Bund der religiösen Sozialisten Deutschlands (BrSD)

Nach dem 1. Weltkrieg schlossen sich in Baden, Thüringen, im Rheinland, in Württemberg, in der Pfalz und in Norddeutschland unabhängig voneinander Protestanten zu Gruppen zusammen um für den Sozialismus zu arbeiten. In Berlin entstand im Dezember 1919 die erste Organisation mit dem Namen „Bund der religiösen Sozialisten“ aus der Vereinigung des „Bundes sozialistischer Kirchenfreunde“ und dem „Bund Neue Kirche“. Im August 1924 wurde in Merseburg aus den verschiedenen Bünden die „Arbeitsgemeinschaft religiöser Sozialisten“ gebildet, und 1926 wurde auf dem 2. Kongress in Merseburg die Reichsorganisation des BrSD gegründet. Erster Vorsitzender war Erwin Eckert, dem auch die Schriftleitung des Bundesorgans „Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes“ (1926–1931) oblag. Der organisatorische Aufbau des BrSD umfasste neben der Reichsebene Landesverbände, Ortsgruppen und selbständige Arbeitsgemeinschaften. Ziel des Bundes war es, katholische, christliche und jüdische Arbeiter für seine sozialistischen Vorstellungen zu gewinnen.

Eckert weigerte sich, der vom Evangelischen Kirchentag 1930 ausgesprochenen Verurteilung der Christenverfolgung in Russland zuzustimmen, wurde 1931 aus der SPD ausgeschlossen, trat der KPD bei und aus dem BrSD aus. Zwischen April und Juni 1933 lösten sich einige Landesverbände bzw. Ortsgruppen auf. Als Organ des BrSD erschien bis zum Verbot im März 1933 „Der Religiöse Sozialist. Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes“.

Nach 1945 erfolgten Neugründungen, die in der SBZ schnell verboten wurden und im Westen nur das Dasein einer kleinen Splittergruppe führen.

Literatur

R. Breipohl (Hg.): Dokumente zum religiösen Sozialismus in Deutschland (1972); F.-M. Bauer: Klassengegensätze in der Kirche. Erwin Eckert und der BrSD (1973); F.-M. Balzer/K.-U. Schnell: Der Fall Erwin Eckert (1987); K. Lipp: Religiöser Sozialismus und Pazifismus. Der Friedenskampf des BrSD in der Weimarer Republik (1995).

Michael Hansmann / Denise Lindsay