Entspannungspolitik

Die Entspannungspolitik war der Versuch, den Ost-West-Konflikt zu entschärfen und damit den Kalten Krieg als existentielle Bedrohung zu überwinden. Erste Bemühungen um Entspannung wurden bereits nach Stalins Tod 1953 mit der Berliner Außenministerkonferenz 1954 und vor allem mit der Genfer Gipfelkonferenz der Vier Mächte 1955 unternommen. Von einem Übergang zur Entspannung kann allerdings erst unter Präsident John F. Kennedy nach der Kuba-Krise 1962 gesprochen werden, in der die Welt am Rand eines Atomkrieges stand. Die Einrichtung eines „heißen Drahtes“ zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml sowie die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den USA, Großbritannien und der Sowjetunion über einen begrenzten Atomteststopp 1963 waren erste Schritte auf dem Weg zu einer umfassenden Rüstungskontrollpolitik, die 1968 zum Abschluss des Nichtverbreitungsvertrages für Kernwaffen und anschließend zum Beginn von Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) zwischen den USA und der Sowjetunion führte.

Die Bundesrepublik Deutschland beteiligte sich an der Entspannungspolitik nach Ansätzen unter Außenminister Gerhard Schröder vor allem mit der „neuen Ostpolitik“ Willy Brandts ab 1969. Diese war eng mit den Verhandlungen der Vier Mächte über das Berlin-Problem (Viermächte-Abkommen 1971) sowie der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und der Konferenz über eine gegenseitige und ausgewogene Verminderung von Truppen und Rüstungen in Mitteleuropa (MBFR) verbunden. CDU und CSU standen dieser Politik wegen der mit ihr einhergehenden Anerkennung der DDR lange Zeit kritisch gegenüber. Sie bekämpften nicht nur die Politik Brandts, sondern lehnten auch die KSZE und die Schlussakte von Helsinki 1975 ab. Erst unter Bundeskanzler Helmut Kohl ab 1982 machte sich die Union die Prinzipien der Entspannungspolitik zu eigen. Tatsächlich trug die Entspannung wesentlich zum Abbau der Feindbilder zwischen Ost und West bei und förderte damit auch den Auflockerungsprozess innerhalb der kommunistischen Staaten.

Literatur

M. Görtemaker: Die unheilige Allianz. Die Geschichte der Entspannungspolitik 1943–1979 (1979); O. Grinevskij: Tauwetter. Entspannung, Krisen und neue Eiszeit (1996); G. Schöllgen: Geschichte der Weltpolitik von Hitler bis Gorbatschow (1996).

Manfred Görtemaker