Ellwanger-Kreis

Am 1./2. März 1947 trafen sich in Ellwangen (Ostalbkreis) erstmals Minister und Staatssekretäre von CDU und CSU aus den Ländern der amerikanischen Besatzungszone, um – jenseits fester Organisationsstrukturen – eine übergreifende Koordination ihrer Politik im Stuttgarter Länderrat und in der Bizone herzustellen. In der Folgezeit stießen Unionspolitiker aus der französischen und britischen Zone hinzu. Maßgebliche Vertreter waren Anton Pfeiffer, Werner Hilpert, Heinrich Köhler, Josef Beyerle, Gebhard Müller, Paul Binder, Walter Strauß, Heinrich von Brentano und Adolf Süsterhenn. Geschäftsführer war Staatssekretär Hermann Gögler. Neben der zwischenzonalen Abstimmung wurden Fragen der Gestaltung Deutschlands, Grundlagen der neuen überkonfessionellen Volksparteien, Bodenreform- und Sozialisierungsfragen und ein zukünftiger Friedensvertrag diskutiert. 1948/49 standen Fragen der Verfassung im Vordergrund. Der von den Ellwangern erarbeitete Verfassungsentwurf, der dem Parlamentarischen Rat als Drucksache vorlag und nachhaltigen Einfluss auf die Beratungen zum Grundgesetz erlangte, begründete den Ruf des Kreises. Mit Festlegung der großen Linien einer Bundesverfassung stellte er einen Kompromiss zwischen den zentralistischen Tendenzen der Union im Norden und den stark föderalistischen Positionen der süddeutschen Vertreter dar. Nach Gründung der Bundesrepublik und der politischen Konsolidierung der Länder und des Bundes sowie der Unionsparteien widmete sich der Kreis, der in späteren Jahren ca. 60 Mitglieder umfasste, Grundsatzproblemen der Staats- und Gesellschaftsordnung, ohne allerdings noch großen Einfluss ausüben zu können. 1972 löste sich der Kreis auf.

Literatur

G. Buchstab: Der Ellwanger Freundeskreis der CDU/CSU, in: Ellwanger Jb. 36 (1995/96).

Günter Buchstab