste gegen die Verletzung von Eigentumsrechten sowie Umweltschutz und Gesundheitsfragen. Dieses Engagement sei jedoch (noch) nicht institutionalisiert, sondern in der Regel eine spontane Reaktion von relativ kleinen Interessengemeinschaften auf als Verletzung ihrer Interessen wahrgenommene Ereignisse.

In der abschließenden Diskussion stellten die Teilnehmer fest, dass sich in der Volksrepublik China erst allmählich das Bewusstsein, zur Mittelschicht zu gehören, herausbilde. Es gibt Anzeichen dafür, dass im Zuge dieses Prozesses die Angehörigen der Mittelschicht nach und nach auch mehr soziale und politische Mitbestimmungsrechte einfordern werden. Im Unterschied zu westlichen Ländern handle es sich bei der chinesischen Mittelschicht allerdings nicht um eine, eher an der Aufrechterhaltung des Status Quo interessierte Gruppe. Ganz im Gegenteil: ein Großteil der Angehörigen der Mittelschicht empfinde die eigene Lage als prekär und ist daher stark an Reformen interessiert. Der Aufbau eines funktionierenden sozialen Sicherungssystems könnte zu einem Wandel dieser Selbsteinschätzung beitragen. Die Teilnehmer des Workshops waren sich einig, dass die Stabilität der chinesischen Gesellschaft mittelfristig davon abhängen wird, ob es gelingt die Mittelschicht zu verbreitern und gleichzeitig ihre Bedürfnisse nach sozialer Absicherung und Partizipation zu erfüllen.

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Veranstaltungsort

Shanghai

Referenten

  • Prof. Liu Xin
    • Fudan Universität
      • Dr. Peter Hefele
        • Direktor Konrad-Adenauer-Stiftung Shanghai
          • Prof. Li Yu
            • Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaften
              • Prof. Qiu Liping
                • Shanghai Universität
                  • Prof. Zhou Xiaohong
                    • Nanjing Universität
                      Einführung durch Dr. Peter Hefele KAS Shanghai
                      Workshop KAS Shanghai
                      Gruppenbild Workshopteilnehmer KAS Shanghai