Bodenreform

Die Alliierten sahen zwar die Behandlung des besiegten Deutschlands als wirtschaftliche Einheit vor, doch verlief die B. in den Besatzungszonen unterschiedlich. In der SBZ stand sie mehr unter dem Vorzeichen der kommunistischen Ideologie (Kommunismus). Der „feudal-junkerliche Großgrundbesitz“ als „Bastion der Reaktion und des Faschismus“ sollte liquidiert, den Flüchtlingen und Vertriebenen (Flucht und Vertreibung) sowie landlosen Bauern die Möglichkeit zum Aufbau einer neuen Existenz gegeben werden.

Die Verordnungen zur Bodenreform führten in der SBZ in wenigen Monaten zu einer radikalen Veränderung der Eigentums- und Wirtschaftsstruktur: Aller Großgrundbesitz von über 100 ha (= 2,5 Mio. ha), dazu 4.537 Betriebe von unter 100 ha, sofern sie ehemals aktiven Nationalsozialisten gehörten, was oft nicht zutraf, wurden entschädigungslos enteignet (Eigentum). Der so entstandene Bodenfonds wurde aus staatlichem Besitz aufgestockt und machte schließlich 3,2 Mio. ha aus, die an 559.089 Privatpersonen verteilt wurden. Die starke Zerstückelung der neugeschaffenen Nutzfläche hatte unrentables Wirtschaften und Produktionseinbußen zur Folge. Die Proteste der „bürgerlichen“ Parteien, insbesondere der CDU, gegen die entschädigungslosen Enteignungen und ihren gewalttätigen Vollzug hatten keinen Erfolg. Spätestens mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft 1960/61 in der DDR musste die B. als gescheitert angesehen werden.

In den westlichen Besatzungszonen spielte die B. nur eine untergeordnete Rolle, zumal die Besatzungsmächte nicht an der Zerschlagung überkommener Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen und an entschädigungsloser Enteignung interessiert waren, sondern wirtschaftlichen Wiederaufbau und Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität anstrebten. Die ebenfalls geplanten Siedlungsprogramme kamen jedoch nicht zur Ausführung.

Literatur

G. J. Trittel: Die Bodenreform in der britischen Zone 1945–1949 (1975); U. Enders: Die Bodenreform in der amerikanischen Besatzungszone 1945–1949 unter besonderer Berücksichtigung Bayerns (1982); A. Bauerkämper (Hg.): „Junkerland in Bauernhand“? Durchführung, Auswirkungen und Stellenwert der Bodenreform in der SBZ (1996).

Manfred Agethen