Veranstaltungsberichte

Duale Ausbildung: Ein Modell für Costa Rica?

von Sergio Araya, Graciela Incer Brenes, Lisa Schneider

KAS und Projektpartner luden zu Diskussionsrunden

Am 6. Oktober fanden zwei Veranstaltungen zum Thema duale Ausbildung statt. Das Ziel war, den Teilnehmern fundierte Kenntnisse über das deutsche Modell und seine Vorteile im sozialen Bereich und für die Gesamtentwicklung des Landes zu vermitteln. Darüber hinaus sollten der Stand der Dinge in Bezug auf rechtliche und politische Fragen für die Implementierung in Costa Rica beleuchtet und praktische Erfahrungen vorgestellt werden.

Seit einigen Jahrzehnten gibt es in Costa Rica mehrere erfolgreiche Initiativen zur dualen Ausbildung. Das System, welches theoretisches Lernen mit praktischer Ausbildung in Unternehmen verbindet, wurde in technischen Berufen sowie in der Hochschulbildung in einer Universität und in manchen Studiengängen implementiert. Im technischen Berufsbereich gibt es einige Studierende, die neben dem Unterricht durch das nationale Bildungsinstitut INA mit dem dualen System eine Ausbildung in den Unternehmen machen. Auch einige Firmen aus dem Tourismus- und Hotelsektor haben dieses System übernommen. Der theoretische Teil der Ausbildung findet an der Hochschule „Invenio“ in Tilarán in der Provinz Guanacaste statt.

Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, ein Gesetz zu verabschieden, um das System der dualen Ausbildung als formellen Bildungsweg zu legalisieren. Besagtes System könnte die Jugendarbeitslosigkeit und die Zahl der „ninis“ (Jugendliche, die weder studieren, noch arbeiten) bedeutend verringern, und den Mangel an technischen Fachkräften in bestimmten Bereichen ausgleichen. Wenn die Unternehmen dafür zuständig wären, Auszubildende anzuwerben, würde die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte verringert und der Überschuss in einigen Berufsbereichen würde besser kanalisiert. Die duale Ausbildung ist damit auch eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass die Berufsausbildung proportional zu den Bedürfnissen des Marktes stattfindet. Allerdings haben zwei verschiedene Gesetzesentwürfe zu dieser Materie unlängst die Aufmerksamkeit von Bildungsgewerkschaften erregt, die sich offen gegen die Implementierung der dualen Ausbildung positionieren. Gegen die duale Ausbildung führen sie an, Lehrkräfte verlören durch sie ihre Arbeit und Auszubildende würden von den Unternehmen ausgenutzt, für die sie zu geringen Lähnen und ohne Garantie auf eine Festanstellung arbeiten müssten.

Das hat, eng verbunden mit den inhaltlichen Unterschieden der beiden Gesetzesentwürfe, dazu geführt, dass der formelle und gesetzliche Prozess der Implementierung der dualen Ausbildung ins Bildungssystem zum Stillstand gekommen ist.

In diesem Kontext fand am 6. Oktober die Veranstaltung „Duale Ausbildung: ein Mechanismus zur Verbesserung der sozioökonomischen Bedingung für Jugendliche“ statt. Das Hauptaugenmerk lag darauf, die Teilnehmer über die Funktionsweise des Systems zu informieren und dabei seinen sozialen Nutzen sowie seinen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung des Landes hervorzuheben.

Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Unternehmerverbands für Entwicklung (AED), der deutsch-costaricanischen Industrie- und Handelskammer (AHK), dem Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit (MTSS), dem nationalen Bildungsinstitut (INA) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) organisiert und durchgeführt. Gastrednerin war Eva Rindfleisch, Expertin zum Thema Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Nach der Begrüßung durch AHK, KAS und AED sowie einer kurzen Einführung von Carlo Rojas (ILO), in der er den Standpunkt und die Unterstützung der Vereinten Nationen für das Bildungsmodell verdeutlichte, führte Rindfleisch durch den ersten Teil der Veranstaltung. Sie erklärte die Grundzüge des Modells sowie seinen generellen Nutzen. Zudem erläuterte sie die Rolle von verschiedenen beteiligten Akteuren und betonte, dass „die Implementierung des Systems ohne politischen Willen nicht möglich ist“. Darüber hinaus sprach sie über die große Verantwortung, die Unternehmen auf sich nähmen, wenn sie das Modell in die Praxis umsetzten, und stellte vor, wie Auszubildende vor möglichen Verletzungen in ihren Rechten als Arbeitnehmer und Schüler geschützt würden.

Die Präsentation der praktischen Funktionsweise des deutschen Systems durch Eva Rindfleisch wurde mit der aktuellen Lage der Rechtsfrage und der politischen Situation des Themas innerhalb Costa Ricas verknüpft. Zuständig dafür war Ronald Segura, Berater des Arbeitsministeriums und Mitglied des Ausschusses „Allianz für Beschäftigung und leistungsfähige Entwicklung“, der versucht, einen gemeinsamen und integrativen Entwurf aus beiden Gesetzesvorschlägen zu erarbeiten. Segura erklärte die Unterschiede zwischen den beiden bestehenden Gesetzesentwürfen, dem integrativen Vorschlag sowie Chancen und Herausforderungen der Implementation in Costa Rica. Er animierte die Bevölkerung, sich mehr in das Projekt einzubringen und es so voranzutreiben.

Abschließend ergänzte Olga Hidalgo vom nationalen Bildungsinstitut INA praktische Erfahrungen mit der Implementation des Systems im Land. Zum Schluss der Veranstaltung konnten die zahlreich erschienenen Teilnehmer aus verschiedensten Bereichen Fragen und Anmerkungen hervorbringen.

Für den Abend hatte der stellvertretende Parlamentspräsident zu einem Seminar eingeladen. Es sollte dazu dienen, verschiedene rechtliche und institutionelle Mechanismen zu analysieren, mit Hilfe derer Strategien des privaten Sektors und der öffentlichen Politik unterstützt werden können, mit dem Ziel, die junge Bevölkerung Costa Ricas effektiv einzugliedern. In diesem Rahmen stellte die Expertin Eva Rindfleisch die Hauptmerkmale und die Funktionsweise des Modells der dualen Ausbildung in Deutschland vor. Der costaricanische Unternehmenssektor präsentierte die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage des Arbeitsmarktes für Jugendliche. Zu diesem Zweck gab die Vorstandsvorsitzende der UCCAEP einen Überblick darüber, welche Anforderungen die Industrie- und Handelskammern an die Arbeitskraft stellen. Außerdem erklärte sie, in wieweit dies in den (Aus-)Bildungsprozess der Jugendlichen einbezogen werden müsse, damit sie das gewünschte Profil erfüllen und so für die Arbeitswelt attraktiv sind.

Ergänzend dazu, gab die Firma Manpower eine Einschätzung der Herausforderungen der Jugend, die die Wettbewerbsfähigkeit für den Arbeitsmarkt deutlich einschränken. Die Angehensweisen dieser Problematik von öffentlichen Institutionen wurden detailliert vom Arbeitsminister und vom Vorsitzenden des INA dargestellt. Abschließend stellte der Abgeordnete und stellvertretende Parlamentspräsident Luis Vásquez durch seinen parlamentarischen Berater und gleichzeitigen Vorsitzenden der Parteijugend der PUSC die Inhalte des Gesetzesentwurfs vor, der unter seiner Leitung ausgearbeitet wurde. Der Entwurf zielt vor allem darauf ab, dem Produktionssektor ausreichend Anreize zu bieten, um Jugendliche einzustellen. Die Veranstaltung gipfelte in einem Dialog mit wichtigen Persönlichkeiten der Parteijugenden, die im Parlament vertreten sind. Dabei reagierten sie auf die während des Abends angesprochenen Problemstellungen.