Bund Christlicher Demokraten (BCD)

Im Verlauf der Novemberrevolution 1918 gab es verschiedene Bestrebungen, dem Protestantismus eine parteipolitische Repräsentation zu verschaffen. Für kurze Zeit existierten Versuche einer Zusammenarbeit mit dem Zentrum, das aus verschiedenen Gründen eine Öffnung zur interkonfessionellen Sammelpartei erwog. In Berlin wurde im Januar 1919 der „BCD – Evangelischer Zweigverein der Zentrumspartei.“ von Pastor Johannes Haecker, Bankier Arno von Rehbinder, Rechtsanwalt Albert Weidner und Theologieprofessor Karl Dunkmann gegründet mit dem Ziel vor der Wahl zur Nationalversammlung protestantische Wähler für die „Christliche Volkspartei“ (Name des Zentrums 1918/19) zu werben. Der Erfolg der Bemühungen war gering. Für die große Mehrheit der Protestanten war eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum indiskutabel, nicht zuletzt aufgrund der Abwendung des BCD von der Monarchie hin zur Republik. Die Zentrumspolitiker, die für eine überkonfessionelle Zusammenarbeit eintraten, sahen sich großen Widerständen innerhalb der Partei ausgesetzt. Ende 1919 bestand der BCD faktisch nicht mehr. Karl Dunkmann versuchte mit der Gründung der Zeitschrift „Deutsche Monatshefte für christliche Politik und Kultur“ erneut seine theoretische Konzeption durchzusetzen, im Juli 1920 musste er jedoch neben der Erfolglosigkeit seiner Zeitschrift auch das endgültige Scheitern des BCD eingestehen.

Literatur

G. Mehnert: Evangelische Kirche und Politik 1917–1919 (1959); K. Nowak: Evangelische Kirche und Weimarer Republik (1981).

Michael Hansmann/Denise Lindsay