2019

Gewinner des Deutschen Lokaljournalistenpreises

Die Jury des von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeschriebenen Deutschen Lokaljournalistenpreises unter dem Vorsitz von Heike Groll, leitende Redakteurin in der Chefredaktion der Volksstimme, hat unter den insgesamt 362 Einsendungen des Preisjahrgangs 2019 ihre Entscheidung getroffen:

 

1. Preis: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag sh:z für das multimediale Langzeitprojekt „Man kann nicht jedes Kind retten - Wie eine Grundschule gegen Gewalt unter den Kleinsten kämpft“

Der Ausgangspunkt waren immer zahlreicher werdende Berichte über Gewaltvorfälle an Grundschulen. Aber wie stellt sich Gewalt konkret dar, und wie begegnet man ihr? sh:z- Reporterin Dana Ruhnke begleitete ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich die dritte Klasse einer Grundschule, die als Brennpunktschule gilt. Ihre multimediale Serie beleuchtet einen Mikrokosmos, in dem Kinder mehrerer Nationen, mit unterschiedlicher sprachlicher, emotionaler und sozialer Kompetenz zusammenkommen und in dem vor Lesen, Schreiben und Rechnen erst einmal Grundlagen für das Zusammenleben erlernt werden müssen. Ohne die gebotene journalistische Distanz zu verlieren, zeigt die Autorin mit großem Einfühlungsvermögen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beispielhaft die Herausforderungen und Chancen, Erfolge und Rückschläge, denen Schüler, Lehrer und Eltern tagtäglich gegenüberstehen. Das Projekt setzt sich auf Basis einer außergewöhnlich fundierten Recherche und unter klugem Einsatz multimedialer Darstellungsformen mit einem hochrelevanten gesellschaftlichen Thema auseinander – herausragender Lokaljournalismus.

 

2. Preis: Zeitungsverlag Waiblingen für die Serie „Der Amoklauf in Winnenden - Zehn Jahre danach“

Mit ihrer Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden am 11. März 2009 hatte die Lokalzeitung bereits damals Maßstäbe gesetzt und bis heute nachwirkende Debatten in der Gesellschaft, Politik und Medien befördert. Zum zehnten Jahrestag greift sie das Thema noch einmal in einer 15-teiligen Serie auf, und erneut wählt die Redaktion einen Weg, der die lokale Berichterstattung fundamental von der überregionalen und internationalen Darstellung unterscheidet. Ihre Maxime: die Opfer und die ihnen nahestehenden Menschen nicht ein zweites Mal zu Opfern zu machen. Nüchtern und sachlich erzählen die Journalisten, was geschehen ist, wie es den Menschen heute geht und – vor allem – welche Lehren aus dem Amoklauf gezogen wurden und wo nach wie vor Defizite bestehen. Ein Lehrbeispiel für verantwortungsvollen, professionellen Lokaljournalismus.

 

3. Preis: Badische Neueste Nachrichten für die investigative Recherche "Das Gift in uns – der PFC-Skandal in Mittelbaden"

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Mittelbaden zur Kulisse eines der größten Umweltskandale in der Geschichte der Bundesrepublik geworden, mit fast 1000 Hektar belasteten Ackerflächen und Gift im Grundwasser. Die Redakteure Julia Weller und Markus Pöhlking und die freie Journalistin Patricia Klatt stellen in ihrem Print- und Online-Dossier umfassend dar, welche Auswirkungen das Gift für die Region hat und warum die Schuldfrage schwer zu klären ist. Zudem machen sie deutlich, warum die Tragweite des Falles weit über Mittelbaden hinausgeht. Den Journalisten gelingt es, ihre akribische und detailreiche Recherche eines komplexen, auf Anhieb schwer zugänglichen Themas anschaulich und nachvollziehbar aufzubereiten – eine gelungene Vereinigung von Wissenschafts- und Lokaljournalismus.

 

Sonderpreis für Volontärsprojekte: die Volontäre der Südwest Presse, der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau für ihr gemeinsames Wende-Magazin „Ein Land“ zu 30 Jahren Mauerfall

Drei Zeitungen – ein Projekt: 22 Volontärinnen und Volontäre, alle nach 1989 aufgewachsen, schauen 30 Jahre nach dem Mauerfall mit „Ostblick“ und „Westblick“ auf unser Land. Was sie sehen, erleben und erfragen, fließt in ein 60-seitiges „Wende-Magazin“, das auch buchstäblich zum Umdrehen gedacht und in beide Richtungen lesbar ist. Das Konzept überzeugt, ebenso die differenzierte, von schnellen Vorurteilen freie Auseinandersetzung mit der Frage, wie es um das Zusammenwachsen von Ost und West heute bestellt ist. Facettenreich, sorgfältig recherchiert, frisch präsentiert – eine gelungene Kooperation der jüngsten Journalistengeneration.