Fürsorge

Sozialhilfe, freie Wohlfahrtspflege

Die Fürsorge, historisch eng mit der christlich-karitativen Armenpflege und der älteren staatlichen und kommunalen Wohlfahrtspflege verbunden, ist eine von drei Säulen (neben Versicherung und Versorgung) der sozialen Sicherungssysteme. Die Fürsorge will Unterstützung aus kollektiven Mitteln bei individueller Notlage geben, die nicht durch Selbsthilfe oder Leistungen anderer behoben werden kann (Subsidiarität). Heute wird Fürsorge überwiegend als Grundsicherung und Garant menschenwürdiger Existenz angesehen, die aus der staatsbürgerlichen Solidarität resultiert; Fürsorge umfasst insbesondere Hilfe zum Lebensunterhalt, Hilfe in besonderen Lagen wie vorbeugende Gesundheitshilfe, Kranken-, Behinderten-, und Blindenhilfe sowie Hilfe zur Pflege. Hilfen der Fürsorge sind an individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlich defizitären Gruppen orientiert und gliedern sich z. B. in wirtschaftliche Fürsorge, Jugend-, Alters-, Gesundheits-, Kriegsopfer- Fürsorge und Straftentlassenen- Fürsorge. Träger der Fürsorge sind freie Wohlfahrtsverbände wie Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden und öffentlich-rechtliche Körperschaften (kommunale Wohlfahrtspflege). Die Fürsorge ist insbesondere im Bundessozialhilfegesetz von 1961 geregelt und wird dort als Sozialhilfe bezeichnet; üblich ist auch die Bezeichnung Wohlfahrtspflege. Als amtliche Bezeichnung wird der Fürsorgebegriff freilich nur noch in Spezialbereichen (z. B. Kriegsopfer- Fürsorge) verwandt.

Literatur

H. Scherpner: Theorie der Fürsorge (2. Auflage 1964); H. Rohwer-Kahlmann: Die Fürsorge, in: Zeitschrift für Sozialreform 13 (1967); F. Maget u. a. (Hg.): Wie fest ist das soziale Netz? (1994); S. Hering/R. Münchmeier: Geschichte der sozialen Arbeit (2000).

Peter Trenk-Hinterberger