Die Veranstaltung fand am Vorabend einer großen internationalen Konferenz des Auswärtigen Amts (19. Mai 2026) statt, die sich mit den Lehren aus der Ukraine im Bereich der Energiesicherheit befasste. In diesem breiteren politischen Kontext diente die Diskussion in der KAS als Expertenplattform für die Ausarbeitung eines substanziellen Beitrags zum europäischen Dialog über Resilienz, indem sie die praktischen Erfahrungen der Ukraine mit den Bedürfnissen der EU-Länder zusammenführte.
Die Teilnehmer wurden von Nils Wörmer, dem stellvertretenden Leiter der Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßt. In seiner Begrüßungsrede betonte Wörmer, dass die Erfahrungen der Ukraine mit dem Betrieb des Energiesystems unter ständigen Angriffen zeigen: die Energieresilienz ist ein Schlüsselelement der demokratischen Sicherheit und muss angesichts neuer hybrider Bedrohungen zu einer zentralen Priorität der europäischen Politik werden.
Die Präsentation von Olena Pawlenko und Roman Nizowytsch basierte auf den Ergebnissen der DiXi-Group-Studie „Holding the Grid: Ukraine’s Energy Resilience Playbook“ und widmete sich der Analyse der Funktionsweise des ukrainischen Energiesystems unter den Bedingungen anhaltender Angriffe sowie dessen Umgestaltung hin zu größerer Resilienz. Sie verband eine Bewertung des aktuellen Zustands des Energiesystems mit praktischen Erkenntnissen aus dem Krieg und skizzierte Ansätze für dessen Wiederaufbau nach dem Prinzip „Resilience by Design“.
Zu den für die EU relevanten praktischen Schlussfolgerungen zählten die Teilnehmer die Entwicklung dezentraler und flexibler Erzeugungskapazitäten, die Stärkung der Reservekapazitäten, die Einführung lokaler Lösungen (Mikronetze und Notstromversorgungssysteme) sowie den Schutz kritischer städtischer Infrastruktur. Die Präsentation hob zudem die Anfälligkeit zentralisierter Systeme, die Notwendigkeit der Beseitigung von Netzengpässen sowie den sektorübergreifenden Charakter der Energieresilienz hervor, welche die Wärmeversorgung, die Wasserinfrastruktur, die Kommunikation und kommunale Dienstleistungen umfasst.
An der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Stärkung der Energieresilienz: Von Erkenntnissen zum Handeln“ nahmen Lars Rohwer MdB und ein Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie, Wassyl Nowatschok, stellvertretender Bürgermeister von Chmelnyzkyj, sowie Julia Burmistenko, Leiterin der Abteilung für internationale Beziehungen bei DTEK, teil. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Christian Hübner, Leiter der Abteilung Globale Ressourcen und Nachhaltigkeit in der Hauptabteilung Analyse und Beratung, und zusammengefasst von Thomas Birringer, Leiter des KAS-Auslandsbüros in der Ukraine.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die These, dass die Energiewirtschaft ein Schlüsselelement der nationalen Sicherheit und der gesellschaftlichen Resilienz ist. Die Erfahrungen der Ukraine zeigen, dass eine Transformation der Energiesysteme unter Berücksichtigung hybrider Bedrohungen, Angriffe auf kritische Infrastrukturen und steigender Anforderungen an die Flexibilität stattfinden soll.
Im Rahmen der Diskussion konzentrierten sich die Teilnehmer auf die praktische Anwendung der ukrainischen Erfahrungen zur Stärkung der Resilienz der Energiesysteme in Europa. Die ukrainischen ReferentInnen, Wassyl Nowatschok und Julia Burmistenko, stellten wertvolle Erkenntnisse zur Bewältigung der Herausforderungen vor, die durch systematische russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur entstanden sind, insbesondere aus der Perspektive von Kommunen und der Privatwirtschaft. Sie betonten die Bedeutung einer schnellen Anpassung, der Entwicklung von Reservelösungen auf lokaler Ebene, einer effektiven Koordination zwischen Behörden und Unternehmen sowie der Gewährleistung der Kontinuität kritischer Dienstleistungen selbst unter den Bedingungen langanhaltender Stromausfälle.
Der Bundestagsabgeordnete Lars Rohwer betonte, dass die Erfahrungen der Ukraine als Orientierung für die weitere Umgestaltung der deutschen Energiepolitik dienen sollten, insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der Resilienz gegen Angriffe und Sabotage. Er forderte, die Energieresilienz als ein zentrales Prinzip der Energiepolitik zu betrachten und wies auf die Notwendigkeit hin, Kapazitäten wie Speicherkraftwerke aufrechtzuerhalten und auszubauen, flexible lokale Netze einzurichten sowie eine schnelle Wiederherstellung der Infrastruktur nach deren Beschädigung sicherzustellen. Besonders hob er die entscheidende Rolle einer effektiven Kommunikation mit der Bevölkerung hervor, die eine wichtige Voraussetzung für das Vertrauen der Gesellschaft und die Stabilität in Krisensituationen darstellt.
Die Beiträge lösten eine rege Diskussion mit dem Publikum aus, wobei die Teilnehmenden die Fähigkeit der Ukraine erörterten, unter den Bedingungen eines umfassenden Krieges Maßnahmen zur Energieeffizienz umzusetzen, sowie die Mängel bei der Planung für eine effektive Nutzung der westlichen Unterstützung besprachen, deren beispiellose Bedeutung im Laufe der Veranstaltung mehrmals hervorgehoben wurde.
Bei der Veranstaltung wurde die Bedeutung des Übergangs von der Krisenreaktion hin zu einem „Resilience by Design“-Ansatz betont, der die Integration von Flexibilität, Reservekapazitäten und Schutzmaßnahmen bereits in der Planungsphase von Energiesystemen vorsieht. Die vorgestellten Erfahrungen der Ukraine dienten als wichtiger Anhaltspunkt für die Gestaltung der EU-Politik im Bereich der Energiesicherheit angesichts wachsender geopolitischer Herausforderungen.
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